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Hier im Forum oder auf anderen Plattformen wie Freelancer reicht zum Teil auch grundlegendes Wissen um es zu vermarkten. Mit steigender Kenntnis steigen auch die Möglichkeiten und mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass man für die nächsten 40 Jahre arbeiten wird, sollte man meiner Meinung nach einen stabilen Plan haben.
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Eine extreme Spezialisierung ist auch keine garantierte Stabilität. Am Ende wird das Themengebiet irrelevant oder überlaufen und dir bringt deine starke Fokussierung gar nichts mehr. Daher finde ich die Wortwahl "mit steigender Kenntnis steigen auch die Möglichkeiten" ganz lustig, weil sie mindestens genau so auf ein breit gefächertes Wissen zutrifft (womit ich keinesfalls sagen will, dass man am besten alles ein bisschen, aber gar nichts richtig können sollte).
Eine themenunabhängige Tätigkeit wie selbstständig beliebige Softwareaufträge zu erfüllen oder einfach in einem Unternehmen arbeiten, was relativ breite Themengebiete mit seinen Dienstleistungen abdeckt, mag vielleicht mehr Konkurrenz für dich bedeuten, eröffnet dir aber gleichzeitig auch die Möglichkeit, mit vielen verschiedenen Themen in Berührung zu kommen. Das sorgt für Abwechslung im Alltag und gleichzeitig für Flexibilität bei der Berufswahl.
Sich schon vor dem Studium auf ein einzelnes Gebiet zu versteifen halte ich für gefährlich und zumindest mir wäre das auch einfach zu langweilig und eintönig.
Niemand kann die Zukunft voraussehen. Einen perfekten 10-Jahres-Plan gibt es nicht. Würde das immer so funktionieren, wie du es sagst, würde es auch jeder so machen.
Soll natürlich nicht heißen, dass ich den Leuten davon abraten will, sich zu spezialisieren und ggf. sogar zu promovieren. Wie gesagt, gerade in der Wissenschaft mag das sogar ungemein von Vorteil sein. Ich wollte lediglich sagen, dass es nicht
den Weg gibt.
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Die meisten Firmen werden sicher keinen Informatikstudenten als Programmierer für "billige" Arbeiten einstellen. Warum auch?
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So mag man sich das vielleicht vorstellen, aber doch, genau so ist das. Immer mehr Firmen halten es für nötig, ein Studium im Lebenslauf zu verlangen, weshalb die Studiengänge auch immer beliebter werden. Ob das Wissen des Studiums überhaupt notwendig für die Tätigkeit ist, spielt in vielen Fällen keine Rolle.
Und doch, sie werden oft auch vergleichbar gering bezahlt. Es heißt nicht umsonst, dass in Deutschland Akademiker massiv unterbezahlt werden. Das liegt u.a. einfach daran, dass sie eben oftmals "billige" Arbeiten verrichten.
Aber selbst anspruchsvolle Tätigkeiten, die eben nicht nur das "billige" Programmieren beinhalten, sondern auch Softwaredesign- und Architektur, Planung, Projektmanagement etc. haben meist auf der Jobanforderung ein Studium stehen, obwohl diese Tätigkeiten allesamt mit den größtenteils theoretischen Inhalten eines Studiums wenig zu tun haben.
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Leute, die eine Ausbildung machen können nicht selten besser programmieren (und oft auch sauberer) als Studenten.
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Das ist stark von der Person abhängig und derartige Pauschalisierungen kann ich in der Realität nicht wirklich bestätigen.
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Wenn es dann doch ein bisschen "anspruchsvoll" wird oder man "sicherheitskritische" Sachen implementiert kann man als Firma immer noch auf FH-Abgänger setzen, die haben entsprechende Ausbildung und besitzen dennoch einen hohen Teil an Praxis.
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Dein Bild von den verschiedenen Ausbildungsarten scheint etwas veraltet bzw. etwas stark vereinfacht. Diese leichte Einteilung zwischen Ausbildung, FH-Studium und Uni-Studium ist schon seit Jahren so nicht mehr anwendbar.
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In meinen Augen gibt es für Informstikstudenten (abgesehen von ein paar Ausnahmen) "nur" folgende Gebiete, wofür sie langfistig gebraucht werden:
- Software-Projektleitung
- Forschung
- Extrem Sicherheitskritische Bereiche (z.B. Flugzeug assistent, Atomkraftwerksteuerung, etc.)
