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Einstieg in die Softwareentwicklung

Discussion on Einstieg in die Softwareentwicklung within the General Coding forum part of the Coders Den category.

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Einstieg in die Softwareentwicklung

Inhalt
  1. Einleitung
  2. Was macht man als Informatiker
    1. Was ist Informatik?
    2. Die Arbeit im Unternehmen
    3. Ist Softwareentwicklung etwas für mich?
  3. FAQ
  4. (von @)
    1. Schlusswort
    2. Entwicklungsumgebungen, Bücher und Tutorials
  5. User content
    1. Erfahrungsbericht zu Studentenjobs und Studium (von @)
      1. Minijobber - Browsergame
      2. Minijobber - Onlineshop (Magento)
      3. Werkstudent - Siemens
      4. KI-Hiwi (= Künstliche Intelligenz-Hilfswissenschaftler) - Uni
      5. Informatik - Studium an der Friedrich-Alexander-Universität (FAU)
    2. Wie ich Softwareentwickler geworden bin (von @)
      1. Der erste Code
      2. Ferienkurs an der Volkshochschule
      3. Der Wechsel zum Berufskollen; Abitur + Informationstechnischer Assistent
      4. Duales Studium Mathematisch technischer Softwareeentwickler
    3. Was erwartet mich in einem Informatikstudium (von @)
    4. Uni oder FH - kleine Entscheidungshilfe (von @)
  6. Hinweise zum Abschluss



Einleitung
Hi,
ich möchte mit diesem Thema den Einstieg in das Berufsfeld eines Softwareentwickler näher erläutern und einen Einblick in die Thematik ermöglichen. Ziel ist es auch unerfahrenen Menschen, die noch nie etwas programmiert haben, einen Eindruck zu vermitteln, was man in der Softwareentwicklung macht, wie man arbeitet und euch ggf. ein wenig die Angst davor zu nehmen. Falls du also dazu gehörst, noch gar keine oder nur sehr wenige Erfahrungen mit dem Programmieren gemacht hast (bitte zählt Schulinformatik nicht pauschal als Erfahrung, denn in den meisten Fällen ist diese traurigerweise ein Witz bei uns in Deutschland), bist du hier genau richtig, erst recht wenn du dir vorstellen kannst, die Informatik als Berufsweg zu wählen. Dafür werden dir hier die Denkweise eines Informatikers (denn die wirst du brauchen) sowie mögliche Berufsrichtungen und Studiengänge vorgestellt.


Was macht man als Informatiker?
Am meisten wird dich sicherlich interessieren, welche Aufgaben man im späteren Berufsleben ausführt. Kurz zur Aufklärung: Der Begriff Informatik umfasst mehr als reine Softwareentwicklung, auf welche ich mich hier konzentrieren werde. Um dir aber kurz eine Vorstellung zu vermitteln, was vom Begriff Informatik alles umfasst wird, hier eine Beschreibung aus dem Duden zur Informatik:
Wissenschaft von der systematischen Darstellung, Speicherung, Verarbeitung und Übertragung von Informationen, besonders der automatischen Verarbeitung mithilfe von Digitalrechnern.
Anmerkung: Für diejenigen, die Interesse haben Berufe aus der Informatik vorzustellen, die nicht direkt mit Softwareentwicklung assoziierbar sind, so dürft ihr das trotzdem gerne hier machen

Zur Softwareentwicklung gehören im wesentlichen zwei verschiedene Aufgaben, welche auch jeweils spezialisiert als Beruf existieren: Software Engineering und Programmierung. Aufgabe eines Software Engineers ist vor allem die Planung von Software, das heißt das Entwerfen von Strukturen und dem Design, wie der Quellcode gestaltet wird; sie legen also Spezifikationen fest. Diese verfügen in der Regel über ein stark ausgeprägtes problemorientiertes Denken, sodass Probleme direkt am Ursprung angegangen werden. Das Resultat ist im Idealfall eine Softwarearchitektur, welche gut funktioniert, also schlank aber dennoch voll funktionabel und gut erweiterbar sein sollte. Da man als Software Engineer die Konzepte und Ideen gut kommunizieren können muss, um Missverständnisse zu vermeiden, sind hier auch hohe soziale Kompetenzen gefordert.
Ein Programmierer setzt die Entwürfe eines Software Engineers nachher in Programmcode um und arbeiten nach den gesetzten Vorgaben. Da das "wie" dabei in der Regel schon feststeht haben Programmierer oft ein eher lösungsorientiertes Denken. Bei Fehler in der Software (Bugs) äußert sich dies leider auch oft darin, dass Probleme nicht unbedingt an der Wurzel behoben werden, sondern lediglich versucht wird das Verhalten der Software an das Soll anzugleichen, wodurch das eigentlich Problem oft nur "weitergeschoben" wird. Es werden quasi nur die Symptome bekämpft. Natürlich gibt es aber auch Programmierer die problemorientiert denken und auch gute Arbeit leisten. Das hängt im konkreten Fall von den jeweiligen Personen ab, denen das eine oder das andere leichter fällt.
Auch wenn Softwareentwickler und Programmierer oft gleichgesetzt werden, von Unternehmen sowie den ausübenden Personen selbst, so gehöre ich zu der Gruppe Personen, welche hier einen Unterschied sehen: Als Softwareentwickler stellt man eine Art Allrounder da, welcher beim Entwickeln der Software mitwirkt sowie Aufgaben eines Software Engineers übernimmt, als auch die Implementierungen durchführt und ebenfalls problemorientiert denkt. Auch Softwareentwickler sollten soziale Kompetenzen mit sich bringen, um Konfliktsituationen zu vermeiden und entworfene Konzepte ordentlich vorstellen zu können, z. B. dem Vorgesetzten gegenüber. Aus persönlicher Erfahrung kann ich hierzu ergänzen, dass einem als Entwickler auch mehr Freiheiten bei der Implementierung zur Verfügung stehen, als einem reinem Programmierer. Unternehmen schätzen kompetente Softwareentwickler ebenfalls.


