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Ich tu mir generell seit Längerem schwer mir vorzustellen, wohin die Reise gehen wird, was das Thema angeht. Ich habe meine Thesis in dem Bereich geschrieben, kenne einige Menschen, die im Beruf an KI Innovationen mitwirken. Ich versuche bei meiner Antwort mal Politik und Ethik auszublenden, auch wenn es eigentlich für mich keine rein technische Frage ist.
Stand jetzt ist KI-Code für bestehende Anwendungen nicht bereit für die Produktion. Für ein kleines Script, eine kleine Anpassung oder zum Beziehen von Informationen reicht es. Der notwendige Kontext für komplexe Probleme ist aktuell zu groß. Selbst bei einfachen Problemen, die wenig Kontext erfordern, passieren Fehler, die die KI auch nach mehrfachen detaillierten "prompts" nicht behebt. In solchen Fällen verliert man eher Zeit, als dass KI einen produktiver macht. Wenn verwendete Technologien nicht Teil der Trainingsdaten sind, dann ist die KI sowieso nicht zu gebrauchen. KI Unternehmen brauchen natürlich noch mehr Ressourcen, um ihre Technologien auszubauen, daher sind da goldene Versprechungen ein dem Geschäft und der Innovation dienender Imperativ. Ich würde zwar den Benchmarks kein volles Vertrauen schenken, aber die Begeisterung bei Managern und CEOs ist nachvollziehbar und auch die einzig richtige Reaktion auf so eine Veränderung, denn alle wollen KI in ihre Produkte einbauen, um ja nicht von der Konkurrenz abgehängt zu werden.
Auf dem "Schlachtfeld" sieht es aber aktuell anders aus. Man kann definitiv Prozesse mit KI effektiver machen, wenn man weiß, für welche Aufgaben KI geeignet ist und für welche nicht, aber die Intelligenz, Anforderungen zu definieren, eine Lösung zu entwerfen und die Nebeneffekte der Lösung zu begreifen, besitzt aktuell nur ein Mensch. Außerdem muss erkannt werden, dass man Verständnis und Verantwortung abgibt, wenn man die KI ein Problem lösen lässt. Wenn Unternehmen irgendwann problematische KI-Lösungen in die Welt setzen, deren Problematiken sich aber erst später herausstellen, aber keine Menschen (mehr) im Team sind, die die technischen Kompetenzen haben, um den Problemen gerecht zu werden, dann hat man sich in eine Sackgasse navigiert und keine Lösung geschaffen. Auch kann KI dem Lernen und Verstehen im Wege stehen, was niemals passieren darf. Die Nutzung von KI dient nicht unbedingt dem Ausbau der eigenen Kompetenzen, aber ganz sicher dem Ausbau der KI und dem Ausbau des Glaubens, dass KI unsere Probleme lösen kann.
Aber es ist wie gesagt noch früh und meine Wahrnehmung sehr subjektiv und auch oft von politischen und ethischen Bedenken geplagt. Ich kenne sehr kompetente Menschen, die wirklich glauben, dass wir in nicht weit entfernter Zeit "die nächste Evolutionsstufe" erschaffen haben usw. Ich sehe das eigentlich nicht so und befürchte, dass der Glaube daran, dass es bald so weit wäre, schon genug schaden anrichten kann. Leider nicht nur innerhalb eines Unternehmens. Aber vielleicht bin ich auch nur ein Pferd, dass dem vorbeifahrenden Auto hinterherschaut? Ich weiß es nicht. Für mich ist es nur ein Tool mit klaren Grenzen. Ich nutze es lieber einmal zu wenig als einmal zu oft.
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