Die Jugendsprache ist der Jargon der Jugend. Jugendliche sprechen anders als Erwachsene, anders als ihre Eltern. Als wesentliche sprachliche Motive und Motivationen erscheinen Abgrenzung und Selbstdefinition (Identitätsfindung). Jugendsprache wird meistens nur unter Gleichaltrigen verwendet, in den so genannten Peer Groups (Bezugsgruppe gleichaltriger Jugendlicher). Die verwendeten Ausdrücke unterscheiden sich regional und von Gruppe zu Gruppe oft so stark, dass es leicht zu Verständnisproblemen kommen kann. Manche Gruppen gebrauchen in hohem Maße Fäkalismen oder bevorzugen es neue Wortkreationen in ihre Gespräche einzubauen.
Ein großer Teil der Ausdrücke sind Neologismen (Wortneuschöpfungen) - wie zum Beispiel: alken (= sich hemmungslos betrinken), ödig (= langweilig) oder Härtepreis (= Wucherpreis). Manche Wörter werden leicht verändert: aus "vorgestern" wird vordergestern, aus "einsam" wird alleinsam und aus "Konzert" Konzi. Solche Neuschöpfungen können auch aus Spielsprachen stammen (im Deutschen eher selten).
Andere Begriffe entstehen durch Wortaddition. So ist in der Jugendsprache der Teletubbyzurückwinker eine kreative Alternative zum "Schwächling".
Viele Begriffe werden gesteigert, indem man super, mega, hammer, extra, spitzen, ober oder ur davor setzt. Manchmal werden sogar mehrere dieser Steigerungsformen genutzt: Das war echt ein megaspitzenklasse Konzi!
Ironie und Bedeutungsverschiebungen sind häufig. So verstehen manche Jugendliche unter dem Wort Massage eine Schlägerei und benutzen "Rauchmelder" als Synonym für Lehrer, der kontrolliert, ob in der Schule geraucht wird.
Kreatives Verwenden von Zeichen der Popkultur, Werbung, Film oder Jugendszenen, oft in Form von Anglizismen (englischer Lehnwörter) wie z.B. cool als Synonym für "schön", "toll" oder "beeindruckend".
Hybridformen sind Wörter aus anderen Sprachen (meistens aus dem Englischen), welche "eingedeutscht" werden, wie zum Beispiel mailen (= E-Mails versenden) oder chillen (= sich ausruhen, entspannen). Oft findet sogar eine „klangliche Eindeutschung“ statt, wie z.B. von "Walkman" zu "Workmän". Dieses Phänomen tritt allerdings auch in der von Erwachsenen benutzten Sprache sehr häufig auf.
Fäkalismen und sexuelle Begriffe sind für viele Jugendliche alltäglich. Diese mögen zwar anstößig klingen, sind aber meistens nicht ernst gemeint. Es kann also tatsächlich "normal" sein, wenn man hört, dass ein Jugendlicher zu seinem Kameraden sagt: Ach fick dich doch, du Spasti!, denn es heißt so viel wie "Lass mich doch in Ruhe." Der Umgang mit derartigen Wörtern ist jedoch von Gruppe zu Gruppe sehr unterschiedlich und ist in manchen Gruppen sogar verpöhnt. Mädchen verwenden meist eine deutlich weniger vulgäre Sprache. Ähnliches ist bei "bildungsnahen Schichten" der Fall (im Gegensatz zu "bildungsfernen Schichten").
Die meisten Ausdrücke der Jugendsprache verschwinden nach etwa 10-20 Jahren wieder aus dem Sprachgebrauch. Viele Ausdrücke sogar schon nach Wochen oder Monaten. Manches bleibt aber auch erhalten und ist eine Hauptquelle für den allmählichen Sprachwandel.
Versuchen ältere Menschen, Jugendsprache zu benutzen (etwa Politiker, die selbst "jugendgemäß" erscheinen möchten), so wirkt dies auf Jugendliche oft unbeholfen und lächerlich. Ein Parade-Beispiel dafür kommt im Film "Sex Up" vor, in dem eine ältere Dame versucht einem Jugendlichen an der Haustür eine Bibel mit den Worten: Immer mehr junge Menschen finden Jesus richtig geil. zu verkaufen, worauf der Hauptdarsteller genervt die Tür zuknallt. Die österreichische Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat kündigte im Jahr 2004 an, dass der neue Gesundheitspass "mega-affen-titten-geil" sein würde, um die Akzeptanz unter Jugendlichen zu erhöhen; dieser Ausdruck wirkte auf viele Österreicher lächerlich und unangebracht.