Die Aufgaben, Verantwortung und Arbeitsweise ist abhängig von den Unternehmen für das ihr arbeiten werdet und euren Produkten oder Dienstleistungen, die ihr vertreibt. Der Ablauf und die Arbeitsweisen bei Firmen, die ein (oder mehrere) feste Hauptprodukte vertreibt, ist oft geregelter als bei Unternehmen, welche als Dienstleister auftreten und größtenteils Auftragsarbeiten erledigen. Bei letzteren kann es euch passieren, für jedes Projekt mit einem neuem Team zusammenarbeiten zu müssen. Damit einhergehend können sich die Arbeitsweise im Team und Aufgaben ebenfalls ändern. Ich persönlich bevorzuge das Arbeiten in einem festen Team mit wenig Fluktuationen im Kernpersonal, da sich dadurch gewisse Routinen in den Abläufen entwickeln, die Kommunikation oft besser ist und die Arbeitsprozesse besser funktionieren und somit auch das Vertrauen in die Teammitglieder steigt. Bezüglich der Teamgrößen geht der Trend aktuell auch immer weiter in die Richtung von kleinen Entwicklerteams. Oft liest man Zahlen zwischen drei und neun Personen, welche aus dem "Scrum" Framework (dazu gleich mehr in meiner "Story") entnommen werden. Es gibt aber auch größere Teams, welche dann auch meistens andere Methodiken beim Entwickeln verwenden. Um hierzu mehr zu Erfahren empfehle ich euch die Storys der anderen User hier ebenfalls zu lesen.


Und wie finde ich nun heraus, ob Softwareentwicklung etwas für mich ist?
Diese Frage lässt sich leider pauschal nicht beantworten. Allerdings gibt es Interessen, welche vorhanden sein sollten. Euer logisches denken sollte gut ausgeprägt sein und das ganze euch natürlich Spaß machen. Um das ganze mal auf Spiele runter zu brechen (denn damit werden sicherlich die meisten von euch Erfahrungen haben wenn ihr hier auf dem Board seit ), fallen z. B. Rätselspiele wie Portal oder auch The Swapper darunter. Auch wenn ihr diese Spiele mögt heißt das natürlich nicht automatisch, dass euch diese Berufsschiene ebenfalls Spaß macht. Die meisten Informatiker die ich kenne begeistern sich jedoch für dieses Genre. Wenn ihr zudem spielerisch herausfinden wollt, ob Programmieren euch Spaß machen könnte empfehle ich euch das Spiel Human Resource Machine, welches Komponenten der Programmierung und von Programmiersprachen elegant in ein Spiel verpackt hat.
Die Alternative zu den spielerischen Wegen ist, sich selber mit dem Thema zu beschäftigen, sei es mit Büchern oder einfach durch Ausprobieren. Letzteres kann jedoch auch schnell frustrierend werden, wenn man sich noch nie damit beschäftigt hat und man niemanden findet, der einen unterstützen kann. Meinetwegen kann man auch mit Videos lernen, wenn ihr welche findet. Was sich am besten für euch eignet hängt auch ein wenig von euren Lerntypen ab, also wie ich Wissen am besten aufnehmen und verarbeiten könnt.
Falls ihr die Möglichkeit habt, empfehle ich, dass ihr euch einen Mentor sucht, der euch betreut. Nichts ist wertvoller als die Fachmeinungen eines kompetenten Entwickler, der euren Code auditiert und euch personalisierte Tipps geben kann.


FAQ
Mit welcher Sprache fange ich am besten an?

Stimmt es, dass ich viel Mathe können muss?

Welche Ausbildungsmöglichkeiten habe ich?

Ist Informatik auch was für Mädels?


Hinweise zum Abschluss
Falls ihr Anregungen oder Kritiken habt, könnt ihr diese gerne auch hier posten. Dasselbe mit Fragen. Das Thema versteht sich nicht als Read-Only Topic von Beiträgen sondern soll auch eine Diskussionsplattform bieten. Zudem seit ihr natürlich auch eingeladen, weiteren Content Bereitzustellen. Diesen könnt ihr dann hier posten, gerne auch mit Rücksprache vorher, damit wir die Anforderungen und Inhalt gemeinsam durchsprechen können. Bitte fügt dann auch folgenden BB-Code am Ende an:
Code:
[RIGHT][URL="https://www.elitepvpers.com/forum/general-coding/4415952-einstieg-die-softwareentwicklung.html#post36585362"]Zurück zum Inhaltsverzeichnis[/URL][/RIGHT]



Serraniel is offline  
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Minijobber - Browsergame

Meine erste "Job-Erfahrung" (mit 17) war die Weiterentwicklung und Koordination eines kleinen bestehenden Browsergames (glorykings, mittlerweile nicht mehr am Leben). Wir waren dort 2 Entwickler (mit mir) und ein paar freiwillige Helfer aus dem Browsergame selbst.
Die Hauptaufgabe bestand also darin neue Features und alte Bugs zu implementieren. Die Sprache der Wahl war PHP mit Smarty-Framework fürs Backend und HTML+JS fürs Frontend. Mein Arbeitskollege war ein Inder und die Koordination war oft gar nicht einfach auf Grund der Zeitverschiebung. Ein durchschnittlicher Arbeitstag begann in der Regel um 5 Uhr morgens, um dem Mitentwickler Aufgaben zu geben und das restliche Team zu koordinieren, ebenso wie Support-Anfragen zu beantworten, irgendwelche "Anwaltsdrohungen" auf Grund von imaginärer "Korruption" zu beschwichtigen und allgemein Newsletter, Marketing und Co. zu machen.

Viel entwickeln konnte ich tatsächlich nicht, weil es einiges zu koordinieren gab und jede Menge "Managementzeugs" zu erledigen gab. Dazu zählten auch so Sachen wie "Ups ich habe aus Versehen zu viel gebucht, ich wollte weniger" oder aber Leute daran zu erinnern, dass sie "gekauft haben" aber noch keine Überweisung bei uns einging. Tatsächlich war die "Teamleitung" in so einem kleinem Team schon anstrengend genug. Theoretisch gab es zwar noch genau eine Person über mir, aber der hat sich auf Grund des sehr geringen Gewinnes des Browsergames nur sehr selten mit eingemischt und sonst einfach "uns machen lassen".

