Warum? Naja ich will keine kleinen Bushidos aus ihnen machen, aber genau wie Rap für mich ein wunderbares Ventil ist, meine Gefühle und Gedanken auszudrücken, kann ich dieses Werkzeug auch den Kids in die Hand geben, die es gewohnt sind, ihre Sorgen und Nöte entweder nur in Form von Gewalt rauszulassen oder sie gar nicht zu zeigen (Gefühle = Schwäche zeigen) und sich eine kalte, harte Fassade aufbauen.
Außerdem kann man über diesen kleinen "Trick" die Kids auch endlich für irgendwas begeistern. Häufig haben sie gar keine Interessen, keine Ziele, nichts und leben in den Tag hinein, strengen sich bei nichts an, haben keinerlei Ehrgeiz und oft auch kein Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten, eben weil sie nichts machen außer rumhängen, Schule (und das häufig schlecht und ohne Interesse).
Nun komme ich! Ich geb ihnen also was, das:
1. cool ist,
2. jeder kann, wenn er sich bissl anstrengt
3. man nutzen kann, um sich zu behaupten
4. man benutzen kann, um neue Menschen und Eindrücke kennen zu lernen
5. etwas ganz Eigenes sein kann
6. einem helfen kann, sich all seine Sorgen, Gedanken etc. von der Seele zu schreiben
und extra: sie lernen Ehrgeiz, lernen lernen (denn man muss schließlich den Text können) und sie schreiben FREIWILLIG etwas! (und das kommt in bestimmten Kreisen erstaunlich selten vor).
Nun, wie mache ich das?
1. Theorie:
--> Rap ist wie ein Gedicht, man braucht nicht singen können, man muss nur sprechen können, wer was zu sagen hat, kann auch rappen!
--> Man braucht etwas Rhythmusgefühl, aber auch das kann man lernen
--> Rap ist ein 4/4 Takt, wir zählen also 1 - 2 - 3 - 4
--> Das wichtigste für den Rapper ist das Drumpattern, d.h. das "Schlagzeuggerüst" des Beats, daran orientieren wir uns
--> Genau wie beim Schlagzeug besteht das "Gerüst" aus Drumkick und Snare (ggf. Hihat etc), uns reicht das auch!
Ein Beispielbeat, auf den sicher jeder Rapper schon mal gerappt hat:
Also....wer jetzt den 1 - 2 - 3 - 4 Takt noch nicht erkannt hat, vll kann mans so beschreiben:
Bumm - Tschack - Bumm Bumm - Tschack, das ist eine "Zeile"!
Bumm (also das, was klopft, stampft, eben tiefer ist) ist dabei der Drumkick. Der sitzt meistens auf der 1 und um die 3 herum.
Tschack (also das, was klatscht, oft auch wirklich mit Handclaps als "Instrument") ist die Snare. Die sitzt meist auf der 2 und der 4 und DAS ist das wichtigstes für den Rapper!
Zsf: Der Rapper braucht nen Beat, dabei ist v.a. die Snare wichtig, die klatscht und sitzt auf der 2 und 4.
Ok....jetzt kennen wir den Beat und wie er aufgebaut ist. Der muss nun auch mit Text gefüllt werden.
--> Die einfachste Form eines Raptextes ist eine Art Gedicht mit Endreim.
--> Das Reimschema ist der Paarreim, also AA BB CC DD und so weiter.
--> Dabei reimt sich immer das letzte Wort der Zeile mit dem letzten Wort der nächsten Zeile.
--> Eine Zeile ist einmal der Takt also einmal 1 - 2 - 3 - 4 bzw. einmal "Bumm - Tschack - Bumm Bumm - Tschack"
--> wichtig ist: DAS LETZTE WORT SOLLTE AUF DER "4" sein! D.h. der Reim sitzt immer auf der letzten Snare!
Beispiel
1 2 3 4
Draußen liegt noch ganz viel Schnee
den ich aus dem Fenster seh
Ja, ich weiß, das ist sehr einfach und sehr kurz, aber so siehts halt aus. Die Betonung befindet sich auch immer direkt auf der 1, 2, 3 und 4.
