Ich weiß, dass viele Gemüter aktuell durch Corona sehr überhitzt sind und nur ein kleiner Funke reicht, um einen Shitstorm auszulösen.
Jeden Tag lese ich von Menschen, wie toll sie daheim bleiben und es nicht verstehen, dass es noch arbeitende Leute gibt. Die verstehen auch nicht, dass draußen welche die Straße entlanggehen oder gar einkaufen. Es gibt Schlägereien um Toilettenpapier, Konservern und erst recht bei Desinfektionsmittel. Warum die ganze Hysterie? Warum reagieren die Menschen teilweise so?
Ich bin auch jemand, der tglich dumme Kommentare auf der Straße bekommt. Gestern war es besonders schlimm, da die Hauptzugangsleitung des Internets kurzerhand durch Bauarbeiten den kompletten Ort inklusive den Teilorten zerstört hatten. Kein Mobilfunk und Festnetz mehr, sowie das Internet aller Provider. Ich ging normal einkaufen, da kommt eine ältere Dame mir entgegen, was mir einfällt, draußen zu sein. Nichtssagend bin ich weitergegangen. Warum soll ich mich auf Diskussionen einlassen?
Das Schöne: Es waren 22 Grad, Sonnenstrahlen ohne Ende und alle Straßen waren fast leer. Leergefegt, da die Deutschen einkaufen waren. Die Franzosen dürfen nicht mehr rüber, die Grenze ist endlich zu. Auf dem Spaziergang kamen mir noch weitere Menschen entgegen. Einer war so wutentbrannt, wie ich auf einmal niesen kann. Ich wäre keine 100 Meter von ihm entfernt. Den hätte ich gerne an die Wand geklatscht.
Das hamstern oder bunkern ist genauso sinnlos. Als Dienstleister bin ich täglich in einem Großlager eines Lebensmittelversorger. Eine Filiale hat letzte Woche mehr Umsatz als in der gesamten Weihnachtszeit gemacht - nur mit Standartware. Im Lager gibt es noch alles in Massen, LKW's bringen genug. Es hapert an der Kaufkraft. Es wird mehr gekauft, als es aktuell LKW's gibt. Würden wir das Konsumverhalten auf ein normales Maß wieder runterregeln, würden sämtliche Filialen das Sortiment wieder innerhalb weniger Tage afgefüllt haben. Insbesondere Toiettenpapier, Mehl, Zucker, Eier und Salz. Mit den Grundnahrungs- und Grundhygieneartikel. Da es mehr als genug Bekloppte gibt, die meinen, die Welt geht unter, sind solche Artikel permanent ausverkauft.
Große Preisfrage: Wenn ich morgen für 14 Tage daheim bleibe, was benötige ich wirklich?
Schauen wir mal die Maßnahmen von der Bundesregierung an: Alles Lebensnotwendige bleibt offen, alles andere bleibt zu. Einerseits richtig, um die Leute auseinander zu treiben, um die Infektionsrate zu verlangsamen. Andererseits ist einiges überzogen. Wenn ich das Gesundheitssystem anschaue, ist es jedoch richtig, was gemacht wurde. Für das Gesundheitssystem ist es noch zu wenig. Die Isobetten in der Region sind alle belegt, alle Verdachtsfälle werden provisorisch irgendwo verlegt, Zimmer mehr und mehr belegt oder wieder heim geschickt. Deshalb ist es richtig, Sonntagsverkaufsverbote aufzuheben, damit die Leute großflächiger Einkaufen. Das ist genau das, was die DB verkehrt macht: Weniger Züge mit mehr Menschen drin. Die Einkaufsläden haben länger offen, damit die Leute über die Öffnungzeit noch verteilter einkaufen. Hier lasse ich das Personal außer acht, es geht um die gesundheitiche Sicherheit der Bevölkerung. Da können die Einzelhändler auch mal Überstundenzuschläge zahlen (die sicherlich vom Bund wiedergeholt werden).
Kommen wir zu einem weiterem Thema: Katastrophenschutz.
Dieser ist bisher in Bayern ausgerufen worden mit einem Budget von 10 Milliarden (10.000.000.000) Euro. Warum so viel? Da werden Ressourcen abgerufen, die keiner wirklich sieht. Im KatS sind viele Organisationen mit drin. Polizei, Feuerwehr, THW, Bundeswehr, weiße Organisationen (DRK, Malteser...) und viele, viele mehr. Die können sich quasi frei daraus bedienen. Der große Vorteil: Zentrale Koordination.
Als der KatS ausgerufen worden ist, wurden viele ehrenamtliche Helfer quasi hauptamtlich gebunden. Die stehen an der Front, bauen Zelte auf und sind in der Grundvesorgung mit beteiligt. Diesen Menschen gehört auch ein Lob ausgesprochen. Ich bin übrigens auch im Katastrophenschutz im DRK beteiligt, Betreuungszug. Wenn hier in BaWü die Katastrophe ausgerufen wird, werde ich nach der Arbeit unter der Flagge vom DRK an de Front gehen (Warum nach der Arbeit? Ich muss die Lebensmittelversorgung sicherstellen. Läuft das Lager nicht, wird nichts ausgeliefert.).
Wir sollten mehr Solidarität zeigen und weniger an sich selbst, sondern mehr an alle denken. Ich gehe teilweise schon für die Rentner im Haus nach der Arbeit einkaufen, weil die sich nicht mehr raustrauen oder auch angeschlagen sind. Ich mache es durchaus gerne und das ohne Aufpreis. Die haben ihr ganzes Leben gearbeitet, erzählen gerne vor dem Haus mit Menschen und haben alle die Familie über ganz DE oder CH verteilt. Bevor diese Menschen wegen der Angst und der Sorge der Einsamkeit vereinsamen, bat ich meine Hilfe an, die herzlichst angenommen wurde.