Was mir damals erst richtig klar wurde: Als Führungsperson hast du keine Ferien, kein Wochenende und vorallem keine garantiert freie Zeit. Mittlerweile weiß ich, dass man sehr wohl als gute Führungsperson freie Zeit haben kann, aber damals war es noch zu früh und ich hatte zu wenig Erfahrung. Insgesamt bin ich jedoch sehr zufrieden gewesen, mein Stundenlohn (wenn man es auf Stunden umrechnen würde) betrug wohl ca. 5€, wenn überhaupt. Monatlich bekam ich fixe 250€ überwiesen. Gefühlt jedes Wochenende ging für die Weiterentwicklung drauf und einige Stunden unter der Woche für Koordination/Support. Ich war dennoch sehr zufrieden, weil ich dort so viel gelernt habe wie sonst nirgends. Die Erfahrungen dort lassen sich definitiv nicht mit Geld aufwiegen.
Ich war dort ungefähr 2 Jahre angestellt und danach wurde das Spiel geschlossen weil der Gewinn leider gegen 0 ging und in einigen Monaten sogar negativ war. Dadurch, dass die Firma eigentlich zufrieden mit meinem Wissen und Können war, kam ich in ein neues Team. Von da aus gings dann zu meinem nächsten Mini-Job: Weiterentwicklung eines Online-Shops auf Magento-Basis.

Auch wenn das alles klingt wie eine riesige "Abzocke" und auch wenn sich viele denken: "Für knapp 5€ die Stunde steh ich nicht einmal auf", empfehle ich jedem so etwas zu machen, wenn es sich anbietet. Anfangs half ich beim Browsergame sogar kostenlos mit und kam dadurch dann erst als "richtiger Entwickler" rein. Die Kontakte und Erfahrungen, die ich in den zwei Jahren gemacht habe sind unbezahlbar gewesen und haben mir extrem viele Wege geebnet in der nachfolgenden Zeit.

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Minijobber - Onlineshop (Magento)

Nachdem ich vom Browsergame-Team, wo alles relativ entspannt und selbstständig ablief, in das Online-Shop-Team kam, merkte ich die ersten Unterschiede sehr schnell.
Plötzlich hatte ich jemanden, der über mir Stand und mir Aufgaben gab ala "Mach das, mach dies, ...". Das waren wirklich teilweise spannende Aufgaben, aber zu der Zeit merkte ich, dass ich nicht für immer und ewig für jemand anderen arbeiten will.

Die Aufgaben im Online-Shop bestanden hauptsächlich darin neue Filter-Möglichkeiten einzubauen für die Produkte, Statistiken zu erstellen und Design-Anpassungen. Die Hauptsprachen waren PHP, HTML und Javascript (+ natürlich SQL).

Zu der Zeit hatte ich auch das erste Mal mit einem Freelancer zu tun, der mich absolut nicht ausstehen konnte, vermutlich weil er 30€ die Stunde nahm und die Firma durch mich als Mini-Jobber mit 250€ einiges an Geld sparen konnte. Gefühlter Stundenlohn lag irgendwo bei 8€, tatsächlich waren die 250€ eine pauschale und mal gab es mehr zu tun und mal weniger. Im Schnitt war die Bezahlung aber durchaus fair. Außerdem wurde ich auf Weihnachtsfesten (die immerhin einige 100 Kilometer entfernt stattfanden) eingeladen und es wurden auch die Zug und Unterkunfts-Kosten für mich und eine zweite Person übernommen.

In meinen Augen also alles sehr fair. Das Unternehmen war ein relativ kleines Unternehmen damals mit rund 10 Mitarbeitern. Mittlerweile sind sie aber ziemlich am expandieren. Name der Firma ist Zencon. Zu dem Zeitpunkt war ich etwa 19 und war dort insgesamt ca 1,5 Jahre. War kurz vorm Abi und kam ohne große Bewerbung, nur über "Kontakte" bzw. "interne Team-Verschiebungen" rein.

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Werkstudent - Siemens

Seit 3,5 Jahren bin ich jetzt bei Siemens in Forchheim (mittlerweile "Healthineers" im Bereich Computertomographen) Werkstudent. Angefangen dort zu arbeiten habe ich damals gegen Ende des 1. Semester meines Informatik-Studiums.

Mein Aufgabengebiet reicht hier von "simplen Sachen" wie "Installier mal PC XYZ neu", "Schau mal ob es noch alle User gibt, die im Excelsheet eingetragen sind" über komplizierteren Sachen wie etwa "Baue eine kleine Applikation, um verschiedene User verwalten zu können" bis hin zu Sachen, die selbst mich herausgefordert haben, trotz der langjährigen Erfahrung.
Meine aller erste Aufgabe damals bestand zum Beispiel darin eine Java-Applikation, die Graphen (mathematische Graphen) zeichnet und analysieren kann nach Javascript zu porten auf WebGL-Basis. Auf Grund der ganzen Lizenz-Probleme, den riesigen Umwegen und 1000 "Genehmigungsverfahren" in so großen Firmen, war ich gezwungen meine eigene Library dafür zu bauen und zu erweitern.
Zusätzlich sollte das alles in einer annehmbaren Geschwindigkeit laufen und nicht aussehen als hätte jemand auf den Bildschirm gekotzt.

Die nächste größere Aufgabe bestand darin CT-Scan-Bilder zu analysieren und verschiedene "Informationen" dafür zu berechnen wie etwa Masse-Center, Standard-Abweichung für gegebene Bereiche und mehr, ebenfalls in Javascript. Danach ging es mit einem Parser in C# weiter, der Excelsheets mit Regel-Dateien in ein von den Regeln vorgegebenes XML-Format bringt. Ab und an gibt es auch C++ Codes nach C# zu konvertieren.

Das sind viele komplizierte Sachen. Ich bin jedoch jemand, der möchte herausgefordert werden und genau deswegen habe ich mir auch diese Dinge ausgesucht. Mein Kollege, der jetzt seit einem Jahr dabei ist hatte bisher nur mittel-schwere bis leichte Aufgaben, weil er keine Lust auf so herausforderndes Zeugs hat. Das liegt aber alles im Ermessen des Einzelnen und gute Führungskräfte sorgen dafür, dass ihr das bekommt, was ihr am meisten möchtet. Aktuell arbeite ich 15h die Woche und bekomme ca. 1000€ (+-100€, sorry aber Details sollte/kann ich echt nicht Preis geben).

