Es ist schwer deinen Schnitt zu bewerten, ohne zu wissen woher du kommst und in welchem Bundesland du den Abschluss gemacht hast, aber allgemein ist anzumerken, dass die gymnasiale Oberstufe kein Vergleich zur gesamten Realschule ist.
Alleine durch die Lehrpläne und Vorgaben sind die Diskrepanzen so hoch, dass du bereits jetzt schon große Defizite aufholen musst. Nicht umsonst ist der Anteil der Abitur machenden Realschüler direkt nach ihrem Abschluss seit langer Zeit verschwindend gering. Bei uns an der Schule gab es z.B. in den letzten zwei Jahrzehnten gerade mal eine Hand voll Realschüler, die sich an das Abitur gewagt haben und nicht einmal die Hälfte hat es bestanden.
Dank des deutschen Bildungssystems, das den einzelnen Menschen nur als ein arithmetisches Mittel aus Noten betrachtet, läufst du gefahr deine Chancen auf eine gute Ausbildung zu verspielen. Häufig nehmen stark siebende Unternehmen lieber einen Realschüler mit schlechterem Einserschnitt als einen Abiturienten mit mittlerem Zweierschnitt, obwohl dieser, wie etliche Tests, Lernstandserhebungen und Vergleichsklausuren ergeben haben, fast schon locker den selben oder einen besseren Schnitt auf der Realschule wie der Realschüler geschafft hätte. Aber ein Einserschnitt sieht nunmal besser aus. Das ist unser absurdes System.
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Originally Posted by Vulcanraven
Ausbildung , Schule kannste dannach auch noch machen zum Beispiel Abendschule.
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Das gleiche könntest du von einer Ausbildung auch behaupten. "Ausbildung kannst du später noch machen" und mit Abitur kann er diese sogar in einigen Fällen auch noch verkürzen.
Wer einmal arbeitet und sich an das monatlich zufließende Geld gewöhnt hat, wird nicht mehr so schnell davon loskommen wollen.
Auch wirst du nach einem 8-10 Stunden Tag wohl wie die meisten nur wenig Motivation aufbringen danach noch den rest deiner kurzen Freizeit in der Schule und mit lernen verbringen.
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Originally Posted by Souljaboy1996
ich bin für schule denn wenn du abi hast hast du größere chancen einen gut bezahlten beruf zu bekommen
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Das ist schon lange nicht mehr der Fall und man sieht eine gegenteilige Entwicklung. Viele studierte aus dem sozialwissenschaftlichen Bereich reihen sich in die Lohntabelle mit Friseuren ein und verdienen sowieso viel weniger als jeder gelernte Facharbeiter.
Ein Studium ist heutzutage weder Garant für Erfolg noch für Geld. Man studiert, wenn einem das Studium interessiert und man Interesse an Forschung und Entwicklung zeigt, denn ein Studium kann diese Möglichkeit eröffnen. Eventuell bietet es dadurch auch mehr Abwechslung. Dafür landet man dann in der ausgebeuteten "Generation Praktikum" und muss unter den besten der besten sein, um wirklich eine hohe Chance auf finanziellen Erfolg zu haben.
Ein gutes Beispiel sind unsere armen Ärzte. Man muss einen der anstrengendsten, schwierigsten und lernintensivsten Studiengänge überhaupt überwältigen, zu dem man sowieso nur schwer zugelassen wird, wenn man keinen nahezu perfekten Einserschnitt im Abitur aufweisen kann, ein wirklich schlimmes Jahr im Klinikum über sich ergehen lassen, in dem man so viel wie die Putzfrauen verdient, sich das gesamte leben in der extrem schnellen Entwicklung der Medizin fort- und weiterbilden und viele weitere Hindernisse überwinden. Und wer pech hat, landet als einfacher Arzt in einem Uniklinikum nach 8 Jahren Grundstudium und verdient nur 3600€ Brutto - so viel wie ein Abteilungsleiter im Groß- und Einzelhandel, dessen Titel man mit etwas Glück in wenigen Jahren nach der kurzen und nicht annähernd so aufwändigen Ausbildung erreichen kann. Und der Lohn des Abteilungsleiters ist tariflich gesichert bei nur 37 Wochenstunden Arbeit. Der Arzt arbeitet gerne mal 45 Stunden und mehr, inklusive Bereitschaftsdienst und anderen Sonderschichten.