ACHTUNG: Das ist die einfachste Art des Raps, dementsprechend klingts auch.
Zsf: Immer mindestens 2 Zeilen müssen sich reimen, der Reim steht am Ende der Zeile auf der 4, also 1 und 2 und 3 und REIM.
2. Praxis:
Nun zum Inhalt:
--> Jedes Thema kann in nem Rap verbraten werden, es sollte nur "real" sein, finde ich, d.h. wenn ihr keine Gangster seid, erzählt nicht, dass ihr mit der fetten Karre und ner Knarre durch die Hood fahrt und Drogen vercheckt, wenn ihr grad mal 14 seid, keinen Führerschein habt und behütet bei Mutti im Reihenhaus wohnt! DAS IST nichts als PEINLICH! Kein Zuhörer wird das ernst nehmen, wenn er dich kennt.
--> Klaut nicht! Es gibt immer jemanden unter den Hörern, der den Track erkennt. Nur eigne Texte verdienen Respekt!
--> Ich zitiere mal Curse "lieber zehn Sätze die brennen als zehn Minuten verschwenden" d.h. ÜBEN! Man muss immer selbstkritisch sein, entweder man machts gut oder man schließt sich ins dunkle Kämmerlein ein und tüftelt, bis es so klingt, dass man sich nicht schämen muss. Ich habe meinen ersten Text vor 11 Jahren geschrieben, der war beschissen, ich war vor 9 Jahre das erste Mal auf der Bühne und ich fands schlecht, ich hab 2 Jahre zu Hause für mich weitergetüftelt und jetzt kann ich schon zufriedener sein und bin stolz auf das, was ich kann!
--> Höre Rap! Höre, wie andere Rapper ihre Reime und Silben setzen. Das Grundgerüst ist meist gleich, aber das, was zwischen der 1 und der 4 steckt, nennt man Flow! Den muss man erst entwickeln und das bekommt man über Erfahrung und Einflüsse und Orientieren aber NICHT KOPIEREN!
--> Variiere die Reime! Reime nicht immer nur dasselbe!
Reime:
--> wie gesagt, wir haben Endreim / Paarreim, das kann man aber auch variieren.
Dazu kurzer Abriss, wie eine Silbe auf gebaut ist:
Eine Silbe besteht in unserer Sprache immer aus einem Vokallaut o. Diphtong (au, ei, eu) und meins min. einem Konsonanten
- Man unterteilt sie in Onset & Reim. Dabei ist der Reim der Silbenhöhepunkt, also der Teil, in dem der Vokal ist. Der Vokal ist der "Nukleus", also ist der Vokallaut das wichtigste der Silbe, ergo der Vokallaut ist das wichtigste des Reims!
Aufgrund dessen gibt es eine Einteilung in Reime, quasi im engeren Sinne und im weiteren Sinne:
Ganz einfacher "sauberer" Reim: sehen / gehen / stehen oder Haus / Maus / raus
Ein sauberer Reim hat immer die gleichen Vokallaute und die gleichen Konsonanten nach dem Vokallaut
Einfacher Reim "dreckig": Plan, Kram, sah'n, spar'n, Lad'n, mal'n
Ein "dreckiger" Reim hat immer den gleichen Vokallaut, aber unterschiedliche Konsonanten danach. Je nach Betonung reint sichs trotzdem. Diese Reime sind beliebter, weil man einfach mehr Auswahl hat.
Doppelreime
Ein Doppelreim ist ein Reim, bei dem sich mehr als 2 Silben reimen.
Beispiel: Leipzig, Weitsicht, Schreibtisch, fleißig, geizig, weiß ich, reimt sich alles
Auch hier gibt es saubere Reime und dreckige Reime.
Sauber sind: Leipzig - geizig
Dreckig sind: Leipzig - Haifisch - Schreibschrift
Klar? Doppelreime sind die hohe Kunst, da man sie nicht nur aus zusammengesetzten Wörtern sondern auch aus Kombinationen aus verschiedenen Wörtern bilden kann.