Insgesamt bin ich ziemlich zufrieden, weiß aber auch jetzt schon, dass Arbeit nach Vorschrift nichts ist was ich ein Leben lang machen werde. Dennoch zum Erfahrung und Geld sammeln (vorallem im Bereich Programmieren) bietet es sich an. Ich habe zwar bei weitem nicht so viele Soft-Skills erlernt wie bei meinen zwei vorherigen Mini-Jobs, aber dafür ist die Bezahlung hier mehr als fair und das Umfeld ebenso.

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KI-Hiwi (= Künstliche Intelligenz-Hilfswissenschaftler) - Uni

Seit genau 1,5 Jahren mache ich zusätzlich zu meinem Siemens-Werkstudenten-Job, einen Hiwi/Tutor bei mir an der Uni im Bereich Künstliche Intelligenz. Der Hauptgrund war dabei nicht das Geld (mit Bachelor-Abschluss sinds ca 11€/h und ohne 9€/h), sondern der Spaß am Forschen, den Studenten etwas beizubringen, Vorlesungen/Übungen zu halten und Kontakte zu knüpfen so wie das Weiterbilden bei "richtigen Experten". Meine Hauptgebiete liegen hauptsächlich im Bereich: Übungen halten und "Hausaufgaben" korrigieren. Ich reise mir aber auch regelmäßig Vorlesungen unter den Nagel und halte dann ein paar Stunden im Semester Vorlesungen für den Professor. Die Atmosphäre hier ist extrem entspannt. Es gibt zwar ab und an Deadlines, aber die sind meist sehr großzügig und selten.

Ich weiß aber auch, dass ich was das angeht riesiges Glück hatte. Mein Professor ist mit der Beste den ich je kennen gelernt habe (alleine schon die Tatsache, dass er alle Hiwis zum Grillen auf seine Kosten bei sich zu Hause eingeladen hat spricht Bände). Andere Professoren lassen sich von Hiwis sogar die Laptops in Vorlesungen aufbauen und wieder abbauen. Da wirken die Hiwis wie "überbezahlte Diener". Das ist natürlich das andere Extrem, der Durchschnitt liegt irgendwo in der Mitte. Zusätzlich zu den "Standard-Tutor-Aufgaben" sitzen wir auch an einem gemeinsamen Projekt, welches ihr unter näher betrachten könnt. Das Projekt ist 80% Javascript, 10% Java und 10% HTML. Ich bin also auch hier extrem zufrieden, das Geld ist zwar nicht üppig, dafür können aber die Professoren/Unis wenig, weil das von ganz oben vorgegeben wird.

Trotzdem habe ich viel gelernt, meine Präsentationsskills deutlich verbessert und einen Haufen neuer und netter Leute kennen gelernt.

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Informatik - Studium an der Friedrich-Alexander-Universität (FAU)

Ich bin momentan im dritten Semester Master Informatik und hatte davor ebenfalls an der FAU in Regelstudienzeit meinen Informatik-Bachelor (sechs Semester) gemacht. Insgesamt würde ich jedem ein Bachelor in Informatik empfehlen, der überlegt zu studieren. Ich persönlich habe für mich entschieden, dass der Master nicht unbedingt hätte sein müssen (und das obwohl ich nach der Schule sogar eventuell Doktor machen wollte; Eine Stelle wurde mir auch schon angeboten... Dennoch irgendwann ists einfach genug). Aber zurück zu den interessanten Details:

Wir hatten in den ersten sechs Semestern von insgesamt 30 verschiedenen Modulen vier Module, die 100% Mathematik waren und einige sehr "mathe-angehauchte" Themen. Es gab auch ein paar Fächer, in denen man das "Programmieren" lernte, das waren aber insgesamt nur vier Fächer und Programmieren war auch nur ein "Nebenprodukt" (Sprachen: Java, C, Scala, Prolog, bisschen SQL und bisschen Assembler). Der Fokus lag darauf Konzepte, Lösungen, Beweise, Theorien u.ä. herzuleiten und nicht darin "Programmieren" zu lernen. Das ist auch tatsächlich das "Problem" was die meisten Leute mit einem Informatik-Studium haben: Sie denken da lernt man in 70% der Zeit Programmieren. Dabei sind es halt nur 10-20%. Insgesamt kann man mein Bachelor-Studium zerlegen in:

Quote:
10% Mathe
15% Programmieren
5% Elektronik
40% "Informatik"
10% Nebenfach (Psychologie, Germanistik, Maschinenbau, Elektrotechnik, Philosophie, Spanisch, Englisch, ...)
20% "Frei wählbare Fächer" (nicht 100% frei wählbar, weil man paar "Auflagen" erfüllen muss)

Die 40% Informatik gliedern sich dabei in etwa wie folgt auf:

7% Logik (Beweise, Halbautomatisches Beweisen, ...)
7% Betriebssysteme (Abbildung physikalischer Speicher --> virtueller Speicher, Scheduling Verfahren , ...)
7% "Netzwerktechnik (IP, Netzwerke, Routing, ...)"
5% Parallele Programmierung (Dead-Locks, atomare Befehle, ...)
5% Software-Entwicklung in Großprojekten (Testen, Wasserfallmodell, ...)
5% Datenbanken (Was ist das? Algorithmen, RB-Baum, Optimierung, ...)
4% Bildverarbeitung (Filter, Kernel, ...)

Eine genaue Auflistung aller Module findet man unter:
Insgesamt habe ich persönlich nicht sooo viel mitgenommen aus meinem Studium. Klar ein paar Sachen lernt man schon, aber meistens ist es Bulimie lernen gewesen bei mir (also auswendig lernen, auskotzen und dann wieder vergessen). In einem halben Jahr (bzw. in 3 Monaten) lernt man in der Uni in einem einzigen Fach so viel wie man in der Schule in einem kompletten Schuljahr lernt. Die Geschwindigkeit ist also ca. 4x so schnell und auch die Erklärungen und Beispiele werden "komplexer" als man es von der Schule gewohnt ist.

Man muss sich definitiv damit abfinden, dass man nicht mehr der Beste ist und manchmal sogar durch ein paar Klausuren durchfällt. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass man im Schnitt durch eine Klausur pro Semester durchfällt. Das is aber nicht "so dramatisch", denn man darf eine Klausur 2-3x probieren (je nach Uni verschieden) bis man "rausfliegt".

