Ich widerspreche jetzt bewusst vielen Vorrednern. Einfach, weil mir die Ansicht "zu schwarz weiß" ist.
Ich bin voll auf der Seite: "Fremde Investoren für eine Idee finden/suchen ist absoluter Blödsinn".
Ihr müsst lernen, dass Ideen nichts Wert sind. Schon alleine wenn man sich folgendes fragt sieht man wie wenig es bringt wirklich Ideen zu verheimlichen:
Stellt euch mal vor ihr habt eine Idee, Geld und Zeit sie umzusetzen. Ihr setzt die jetzt 1 Jahr lang in eurem Keller um und geht dann raus und zeigt es der Welt. Die Chance ist sehr hoch, dass euer Produkt so auf diese Art und Weise niemand braucht. Klar kann man die Chance durch Marktanalyse, Freunde befragen, etc. verringern. Aber dennoch ihr wisst einfach nicht ob es funktionieren wird.
Jetzt könnte man sagen: "Ja komm, das weiß man doch nie!"
Richtig, man weiß es nie. Deswegen sollte das aller Erste, was ihr macht sein, herauszufinden, ob der Bedarf wirklich da ist. Und das läuft in der Regel immer gleich ab:
1. Analysieren wie groß der Markt ist, wie es mit Skalierbarkeit aussieht, ob man das nötige Wissen hat, etc.
2. Freunde/Bekannte Fragen was sie davon halten (hier wird das Feedback erfahrungsgemäßg entweder absoluter Zuspruch sein oder absolute Skepsis; Einfach weil Freunde euch "gern haben" und euch vor Fehlern bewahren wollen. Je nach Mindset empfehlen sie daher: "Ja probiers einfach" oder "Ja such dir lieber einen sicheren Job").
3. Wenn 1. und 2. überwiegend positiv verliefen, dann geht ihr raus und fragt fremde Leute auf der Straße/in Läden, die tendenziell eure Zielgruppe ist, was sie von der Idee halten. Z.b. könntet ihr bei einem "Senioren-Lieferservice" explizit an Stellen gehen, wo sich besonders viele Senioren aufhalten, wie etwa Strickläden, lokale Spieleabende, etc.
4. Sobald 1 bis 3 ausreichend erfolgreich waren baut ihr einen MÖGLICHST EINFACHEN Prototypen. Wenn eure Idee z.b. ist, dass ihr einen Strick-Roboter bauen wollt, dann versucht das weitestgehend zu simulieren, um Feedback zu bekommen wie die Leute darauf reagieren.
Man könnte zum Beispiel vor einem Geschäft seiner Wahl eine "Box" aufstellen mit der Aufschrift "Wir stricken ihre Wünsche für Sie. Einfach ein Konzept/Bild ihrer Idee einwerfen".
Und dann strickt ihr die ersten X Kunden selbst per Hand und schaut wie die Leute darauf reagieren, was sie bereit sind zu zahlen, etc.
Wenn das Feedback großteils positiv ist, dann schaut ihr ob das technisch machbar ist, baut auch dazu einen Prototypen, der z.b. nur Socken stricken kann, etc.
5. Wenn 1 bis 4 positiv waren, dann und NUR DANN, könnt ihr nach Investoren suchen und werdet auch genug finden.
Viele werden jetzt bestimmt argumentieren:
Ja aber ich kann mein Produkt doch nicht immer auf wenige "wichtige" Punkte reduzieren. Wenn das euer Argument ist, dann solltet ihr die Idee nocheinmal überdenken. In der Regel macht ihr dann nämlich etwas was es genau so schon gibt (was nicht zwingend negativ sein muss!) oder ihr denkt ihr könnt durch "Komplexität" Kunden gewinnen.
Vor allem solltet ihr auch immer im Hinterkopf behalten:
Selbst wenn ich die Idee jetzt geheim halte, spätestens wenn ich mein produkt verkaufen will, wird "jeder" wissen was mein Produkt ist.
Und spätestens dann braucht ihr ein USP oder eine andere Art von Kundenbindung, sonst sind die Kunden schneller weg als ihr sie gewinnen könnt.
Beispiele gibts dazu in der Vergangenheit genug:
SchülerVZ/MySpace vs. Facebook
Yahoo vs. Google
Intel vs. AMD
Check24 vs. Trivago/Booking/Expedia/...
