Sorry, ich habe mir nicht den ganzen Thread durchgelesen, ich bin direkt an Looneytunes Beitrag hängengeblieben. Vllt. ist hier einiges schon geschrieben worden was ich jetzt schreibe, drum vergebt mir :)
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Originally Posted by Looneytune
Die Menschen die den Gottesglauben schufen waren im Vergleich dumme, ungebildete Menschen, die auch glaubten, die Erde wäre eine Scheibe. Ähnlich dumm sind auch die öffentlichen Fürsprecher, die sich heute noch für die Existenz eines Gottes aussprechen, so zu mindest nach meinem empfinden. Glauben ist nicht wissen, aber es wird als solches verkauft, zu mindest solange, bis man ihnen dahingehend widerspricht.
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Wenn du mit "dumm" fehlende Intelligenz meinst, liegst du absolut falsch. Die öffentlichen Fürsprecher (Theologen) in der Kirche haben sich auf verschiedenste Weisen dem Thema genähert und sicher viel intensiver und tiefgründer und auf intellektueller Basis fordernder mit der Existenz Gottes befasst, als du es wohl je tun würdest. Und sie sind schlussendlich zu einer anderen Meinung gekommen als du. Deshalb sind diese Menschen "dumm"? Wenn du den entscheidenden Beweis erbringen kannst, dass Gott nicht existiert, dann tu es doch und bringe die Menschheit endlich zu (deiner) Vernunft.
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Originally Posted by Looneytune
Die Millionen von Toten die aufgrund religösen Unstimmigkeiten resultieren und die vergewaltigten Kinder von Priester, Pfarrern und ähnlichem Schund sollte Anlass genug sein, dahingehend eine gesunde Skepsis aufkeimen zu lassen, sofern man über einen gesunden und modernen Verstand verfügt.
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Millionen von Tote aufgrund persönlicher Differenzen der Machthaber, aufgrund von Gebietsstreitigkeiten und Ressourcen. Menschen, die Kriege suchen, finden immer Anlässe dafür. Krieg und Gewalt allgemein war in der damaligen Zeit ein nicht unübliches Mittel, um Problemen zu begegnen.
Ja, Religion war Ursache für schreckliche Kriege. Aber wäre es nicht die Religion gewesen, hätten die Menschen andere Auslöser gefunden.
Die Vergewaltigung von Kindern durch Geistliche ist ebenso schrecklich. Daher gibt es auch Grund genug, über die Abschaffung des Zölibats und der Distanz zu gesunder Sexualität (aber was heißt auch das) zu diskutieren.
Ähnlich wie bei den Kriegen muss man sich aber die Frage stellen: Ist es das, was ein Gott gewollt haben kann? Ist es das, wozu eine Religion da sein soll? Weder noch. Eine Religion wird durch die Menschen ausgestaltet und "göttliche Weisungen" oder Schriften durch Menschen interpretiert.
Wie Gott ist (wenn er ist), wissen wir nicht, wir können es nur durch die Schriften erahnen. Wir (die Menschen) sind selbst verantwortlich für die Ausgestaltung von Religionen. Und ich bin deiner Meinung, dass Menschen heute deutlich intelligenter und aufgeschlossener anderen, fremden Menschen und Religionen sind. Und daher auch eine Religion auf ganz andere, friedvollere Weise füllen können, als es in den kriegerischen Jahrhunderten zuvor gemacht worden ist.
Unabhängig davon, ob es Gott gibt oder nicht. Religion (der Glaube an Gott innerhalb der gleichgesinnten Gemeinschaft) hat eine Funktion, die an sich gut ist! Entscheidend ist, was der Mensch daraus macht!
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Originally Posted by Seekin
Ein Passagierflugzeug mit etwa 120 Menschen samt Personal wird in der Luft von Terroristen übernommen und unter Kontrolle gebracht. Die Terroristen haben das Ziel, das Flugzeug in ein Hochhaus oder in ein ausverkauftes Fußballstadion zu lenken. Es besteht keine Chance, dass die Terroristen von den weiteren Passagieren, die absolut nichts mit den Terroristen am Hut haben, überwältigt werden. Du musst nun entscheiden, ob das Flugzeug abgeschossen wird, um die vielen Menschen im ausverkauften Fußballstadion oder im Hochhaus zu retten. Bei einem Abschuss sterben alle Passagiere, sprich Terroristen und die restlichen Menschen an Bord. Wie und weshalb entscheidest du dich?
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Wie du schon ansprichst, passt die Geschichte auf die Diskussion nicht ganz sich richtig. Aber tatsächlich ist das ein Fall, der im Jurastudium erstes Semester schon besprochen wird und über den sich in letzter Zeit wirklich viele Leute Gedanken gemacht haben, da ja ein eindrucksvoller (wenn auch mit juristischen Fehlern gespickter) Film darüber kürzlich im Ersten lief. Das deutsche Verfassungsgericht (das letztlich entsheiden würde) oder andere deutsche Gerichte hatte so einen Fall noch nicht vorliegen. Moralisch höchst diskutabel, es geht im Kern um die Abwägung Leben gegen Leben. Juristisch nach den allgemeinen Rechtsfiguren und Gesetzen ist eine Abwägung Leben gegen Leben nicht erlaubt. Auch keine quantitative Abwägung. Ein Abschuss des Flugzeugs wäre demnach nicht gerechtfertigt bzw. juristisch richtig: entschuldigt. Aber eben nur danach, die Juristerei bahnt sich einen Weg wenn sich nicht mehr weiter weiß über neue Rechtsfiguren.
Auch losgelöst davon, wer kann auch mit 100%iger Wahrscheinlichkeit sagen, dass das Flugzeug da und dort hin fliegt und so viele Menschen in den Tod reißen wird. Und sind 2 Menschenleben mehr wert als 1 Menschenleben. Diese Frage wirst du sicher von einem Fall losgelöst anders beantworten als in dem Szenario, in dem dein Bruder/deine Schwester/irgendein naher Angehöriger diese eine Person ist, während auf der anderen Seite 2 schon von Natur aus dem Tod nahe 99-Jährige Menschen stehen. Oder ein naher Angehöriger in dem Flugzeug sitzt, welches abgeschossen werden soll, auch wenn es sich noch verhältnismäßig weit von dem Hochhaus entfernt befindet.
Menschen sind nunmal nicht frei von Gefühlen. Gefühle geben uns eine Hilfe, die Vernunft zu steuern. Sie in eine solche Entscheidung einzubeziehen und nicht nur die "Vernunft" walten zu lassen, ist auch gut so. Vernunft und Gefühl gehen auch Hand in Hand. Bei einer solchen Konstellation wie der Vorliegenden wird auch niemand sich frei von Gefühlen (hier abstrakt: moralischen Bedenken) machen können. Wer hier im Forum schreibt, ganz klar abschießen, für den würde es unter Garantie in der realen Situation nicht so "klar" sein. Diese Frage MUSS letztendlich offen bleiben, weil es hier eben kein klares JA oder klares NEIN gibt.