Dafür gibt es sowas wie Exen, Mitarbeit, benotete Hausaufgaben u.ä. (zumindest bei mir an der Uni) sehr selten. In der Regel sind die Vorlesungsgruppen aber zu groß als dass man da groß Mitarbeitsnoten machen könnte.

Für mich persönlich waren die "Hausaufgaben" in den ersten zwei Semestern das Stressigste. Es kann schon einmal passieren, dass man in einer Woche einige hundert Zeilen Code schreiben muss, ein ~2 seitiges Mathe-Blatt lösen muss und am besten noch "schön mitlernt". Ich persönlich hatte vom Verständnis her in den ersten Semestern nicht wirklich Probleme, das lag aber unter anderem an meinem sehr breitem Vorwissen. Vom Zeitaufwand hingegen war es trotzdem teilweise extrem viel. Das sollte man definitiv nicht unterschätzen.

Fazit: Leider wurde die Uni sehr "verschult", man wird durchgeschleift durch "vorgegebene" Lehrpläne, muss unnötige Aufgaben lösen, auch wenn man die "Übung" definitiv nicht braucht und ist allgemein sehr eingeschränkt in seiner "Selbstbestimmtheit". Ich fand das Studium deutlich interessanter als Schule, aber ich hätte mich über noch mehr Wahlmöglichkeiten und Selbstbestimmtheit gefreut. Insgesamt wars großteils nur Bulimie lernen. Vorallem im Master, wo man extreme Wahlfreiheit hat (trotzdem nicht 100%), hab ich doch einiges gelernt, aber auch da gabs oft genug noch "Bulimie Lernen".

Mit meinem Langzeitziel hätte ich (wenn ich das Ziel früher so klar gehabt hätte) nach dem Bachelor aufhören sollen. Jetzt werde ich meinen Master aber fertig machen, denn kurz vorm Ende aufzuhören ist auch alles andere als geil. Insgesamt war ich dann nach dem Master 5 Jahre an der Uni, also Regelstudienzeit. Viele meiner Kollegen machen aber 5,5 oder 6 Jahre. Doktor wäre noch einmal 4-6 Jahre (je nach Schnelligkeit, unter 4 ist aber extrem selten).



Shadow992 is online now  
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Old 01/04/2018, 00:51   #3



 
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In meinem Bericht möchte ich euch etwas über meinen Einstieg in das Thema Softwareentwicklung, meine Ausbildung und Studium sowie einiges an Berufserfahrung erzählen.

Das erste Mal programmiert habe ich in der siebten Klasse im Informatikunterricht. Beigebracht wurde uns damals das prozedurale Entwickeln mit Pascal für Konsolenanwendungen. Dort habe ich Grunderfahrungen über Grundstrukturen in Quellcode, wie z. B. Schleifen und if Abfragen, erhalten. Ich hab zugegebenermaßen nicht mehr viele Erinnerungen an den Unterricht selber, ist immerhin nun über zehn Jahre her, aber es war ausreichend, sodass jede Vierer-Gruppe am Ende des Schuljahres in der Lage war, ein kleines Projekt in vier Doppelstunden mit Pascal zu entwickeln, welches externe Hardware über die alte Druckerschnittstelle gesteuert hat. Bei uns war das Ergebnis, dass wir ein kleines Auto mit einem Lego Motor gebaut hatten, welches letzten endlich vorwärts und rückwärts fahren konnte.

Da ich nach diesem einem Jahr erstmal kein Informatik an der Schule mehr hatte, mir das Fach aber Spaß bereitete, habe ich in dern Sommerferien an der Volkshochschule einen einwöchigen Ferienkurs für Schüler für Informatik belegt. Dort wurden Grundlagen in VB.Net vermittelt. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ein Kurs über eine Woche so nutzlos ist wie gar nicht lernen, wenn man kein Vorwissen hat. Es wurde im wesentlich erklärt, wie man sich mit dem in Visual Studio integrierten GUI Editor eine Oberfläche zusammenklickt und dort dann Code anbindet an die Events. Was im Hintergrund passiert, wie Objektorientierung funktioniert und was man da eigentlich macht und abtippt wurde in diesem Kurs leider gar nicht vermittelt, weshalb ich ihn mir für Schüler, die sowas zum ersten Mal sehen sehr frustrierend vorstelle. Trotzdem, oder vielleicht auch gerade deshalb, bin ich dran geblieben und habe mich in der folgenden Zeit versucht, weiter mit Visual Basic in meiner Freizeit zu beschäftigen, hauptsächlich mit Videotutorials auf Youtube. Rückblickend betrachtet hat es zwar irgendwie funktioniert, besonders sinnvoll erachte ich es aber nicht - zumindest nicht für die Videos, die ich mir angeschaut habe. Das lief ähnlich ab wie in dem Kurs, es wurde Quellcode "vorgetippt", gesagt was dieser macht, aber nicht erklärt warum das so funktioniert. Zum Lernen ist das nicht sonderlich förderlich und man benötigt eine große adaptive Fähigkeiten um zu verstehen, was dort passiert, wenn man zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht richtig beigebracht bekommen hat, was eigentlich Objektorientierung ist.

Mit dem Wissen aus dem Kurs sowie meinen Freizeitaktivitäten war ich dann nach ca. einem bis zwei Jahren in der Lage, halbwegs eigenständig Programme in VB.Net zu entwickeln. Hauptsächlich waren die kleine Hilfetools oder Bots für das Browsergame Darkorbit. Ohne die Motivation mir ein Tool für dieses Spiel zu entwickeln und die damals noch tolle Community in der Browsergames / Darkorbit Sektion wäre ich glaube ich nicht solange an dem Thema dran geblieben.