Bsp: Leipzig - reimt sich, das weiß ich, doch das reicht nicht...
Diese Reime sind sehr, sehr beliebt und ich würde auch immer empfehlen, diese zu verwenden, weil das einfach spektakulärer klingt.
Je mehr Übung man hat, desto mehr Reime fallen einem ein. Wir machen oft betrunken Doppelreim-finde-Runden, auch nüchtern bei den Workshops. Eins meiner Lieblingsbeispiele war (und das sind mehr als 2 Silben):
dreckige Fensterscheiben - mächtige Schwänze reiben, schmächtige Hengste reiten
Ja, ist jetzt nicht viel mit Inhalt, aber hey, das sind 7 Silben, die sich alle reimen! Also das Thema "Doppelreim" kann man immer weiter spielen
So...jetzt zum Text schreiben. Wir haben also ein Thema, über das wir schreiben wollen, jetzt müssen wir entweder drauflos schreiben (kurze, prägnante Aussagen, darf auch gern metaphorisch und chiffriert sein) oder wir sammeln erstmal Reime zum Thema.
Wichtig: packt nicht zu wenige Silben in eure Zeilen aber auch nicht zu viel! In der Zeit von 1 - 4 muss die Zeile inkl Reim reinpassen! Und irgendwann müsst ihr auch mal atmen! Wenn ihr zu wenige Silben bzw. Wörter habt, müsst ihr große Pausen machen, das klingt blöd. Aber das lernt man mit der Zeit.
Wenn ihr euch unsicher seid, was Flow etc angeht: rappt mal paar deutsche Tracks nach, aber nicht nur Bushido (das kann ich in nem WE-Workshop aus jedem halbwegs talentierten Teilnehmer machen!), sondern z.B. Dende, RAG, Creutzfeld Jakob, von mir aus auch Samy Deluxe und frühe KKS Sachen.
Zum Gerüst des Rapliedes: I.d.R. hat ein Rap 3 Strophen zu je 16 Zeilen und einen Chorus, der zwischen den Zeilen wiederholt wird, der entweder 2x 4 oder einmal 8 Zeilen hat. Damit kommen wir auf ca. 3 1/2 Minuten bei zw. 85 und 95 bpm (Beats per minute).
Wenn ihr euren Text schreibt: schreibt immer eine Zeile auf eine Zeile (also auf dem Blatt, beginnt ne neue Zeile, wenn ihr eure neue "Rapzeile" beginnt!!!!)
Ich verwende das übrigens auch im DaF-Unterricht und auch für normalen Deutschunterricht kann man das super verwenden.
In DaF oder DaZ kann man damit lernen: Satzmelodie, Intonation, Assimilation, Wort- und Satzakzent, Vokabular, kreatives / freies Schreiben / Textproduktion mit Vorlagen / literarische Fertigkeiten etc...
Noch Fragen? Hier ein kleiner naja..type-Freestyle (Achtung, ist NICHT überarbeitet, daher Qualität eher minderwertig für meine Verhältnisse
Ich bin ein Pole und mach schnell die kohle da kuckt mich ein Dulli mit Grossen augen an und sagst du Klauer und ich sag zu
dir was bist du den ? Der deutscher bauer ich bin kein klauer ich bin nur halt schlauer und ich werd langsam sauer und klatsche den deutschen Bauer
und sage ihm das hast du dir verdient den ich bin der der was macht und nich am mamas arsch Nachhackt du Naser Sack ich lach mich doch schlapp du
hast doch ein Stock in Deim BrEITEN Arsch ich bin hier der Starr Und Du bist nur Die Kurwa hier und du Trinkst DeutscheS Bier Ich Trinke Nur
Eins Vodka das ist das was Polnische nation Trinkt und Nicht Stinkt du kleiner Spasst Jetzt Habe Ich dir ein Korb Verpasst du Spasst
Nichts Gegen Die Deutschen
Quelle:
Ich Wünsch euch Viel Spass beim Tippen
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