Helmut Engelsbach (53) aus Dorfitter: “Hallo liebes Team von Eltern im Netz,
ich habe ein Problem mit meinem 19-jährigen Sohn Fabian, zu dem ich dringend Ihren Rat brauche.
Im kommenden September ist es nun ein Jahr her, dass Fabian seine Ausbildung zum Versicherungskaufmann in einem kleinen Betrieb hier im Ort angefangen hat. Er hat sich schnell in die Arbeit eingelebt und ist richtig zufrieden mit seiner Wahl. Die Arbeit macht ihm Spaß, er hat jede Menge nette Kollegen um sich herum und er lernt ständig etwas Neues dazu.
Vergangene Woche kam er wie gewohnt gegen 17 Uhr nach Hause. Als er das Haus betrat, merkte ich schon, dass irgendetwas nicht stimmte. Er benahm sich komisch, fast schon, als wollte er uns etwas verheimlichen! Er begrüßte uns flüchtig und ging dann schnell in sein Zimmer.
Da ich herausfinden wollte, was mit ihm los war, ging ich ihm nach. Seine Zimmertür war zu, so dass ich erst einmal durch das Schlüsselloch guckte, um zu sehen, was er dort treibt. Ich sah nur, wie er ständig an der Tür vorbei huschte und irgendetwas suchte. Leise öffnete ich die Tür einen Spalt. Fabian beugte sich gerade über seinen Rucksack und holte etwas raus, ich konnte nicht genau erkennen, was es war. Erst, als er es in der Hand hatte, sah ich es: Es war ein Stapel Druckerpapier!
Ich riss die Tür auf, nahm ihm den Stapel weg und fragte ihn, wo er das bitte sehr her habe. Fabian war zunächst völlig überrumpelt und stammelte nur vor sich hin. Er sagte, er habe es von der Arbeit mitgenommen, damit er zu Hause seinem Hobby, das Zeichnen, nachgehen konnte. Außerdem, so log er herum, hätten die auf der Arbeit eh so viel Papier, dass das gar keinen stören würde.
Zeichnen, so ein Unsinn! Fabian hat noch nie irgendetwas übers Zeichnen erzählt oder mal erwähnt, dass ihn das interessiert. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, dass mein Sohn so etwas gut findet. Das Einzige, das ich mal auf seinem Schreibtisch gesehen habe, als ich mich heimlich in sein Zimmer geschlichen habe, während er arbeiten war, waren buntes Comic-Geschmiere, ich glaube, das nennt man “Manga” – aber so etwas hat ja nun wirklich nichts mit Zeichnen zu tun!
Am nächsten Morgen, als Fabian schon etwas früher los musste, damit er den Bus noch erwischte, rief ich bei der Polizei an und brachte den Vorfall zur Anzeige. Ich erzählte ihnen, dass Fabian seinen Arbeitgeber bestohlen hatte und brachte ihnen den Stapel Druckerpapier als Beweismaterial. Danach rief ich in der Versicherung an und ließ mich anonym zu Fabians Chef durchstellen. Auch ihm erzählte ich die ganze Geschichte und teilte ihm mit, dass ein gemeiner Dieb in seinem Unternehmen herumlungert, und dann legte ich auf. Das ist jetzt fast eine Woche her. Fabian wollte seitdem nicht mehr mit mir reden, ich weiß auch nicht, warum. Wenn er täglich gegen 17 Uhr nach Hause kommt, geht er direkt in sein Zimmer – er sagt mir nicht mal mehr hallo! Ich habe den Verdacht, dass er noch mehr gestohlen hat, aber sein Schlüsselloch ist mit irgendetwas abgedeckt und seine Tür ständig abgeschlossen. Ich weiß wirklich nicht mehr weiter.”
Diebstahl ist kein Kavaliersdelikt. Das weiß auch unser Journalist Thomas Reuthscheidt und rät deswegen zu mehr Kontrolle im Kinderzimmer. Denn nur so kann man verhindern, dass sich die Kleptomanie noch weiter ausbreitet.
Thomas Reuthscheidt: Hallo Herr Engelsbach,
Ihr Handeln war absolut richtig. Wer einmal stiehlt, der wird nicht das letzte Mal gestohlen haben. Die Notbremse haben Sie ja schon gezogen, jetzt geht es darum, ein Mittelmaß zwischen Kontrolle und Vertrauen zu Ihrem Sohn aufzubauen. Suchen sie den Dialog, machen Sie ihm klar dass Sie sein Verhalten nicht dulden. Lassen Sie ihm seine Freiheiten erneut verdienen und fangen Sie ganz klein an. Das ist die beste Bestrafung und er wird vielleicht lernen, anders auf die Welt einzugehen und mit ihr umzugehen.
Wenn Sie so auf ihren Sohn zugehen und Sie wieder lernen, sich gegenseitig zu respektieren und zu akzeptieren, sehe ich grünes Licht für ihr Familienglück.