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Originally Posted by ZØrO
Ich bin Gastronom und gebe auch selber mindestens 25% Trinkgeld bei guten Service.
Viele nennen uns nur Tellertaxis. Zwar sind wir ein Dienstleistungsgewerbe, doch wer mich gut berät; welcher Rotwein zum Saltimbocca passt oder welcher Weißwein mit dem Dessert harmoniert, generell Getränke-/Speisenempfehlungen ausspricht oder mich an der Bar unterhält und ein Ohr für mich hat, verdient eine "Aufmerksamkeit" meinerseits. Natürlich gibt es Servicepersonal die einen schlechten Tag haben und dich nicht mal anlächeln, da runde ich den Betrag einfach glatt auf.
Beispielsweise: in NRW beträgt der Tarifvertrag 1856,00€ Brutto. Sind wir mal großzügig und rechnen mit 1400€ Netto. Davon kann man keine Familie ernähren. Im Monat 300€ Trinkgeld zu verdienen erleichtern so einige Finanzierungen.
(Natürlich gibt es auch Gastronomiebetriebe in denen die Servicekräfte allein an Trinkgeldern das vierfache vom Netto Gehalt raushaben. Diese Leute laufen auch am Tag mind. 20Km, haben täglich 12 Stunden Schichten und heißen euch als Gastgeber mit einem lächeln im Gesicht immer Willkommen.)
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Richtig, der Verdienst ist meistens im Niedriglohn-Sektor, aber das sind auch viele andere Berufe. Die Altenpflegerin bekommt ja auch kein Trinkgeld und ist sozusagen im "Gastgewerbe" tätig. Ich würde mal eher überlegen, ob das niedrige Grundgehalt nicht eher ein Symptom davon ist, dass es Trinkgelder gibt.;) Selbst wenn nicht, dann hat man eben wie die Altenpflegerin den falschen Beruf erlernt, um das große Geld zu machen.
Empfehlungen auszusprechen ist doch keine Kunst. Meine Güte, dieser Beruf wurde erlernt. Das zu wissen ist überhaupt erst die Qualifikation um diesen ausüben zu dürfen und dies mit dem Gast zu teilen ein untrennbarer Faktor davon. Genauso wie der Bauarbeiter sein Wissen mit dem Bauherren teilt und erklärt: Warum er die Mauer jetzt 2,30m statt 2,00m hoch zieht, ist das selbe, wie wenn du sagst welcher Wein am besten zum Eisbein passt (da vorher jemand Bauarbeiter erwähnte, die ja angeblich nicht mit Kunden kommunizieren). Natürlich muss man im Gastgewerbe noch eine Gewisse Etikette an den Tag legen, aber das gehört nun mal zum Beruf. Wenn Etikette, Empfehlungen etc unter Trinkgeld fallen, was bleibt dann noch als Leistung, um überhaupt ein Grundgehalt zu beziehen?
Ich hab absolut nichts gegen das Trinkgeld(!!!) und gebe auch gern, aber wenn man die Erklärungen liest, genauer darüber nachdenkt, Parallelen zu anderen Berufen zieht, erkennt man eigentlich sofort, dass es sich hier um ein Relikt aus ewig vergangener Zeit handelt. Früher haben halt die Leute in Gesellschaft gerne mit ihrem Gold geprallt (gut betuchte Ritter, Adlige etc.), Leute die es sich überhaupt erst leisten konnten bewirtet zu werden.