Zu Reife zählt meiner Meinung nach nicht, dass ein Mensch ausschließlich ernst ist, und keinerlei Spaß mehr mit macht - das wäre falsch, und würde sich nur kontraproduktiv auf die Lebensfreude auswirken. Ebenso haben die Interessen und Hobbies eines Menschen überhaupt nichts mit dessen Reife zu tun.
Zu geistiger Reife gehört meiner Meinung nach eine gewisse Grundakzeptanz anderer Denkweisen, Meinungen, Interessen und Vorlieben. Das mag nun Religion, Sexualität oder sonst etwas betreffen, grundsätzlich egal. Ein reifer Mensch sollte meiner Ansicht nach außerdem deutlich zwischen Spaß und Ernst differenzieren können, und wissen, wann ein Spaß aufhört, und wo der Ernst des Lebens beginnt. Das mag nicht immer einfach sein, da es voraussetzt, das man die Personen, die einen umgeben, kennt und richtig einschätzen kann, aber auch das gehört dazu: Ist man sich nicht sicher, wie ein Mensch auf etwas reagieren wird, das eventuell beleidigend oder verletzend sein kann, lässt man es.
Versteht mich nicht falsch, man kann nie mit absoluter Sicherheit sagen, wie jemand auf eine bestimmte Aktion reagieren wird, doch Rücksichtnahme und Respekt vor seinen Mitmenschen sollte in jedem Fall gegeben sein. Vielleicht kann man zusammenfassend sagen, dass ich von einem "reifen" Menschen erwarte, dass er seine Handlungen nochmals überdenkt, bevor er sie letztlich vollzieht, und dabei nicht nur eigene Interessen bedenkt, sondern auch Rücksicht auf Andere nimmt.
Schätze ich mich selbst nach meiner Definition als reif ein? Jein. Einerseits habe ich mir selbst deutlich bewusst gemacht, was ich von mir selbst erwarte, andererseits kann ich diese Voraussetzungen nicht immer erfüllen. Ich würde sagen, es ist ein Anfang, aber geistige Reife, wie ich sie definiere, habe auch ich noch nicht erreicht.