Zu Anfang der Oberstufe habe ich mich dann entschieden, nach der 11. Klasse die Schule zu wechseln und bin vom Gymnasium auf ein Berufskolleg gewechselt, welches ebenfalls Abitur (AHR) und die Ausbildung zum Informationstechnischen Assistenten angeboten hat. Die Mehrheit meiner Klasse dort hatte keine Vorkenntnisse zum Programmieren.
Am Berufskolleg hatte ich das Glück guten Informatikunterricht und kompetente Informatiklehrer genießen zu dürfen. Zudem gab es einen großen Fokus auf technische und mediale Themen, auch in Fächern wie Deutsch oder Englisch. Gelernt haben wir dort u. A. C (0,5 Jahre), Java (2,5 Jahre), PHP (1 Jahr) und SQL (1 Jahr). Hier habe ich dann erst richtig gelernt, was OOP ist und wie man es verwendet. Angefangen haben wir jedoch auch mit C, um dort Grundstrukturen wie Schleifen etc. zu lernen. Im letzen Jahr haben wir C dann auch in Mikrocontrollertechnik wieder verwendet. Von der Methodik her habe ich in meiner Zeit am Berufskolleg aber gelernt, wie wichtig es ist einen guten Mentor (in dem Fall unsere Lehrer) zu haben, welche sich auch Zeit zur Förderung und Forderung nehmen und den Stoff auch kompetent vermitteln können. An Schulen ohne Informatikschwerpunkt ist dies leider selten der Fall, wie ich aus persönlichen Gesprächen weiß und die Kompetenz der Lehrer in einigen Fällen sogar als fragwürdig einzustufen. Falls ihr euch sicher seit, dass ihr euch beruflich in die Richtung entwickeln wollt, empfehle ich euch auf jeden Fall, falls möglich, eine Schule mit Schwerpunkt Informatik zu besuchen. Neben der Programmierung werden hier auch Themen wie Rechnerarchitektur, Netzwerktechnik und Elektrotechnik vermittelt, in Teilen sogar intensiver als auf der Universität wo man die Module lediglich ein Semester lang belegt (insbesondere bei Netzwerktechnik und Java war dies bei mir der Fall).

In privaten Projekten bin ich während dieser Zeit von VB.Net zu C# gewechselt. Die C-artige Syntax war mir zu der Zeit ja mittlerweile bekannt und durch die anderen Erfahrungen aus der Schule habe ich mich dann dort schnell zurecht gefunden.

Zum Wintersemester habe ich dann ein duales Mathe- und Informatik Studium angefangen mit einem Bachelorabschluss in Scientific Programming und einer Ausbildung als Mathematisch technischer Softwareentwickler. Es handelt sich dabei um ein Mathe/Informatik Studium. Das Studium kann komplett ohne Vorkenntnisse in der Informatik angefangen werden, jedoch muss vorher ein Eignungstest bestanden werden. Abgefragt werden mathematische Kenntnisse und einige Aufgaben zum logischen Denken. Eingeführt wurde der Test, da viele im Studium Problem mit den mathematischen Pflichtveranstaltungen haben und dient einfach als grobes Netz um Leute rauszufischen, wo anhand der Kenntnisse klar ist, dass diese es nicht schaffen werden.
Bevor ich zu den restlichen Studieninhalten komme, möchte ich hier kurz die organisatorischen Unterschiede erläutern. Der Studiengang wird von der FH Aachen an den Standorten Aachen, Jülich und Köln angeboten. Da ich in Aachen studiert habe, werde ich mich auf die Orga hier beschränken. Für das Studium selbst werden Räumlichkeiten (Hörsäle, Seminarräume, etc.) der RWTH Aachen verwendet. Die RWTH vertritt zudem die Interessen der Ausbildungsbetriebe und betreut die betriebliche Ausbildung. Hier kann es also zu Absprachen mit eurem Ausbildungsbetrieb, der RWTH und euch kommen. Zusätzlich gibt es einige Regeln durch die RWTH, welche im Interesse der Ausbildungsbetriebe, befolgt werden. Dazu gehört unter anderem eine Anwesenheitsliste, die unterschrieben werden muss. Auch Verspätungen und andere "Verstöße" werden verwarnt. Dies läuft in der Regel so ab, dass ihr bei einer Verspätung z. B. einen Zettel am Eingang des Hörsaals ausfüllen musst un diesen an den Dozenten reicht. Bei drei dieser Zetteln im Semester werdet ihr mit eurem Ausbilder zu einem Beratungsgespräch eingeladen. Das mag jetzt im ersten Moment etwas pingelig klingen, ist aber doch logisch begründet: Für die Zeit in der Uni werdet ihr von euren Ausbildungsbetrieben bezahlt, sodass sich dies als Arbeitszeit versteht. Wenn ihr hier fehlt müsst ihr euch bei eurem Betrieb krankmelden oder vorher bei durch den Betrieb bei der Uni Freistellen lassen). Urlaub ist somit nur während der Vorlesungsfreien Zeit möglich.
Das Studium läuft parallel zur Ausbildung. Sprich ihr seit zwei Tage in der Woche an der Uni, die anderen drei Tage in eurem Ausbildungsbetrieb. Lediglich der allererste Monat versteht sich als reine Blockveranstaltung in der Uni. Hier werden mathematische Grundlagen geschaffen und Java Grundlagen gelehrt. Hier lernt ihr dann die ersten Programmiergrundlagen. Der Kurs fängt bei Null an, es wird also wirklich kein Vorwissen benötigt.
Inhaltlich gibt es im Studium dann die folgenden Pflichtmodule, welche sich wie folgt auf die Semester aufteilen:
1. Semester:
Programmieren mit Java (10 ECTS-Credits)
Lineare Algebra 1 (5 ECTS-Credits)
Analysis 1 (10 ECTS-Credits)
IT Grundlagen (5 ECTS-Credits)

2. Semester:
Algorithmen (10 ECTS-Credits)
Lineare Algebra 2 (5 ECTS-Credits)
Analysis 2 (10 ECTS-Credits)

3. Semester:
Stochastik (10 ECTS-Credits)
Datenbanken (5 ECTS-Credits)
Softwareengineering (10 ECTS-Credits)

4. Semester:
Numerik 1 (10 ECTS-Credits)
IT Systeme (5 ECTS-Credits)
Rechnernetze (5 ECTS-Credits)

Anmerkung: Mein Studium hat einen überdurchschnittlich hohen Anteil an mathematischen Fächern (von der Gewichtung), da es sich auch um ein Mathematik Studium handelt.