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Ideen alleine sind nichts Wert und mit Ideen alleine, die ihr geheim haltet verschafft ihr euch maximal einen Vorsprung von wenigen Monaten, welcher aber mit ausreichend Geld negiert werden kann.
Selbst hier bei einem Kunden von mir. Der entwickelt eine KI, um Röntgenbilder automatisch nach Tumoren, etc. absuchen zu lassen. Das Produkt ist noch nicht einmal ansatzweise fertig und der Kunde ist schon rausgegangen und hat den Prototypen zig verschiedene Kliniken vorgestellt.
Und das ist kein Unternehmen mit 100 Mitarbeitern, sondern mit 320k. Die könnten es sich theoretisch leisten mal paar Millionen "zu verbrennen".
Oder siehe auch die Meldung von neulich von Google ala "Wir haben den geilsten Quantencomputer". Die hätten da auch erst einmal 10 Jahre weiterforschen können und das Ding dann auf den Markt werfen können mit dem Argument: "Dann denken die anderen vielleicht, dass wir daran nicht forschen, was sie vielleicht weniger vorantreibt"
Wenn so viele und vor allem auch große/erfolgreiche Firmen selten bis nie "geheime Projekte" haben, dann sollte man sich überlegen, ob man als "kleiner Mann" vielleicht auch etwas "liberaler" mit seinen Ideen umgehen sollte.
Ich "share" einfach einmal ein paar "meiner guten Ideen" mit Begründung, nicht weil die so innovativ sind, sondern weil die Ideen alle Punkt 1 und 2 überlebt haben.
Quote:
- Ein Programm, welches "Töne" von genau einem Instrument gleichzeitig in Noten umwandelt. Gut, weil hohe Markteintrittshürde (benötigt ziemlich viel Know-How in Musik-Richtung und KI-Richtung)
- AInkaufs-Liste, ein Programm, welches dir hilft deinen Einkauf zu optimieren. Beispielsweise könnte es dir Rezepte vorschlagen basierend auf deinen vergangenen Essen, sowie Optimierungen ala "1x Milch" umwandeln in "1l Milch", etc. Gut, weil Prototype sehr schnell gebaut ist und Skalierbarkeit praktisch unendlich ist
- Geschenke-Service. Ein Service, der dir hilft Geschenke für Personen zu finden und diese dann auch verpackt. Gut, weil es schlecht skaliert außer man hat das Wissen und schafft es sowohl die Geschenke-Vorschläge automatisiert zu generieren sowie die Geschenke an sich auch "automatisch zu verpacken". Dafür lässt sich ein Prototyp super einfach testen: Einfach Wordpress-Seite mit Kontaktformular aufsetzen und fertig.
- Online "Mixgetränke-Mixer" ala MyMuesli nur für Alkohol. Auch hier lässt sich ein Prototyp super einfach umsetzen, indem man einfach eine Wordpressseite mit Kontaktformular benutzt
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Wie gesagt sind die "Ideen" nicht gut, weil sie so innovativ/neu/ka sind oder weil ich denke, dass ich der geilste bin. Sondern weil sie alle skalieren und gewisse Markteintrittshürden haben oder aber es erlauben mit praktisch 0 Investition und Startkapital praktisch 100% von der Grundidee zu testen.
Und genau das ist auch meine Ansicht bei Produkten und Selbstständigkeit:
Produkte gerne, aber entweder mit extrem geringen Investitionskosten für einen Prototypen oder mit ausreichend hohen Markteintrittshürden. Wenn eine Idee beides nicht hat, dann sollte man als Anfänger definitiv weg bleiben von der Idee und das Feld dann eher den Großen überlassen, die ein paar 100k Euro Risikokapital "einfach so" auftreiben können und die das dann auch dementsprechend wenig juckt.
Dementsprechend wenn ihr wirklich denkt ihr müsst eure Idee verheimlichen, ist das zum Scheitern verurteilt ohne dass ihr überhaupt angefangen habt. Teilt eure Idee einfach einmal hier und eventuell findet sich sogar ein Investor. Ansonsten macht lieber was anderes. Experten-Wissen verkaufen ist zum Beispiel aktuell relativ lukrativ (wie meine Vorposter schon vorgeschlagen haben).