- Firmen, die genug Geld für "Studierte" haben
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Kann man so nicht (mehr) wirklich sagen. Weder
braucht man ein Studium für Projektleitung noch für sicherheitskritische Bereiche. Verlangt wird es oft, aber eben nicht nur da, sondern allgemein in der Jobwelt. Andererseits gibt es natürlich auch Firmen, die den Bewerber genauer unter die Lupe nehmen und ihn anhand seiner Fähigkeiten einstellen und nicht aufgrund seines Titels.
Und speziell Projektleitung ist sowieso so eine Sache. Dafür gibt es nicht immer eine einzelne Person, die man extra dafür einstellt. Oftmals ist es eher so, dass langjährige Mitarbeiter, die mit den internen Workflows vertraut sind und ggf. Erfahrung mit dem firmeneigenen Produkt haben, anfangs kleine und später eventuell größere Projekte leiten.
Es war und ist immer noch so: Nach den ersten 5-10 Jahren spielt deine Berufserfahrung und nicht deine schulische/akademische Ausbildung eine Rolle.
Für Forschung ist ein Studium definitiv eine Notwendigkeit und in vielen Fällen ist auch immer noch ein Uni-Studium dafür am besten. Themengebundene Tätigkeiten sind natürlich auch so ein Fall. In der medizinischen Informatik ist auch ein passendes Studium von Vorteil, schon alleine, weil man dort auch die entsprechenden fachübergreifenden Kompetenzen vermittelt bekommt. Aber auch hier gilt: Wenn ein Quereinsteiger 10 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von medizinischen Gerätschaften hat, kräht da auch kein Hahn mehr nach einem nicht vorhandenen Studium.
Übrigens: Ein FH-Absolvent der Informatik ist/war auch ein Informatikstudent. Kommt irgendwie so rüber, als würdest du FH-Studenten der Informatik nicht zu den Informatikstudenten zählen.
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Tatsächlich geht man an der Uni schon eher davon aus, dass du später mit der Theorie auch etwas anfangen kannst/willst und höchstwahrscheinlich bei aktuellen Forschungsgebieten mitarbeitest.
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Entspricht nur in der großen Mehrheit absolut nicht der Realität, weshalb Unis auch einen Wandel in Richtung Praxisnähe durchgemacht haben bzw. noch durchmachen.
Man braucht auch einfach keine paar Millionen neue Forscher im Jahr. Dass nicht jeder einer wird (geschweige denn werden will), ist doch klar.
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Wie gesagt die Firmen, die es sich erlauben können, die werden einen Studenten natürlich (oftmals) vorziehen, aber da werden sich dann deine Arbeiten auf lange Sicht nur selten auf reines Programmieren beschränken. Und wenn doch, dann sehr nahe an aktuellen Forschungsfortschritten (z.B. Optimierung von Data Minig (siehe Google)).
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Reines Programmieren gibt es in Deutschland sowieso nur selten. Man ist Entwickler; da gehört deutlich mehr zu, als ein bisschen auf die Tastatur zu hämmern. Bloße Programmierarbeit nach Vorgaben wird schon längst in billigere Länder ausgelagert.
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Alles in allem kann man ganz plumb und "über einem Kamm geschert" sagen:
Ausbildung: Meistens sinnvoll wenn man wirklich nur programmieren will
FH: Besonders interessant bei komplexen Themensgebieten und sicherheitsrelevantem Zeugs
Uni: Hauptsächlich Forschung und Führungspositionen
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Nein, nicht wirklich. Mal ganz davon abgesehen, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem gelehrten Wissen eines eher theorielastigen Uni-Studiums und einer Führungsposition gibt, ist die restliche Unterteilung so auch eher veraltet, wenn sie denn überhaupt so je zutraf. Ein gelernter Fachinformatiker ist keinesfalls nur ein reiner Programmierer.
Und ja, ich weiß, dass du nur eine Tendenz meinst, wie du im Absatz danach auch erwähnst, aber auch diese Tendenz trifft so nicht wirklich zu. Davon geht "man" auch nicht aus.
Wie gesagt, bei der Forschung gebe ich dir Recht. Da ist ein Uni-Studium immer noch der passendste Weg. Dabei ist irrelevant, ob man nun an der Uni seiner Forschung nachgeht oder bei Google die Suchalgorithmen optimiert. Da ist man ohne tiefgreifende mathematische Kenntnisse grundsätzlich aufgeschmissen (weshalb da aber ohnehin oft eher Mathematiker als Informatiker sitzen).