Zusätzlich müsst ihr zwischen dem dritten und vierten Semester ein Praktikum in Softwareengineering durchführen. Dies ist ein Gruppenprojekt über mehrere Wochen, wofür ihr vom Betrieb einen Tag in der Woche freigestellt wird. Eure Aufgabe dabei ist es ein Softwareprodukt zu Planen und zu Entwickeln. Im fünften Semester steht eine Semesterarbeit an. Diese dient als Vorbereitung für eure Bachelorarbeit und hat ca. den halben Umfang einer Bachelorarbeit. Auch müssen vier Wahlmodule und eine zweite Programmiersprache belegt werden. Ab dem zweiten Semester (nach Rücksprache mit eurem Ausbilder und RWTH auch schon im ersten Semester) könnt ihr diese zu Semesterbeginn wählen. Im sechsten Semester bereitet ihr euch im Regelfall nur noch für die Abschlussprüfungen der IHK vor und schreibt eure Bachelorarbeit. Die Wahlmodule solltet ihr bis zum Ende des fünften Semesters abgeschlossen haben.

Persönlich finde ich, dass das Studium durchaus machbar ist, auch ohne Vorkenntnisse. Die Hürde ist dabei natürlich höher, insbesondere am Anfang, die meisten die bei diesem Studium aber Ausscheiden, tun dies aufgrund von Problemen in den mathematischen Fächern, nicht den Informatikfächern. Von daher solltet ihr euch wirklich nicht dadurch abschrecken lassen, dass ihr z. B. keine Informatikvorkenntnisse habt. Versuchen sollte man es immer und wenn es einem nicht liegt, merkt man das in der Regel relativ schnell, insbesondere bei Mathe.

Ich hoffe ich konnte damit einen kleinen Einblick geben. Falls ihr noch Rückfragen zum Studium, den Inhalten oder anderen Dingen aus meinem kleinen Erfahrungsbericht habt, könnt ihr euch gerne hier oder bei mir persönlich melden. Bitte denkt daran, dass wenn ihr die Fragen hier stellt, auch immer andere davon profitieren können, die sich dieselbe Frage stellen

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Es gibt zwei große Bereiche die in einem Informatikstudium enthalten sind. Zum einen Mathematik und zum anderen alles was mit Computer zu tun hat. Meiner Erfahrung nach, sind die Unterschiede de Studieninhalte marginal. Es ist also im Prinzip egal an welcher Uni du in Deutschland studierst. Mathematik in der Universität unterscheidet sich komplett von der Mathematik, welche man aus der Schule gewöhnt ist. Die meisten Mathematikvorlesungen drehen sich um diskrete Mathematik (Das bedeutet im Prinzip, Mathematik in den Natürlichen Zahlen). Um ein Informatikstudium zu meistern, muss man bereit sein, vor allem im ersten Semester, viel Zeit in Mathematik zu stecken, da dort alle Grundlagen gelegt werden (Das Schulmathe hilft einem auch nicht viel weiter). Normalerweise hat man eine bis zwei Mathematikvorlesung pro Semester. Die restlichen Vorlesungen drehen sich um die „wirkliche“ Informatik. In den ersten Semestern lernst du programmieren in einer objektorientierten Programmiersprache (z.B. Java). Wer vor dem Studium noch nie programmiert hat, muss mit einem Arbeitsaufwand von ca. 10-15 Stunden pro Woche für die Programmieraufgaben rechnen. Die restlichen Aufgaben brauchen nochmal ca. 10 Stunden pro Woche. Außerdem wird dir der grundlegende Aufbau eines Computers erklärt. Du wirst lernen Schaltungen zu designen und direkt auf der CPU Befehle auszuführen. In den späteren Semestern wirst du das Arbeiten in einem Team von Programmierern lernen, welche Arbeitsabläufe existieren und wie man Programme schreibt, sodass ein anderer Entwickler sie versteht. Du wirst lernen, wie Betriebssysteme aufgebaut sind, wie man große Mengen an Daten verwaltet und speichert, wie Programmiersprachen aufgebaut sind und vieles mehr.



stotterer09 is offline  
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Old 08/14/2018, 20:40   #5

 
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Uni oder FH, kleine Entscheidungshilfe


Ich war sowohl an der FH als auch an der Uni, wobei ich an der FH ein duales Studium gemacht habe, daher kann ich wohl eine recht ausgewogene Bewertung abgeben:

Quote:
Originally Posted by kovuus View Post
Hallo zusammen!
Dementsprechend habe ich mich natürlich auch schon mehrfach gefragt, welche der beiden Hochschulmodelle denn für Informatiker tatsächlich einen "größeren" Vorteil in der freien Wirtschaft bringen?
Grundsätzlich ist die Frage überbewertet. Die Sache ist einfach: Ja, die Uni geht tiefer in die Theorie und neigt manchmal zu Elfenbeintum-artiger Praxisferne und ja, die FH ist anwendungsbezogener, aber de facto lernst du auf keiner von beiden anständig programmieren. Das ist Praxiserfahrung, die du dir nur durch eigene Praxis aneignest, sei es durch ein Praxissemester, Hobbyprojekte, Selbstständigkeit oder eine Werkstudententätigkeit; idealerweise natürlich etwas, was du auch nachweisen/vorzeigen kannst. Die Crux ist, dass du dir diese Praxis unabhängig von der gewählten Hochschule aneignen kannst, weshalb die Wahl eben zweitrangig ist. Du solltest daher eher danach gehen, was dich persönlich interessiert bzw. was für ein Lerntyp du bist.

Allgemein kann man sagen:

Stehst du auf Theorie, willst tiefgreifende Hintergründe verstehen und herleiten lernen, vielleicht sogar mal einen Blick in die Forschung gewinnen? Ist Mathe voll dein Ding? (Informatik ist an der Uni Mathematik mit Computern! Und das heißt extrem viel Beweisen!) Sind für dich hochgradig anspruchsvolle Jobs wie z.B. in der Konzeption weltweit verteilter Cluster wie dem Google Filesystem ansprechend? Ist eigenständiges Lernen dein Ding und stört es dich nicht, für die meisten Dozenten nur eine Nummer zu sein? Dann ist die Uni der interessantere Weg.

Möchtest du einen Einblick in die Theorie, aber eher mit Fokus darauf, was man damit anstellen kann? Interessieren dich Herleitungen und mathematische Beweise weniger? Willst du Mathe vielleicht sogar weitestgehend vermeiden? Ist Forschung ausgeschlossen? Möchtest du es etwas weniger abstrakt und für die meisten "einfacher"? Willst du kleinere Lehrveranstaltungen, in denen die Dozenten einen irgendwann auch kennen und in denen es etwas schulischer und geführter zugeht? Dann ist die FH deine Wahl.

