Dieses Jahr, an einem nebligen Herbstabend, passierte mir etwas, das mich bis heute verfolgt.
Es war ein Mittwoch, und ich hatte bis spät gearbeitet. Draußen war es längst dunkel, und die Straßenlaternen gaben nur noch ein schummriges, flackerndes Licht ab. Der Nebel lag dicht über den Gehwegen, und es war still – eine unnatürliche, drückende Stille, als hätte die Nacht selbst den Atem angehalten. Mein Heimweg führte durch einen kleinen Park, den ich schon unzählige Male bei Nacht durchquert hatte. Doch an diesem Abend war alles anders.
Als ich den Park betrat, fiel mir sofort auf, dass kein einziges Licht brannte. Auch das sanfte Rauschen der Blätter war verschwunden. Kein Windhauch bewegte die Bäume, und ich konnte nichts hören, nicht mal meine eigenen Schritte, obwohl ich vorsichtig auf dem Kiesweg entlangging. Es war so still, dass mir plötzlich der eigene Herzschlag laut in den Ohren dröhnte. Ich versuchte mich zu beruhigen, atmete tief durch und beschleunigte meine Schritte.
Nach ein paar Metern bemerkte ich im Augenwinkel eine Bewegung. Ein Schatten, kaum mehr als eine Silhouette, die zwischen den Bäumen erschien und verschwand. Ich blieb stehen, hielt den Atem an und lauschte. Doch nichts. Ich konnte kaum etwas erkennen, doch mein Blick suchte weiter die Dunkelheit ab.
Dann hörte ich plötzlich das Geräusch – ein leises Knacken, so als würde jemand einen Ast unter seinen Füßen brechen. Es war zu leise und doch so unnatürlich, dass mir ein Schauer über den Rücken lief. Ich wollte schnell weitergehen, aber meine Beine fühlten sich wie festgefroren an. Dann, bevor ich mich bewegen konnte, sah ich den Schatten erneut, diesmal näher. Es war, als würde er in meiner Richtung stehenbleiben und mich beobachten. Der Gedanke daran ließ mir das Blut in den Adern gefrieren.
„Hallo?“, fragte ich mit zittriger Stimme, versuchte aber, entschlossen zu klingen. Keine Antwort. Nur das leise Rascheln von Blättern hinter mir. Ich drehte mich um, aber da war nichts. Als ich mich wieder in Richtung des Schattens wandte, war er verschwunden. Ich spürte plötzlich eine unbändige Angst, ein seltsames Gefühl, als wäre ich nicht allein in der Dunkelheit. Ein Drang überkam mich, einfach wegzurennen, so schnell ich konnte.
Doch als ich schließlich rannte, hörte ich Schritte hinter mir. Sie waren leise, schwer zu hören, fast so als kämen sie direkt aus meinem Kopf. Trotzdem klangen sie genau wie meine eigenen, nur eine halbe Sekunde versetzt. Jeder Schritt, den ich machte, wurde von einem zweiten begleitet, einem lautlosen Echo, das mit mir durch den Park hetzte.
Endlich erreichte ich das Ende des Parks, wo die Straßenlaternen wieder brannten und Autos vorbeifuhren. Ich schaute mich um – niemand war da. Der Schatten, die Schritte, alles war verschwunden. Aber die Kälte, die Angst, die blieb. Ich weiß nicht, was ich da wirklich gesehen habe, oder ob es nur meine übermüdete Fantasie war. Aber jedes Mal, wenn ich seither durch diesen Park gehe, spüre ich, dass ich dort nicht allein bin.