Die Gruppe sammelt sich zur Gehmeditation, Treffpunkt ist oben auf der Apfelwiese, auf einer Anhöhe über dem monströsen Bau, wo die Deutsche Arbeitsfront der Nazis Kraft durch Freude tanken sollte. Angeleitet von einem buddhistischen Mönch in dunkelbrauner Kutte schreiten Menschen inmitten der Obstbäume im Kreis und kehren in sich. Danach verschwinden sie schweigend in den sattgrünen Wäldern des Bergischen Landes, bevor sie mit dem Zug oder dem Auto in den Irrsinn des Alltags zurückkehren.
Vier Tage haben die 20 Menschen im European Institute of applied Buddhism (EIAB) in Waldbröl verbracht, die Frauen und Männer haben ein Wander-Retreat gebucht. Das Programm hat es in sich: 5 Uhr aufstehen, 5.30 Uhr Sitzmeditation, 6.30 Uhr Körperübungen, 7.30 Uhr Frühstück und dann Wandern. Gesprochen wird dabei nicht, nur in den Pausen. Die Teilnehmer, die aus ganz Deutschland angereist sind, wollen Stress vergessen und Achtsamkeit lernen, die Begegnung mit der Natur genießen, die Bäume und die Vögel. Zwischendurch knien sie, berühren in Demut die Erde und praktizieren die alte chinesische Kunst des Qigong, bei der durch Bewegung Körper und Geist harmonisiert werden sollen.
"Ich konnte mich fallen lassen. Die Gruppe hat mir gut gefallen. Geborgenheit, Flow, die Natur. Vielen Dank an Euch alle", sagt eine Frau beim Sharing am Sonntagvormittag. Ein anderer, der privat unruhige Zeiten durchlebt, fühlt sich beseelt und erfüllt. Beim Sharing sitzen die Teilnehmer im Kreis und teilen ihre Erfahrungen der vergangenen Tage. Jeder darf reden, so lange er will. Am Ende jeder Äußerung falten alle die Hände, verbeugen sich, ein Mönch schlägt die goldene Klangschale und ein tiefer erdiger Ton erfüllt den Raum. In der Mitte der Gruppe, auf dem hellbraunen Parkett, steht eine Blumenvase mit frischen gelben und roten Rosen, drumherum ein Kreis aus Blütenblättern.