Lass dich nicht davon verunsichern, dass einige Chefs FH-Abschlüsse für weniger wert oder Uni-Absolventen für Fachidioten halten. Wie du an diesem Satz siehst: Die Vorurteile gibt es nämlich in beide Richtungen, sie sollten dich also nicht zur jeweils anderen bewegen. Man sollte aber erwähnen, dass du das Fachidioten-Vorurteil mit eigener Praxis kontern kannst, während du mit einem FH-Abschluss wohl kaum Chefs überzeugen wirst, die einen Uni-Abschluss verlangen (McKinsey und Konsorten wurden ja schon genannt). Man sollte sich dann aber auch wieder fragen, ob man unter solchen Chefs arbeiten will, denn Jobs gibt es in der Informatik massenweise. Wenn man sich nicht total unfähig anstellt, darf man wählerisch sein.

Ergänzend noch etwas zum dualen Studium: Hier ist die Gewichtung noch extremer als bei der FH. Durch die Praxis im Betrieb hast du mit einem dualen Studium auch tatsächliche Praxis, mit der du etwas anfangen kannst (es ist aber eben auch nicht so, dass du die nicht auch mit einer Werkstudententätigkeit bekommen könntest; da ist dann nur dein Studium nicht zeitlich drauf abgestimmt, sprich mehr Zeitmanagement für dich), vom Geld mal ganz zu schweigen. Auf der anderen Seite kommt die Theorie noch kürzer/oberflächlicher, was bei o.g. Chefs dann noch schlechter ankommt; auf der anderen Seite sind sie bei vielen Chefs hoch angesehen, weil ihnen ein deutlich größeres Stresslevel zugesprochen wird und eben aufgrund der Praxis. Hier solltest du aber aufpassen, dass du von dem Unternehmen angemessen geschult und nicht nur als billige Arbeitskraft behandelt wirst. Gute Unternehmen bezahlen ihre dualen Studenten sogar außergewöhnlich gut (da kommt man als Werkstudent dann eher nicht ran).


Und zum Schluss drei Hinweise:

1. Egal, welche Hochschule du wählst, du solltest dich auf jeden Fall um Praxis kümmern. Es ist nicht unmöglich, als praxisferner Absolvent einen Job zu bekommen, aber du hast es halt schwerer und nicht alle Firmen sind bereit, dir die Grundlagen beizubringen. Es ist einfach in deinem eigenen Interesse, dich selbst mit der Softwareentwicklung auseinanderzusetzen.
2. Du kannst hinterher problemlos von der Uni zur FH wechseln. Du kannst aber nicht unbedingt mit jedem FH-Bachelor jeden Uni-Master machen. Obwohl sie formal gleichgestellt sind, filtern einige Unis gerne durch exorbitant hohe Matheanteile "ungewünschte" FH-Studenten, weil sie eben nur Bachelors annehmen müssen, die inhaltlich vergleichbar sind. Das gleiche gilt bei einem dualen Studium. @ ist aber z.B. nach einem dualen Bachelor für den Master an eine Uni gewechselt, also unmöglich ist das auch nicht. Du solltest dir dann halt nur vorher die Modulhandbücher von in Frage kommenden Unis ansehen, falls du einen Master an der Uni in Erwägung ziehst.
3. Nach ein paar Jahren Berufspraxis ist sowieso egal, wo du studiert hast. Dann zählt, was du beruflich gemacht hast.
MrSm!th is offline  
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Old 01/14/2020, 06:28   #6


 
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Kann mich bei meinen Vorrednern nur bedanken und stimme bei sehr vielen zu. Da ich weder studiert noch einen Schulabschluss habe, trotzdem aber seit paar Jahren als Softwareentwickler arbeite, dachte ich mir ich teile mal meinen unkonventionellen Einstieg in die Softwareentwicklung.

Ausbildung zum Fachinformatiker (abgebrochen)

2016 hatte ich mich mit ein wenig AutoIt und PHP Erfahrung für eine Ausbildungsstelle als Fachinformatiker beworben. Ich hatte viel Glück, da eigentlich ein Abitur vorausgesetzt war. Die Firma war allerdings ziemlich behindert, ebenso die Berufsschule. Die Lernkurve stagnierte schnell, da sich die Aufgaben in der Firma nur wiederholten und in der Berufsschule lernte man einfach viel, viel zu langsam. Ich hatte die Ausbildung nach 6 Monaten schließlich abgebrochen und wurde erstmal selbstständig.

Selbstständigkeit

Ich hatte während meiner Selbstständigkeit Erweiterungen für eine Shop-Software geschrieben und verkauft. Das lief darauf hinaus, dass ich etwa 6 Monate gearbeitet hatte und bis Ende 2018 eigentlich nichts mehr arbeiten musste, durch die gewonnene Freizeit konnte ich mich genau mit den IT Themen befassen mit denen ich wollte.

Festanstellung als Software Entwickler

Da Mitte oder Ende 2018 die Geldeinnahme nach 2 Jahren versiegelt war und ich keine Lust auf Selbstständigkeit hatte, hatte ich mich dazu entschlossen eine richtige Festanstellung anzustreben. Nach vielen Bewerbungen wurde ich als Lead Software Engineer angestellt. Obwohl ich 6 Entwickler, allesamt mit Bachelor oder Master in CS/IT, unter mir hatte, hatte sich das überraschenderweise nur selten bemerkt. Da ich nach kurzer Zeit bereits die volle Verantwortung fuer die IT übernommen hatte, und der CTO nach 6 Monaten die Firma verlies, wurde ich zum CTO befördert. Nach einem Jahr habe ich die Firma verlassen da ich ein besseres Angebot als CTO eines anderen Unternehmen angenommen hatte.

Fazit

Wie gesagt, mein Weg ist unkonventionell, zeigt aber, dass es kein Studium, kein Abitur oder sonstigen Schulabschluss braucht um eine Karriere in der IT zu starten. Im Gegenteil, gerade in der IT ist es sehr einfach auch mit schlechten Bedingungen einzusteigen - was aber jedem Softwareentwickler klar ist. Trotzdem rate ich zu einer Ausbildung oder ein Studium zu machen, damit hat man später den ein oder anderen Vorteil - besonders mit letzterem.

Viel Erfolg


Looneytune is offline  
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