Ausbildung Fachinformatiker - oder doch lieber Studium?

03/29/2017 18:31 Mysthik#16
Bevor ich dir meine Empfehlung gebe, will ich einige Dinge klargestellt haben.

Was ist das Studium nicht:
  • Der Schwerpunkt des Informatik-Studiums ist nicht die Softwareenwicklung! In mehr als der Hälfte aller Veranstaltungen wirst du keinerleich Programme erzeugen, geschweige denn auch nur eine Programmiersprache sehen.
  • Du lernst nur bedingt Frameworks kennen und es bereitet dich nicht direkt auf eine Arbeitstelle vor. Wenn du nach dem Studium auf dem Arbeitsmarkt geschmissen wirst hast quasi keine Berufserfahrung. Spätestens nach dem Bachelor ist es sinnvoll sich einen Nebenjob in dem Bereich zu suchen.
  • Es ist nicht leicht. Das sollte eigentlich klar sein. Man kommt mit ein wenig Arbeit in alle Thematiken rein, wenn man aber nicht drann bleibt kommt man in den Vorlesungen aber nicht hinterher.

Wenn du dich jetzt fragst wieso du dann studieren solltest, wird es nun interessant.

Was bringt dir das Studium dann?
Das erste was du lernen wirst ist, dass Informatik mehr ist als die reine Softwareentwicklung.
  • Du wirst über den Tellerrand hinausschauen. Du lernst im Studium Dinge kennen wie die Funktionale-Programmierung (C/C++, Java oder C# sind nicht das höchste der Gefühle) oder die theoretische Informatik (viele Dinge davon sind auch praktisch anwendbar und unglaublich wichtig).
  • Eine unglaublich großeres Ansammlung an Konzepten und Algorithmen. Du bekommst einen riesigen Überblick über ein Haufen interessanter (und in Zukunft relevanter) Themengebiete wie z.B. Evolutionary-Programming, Automatic-Speech-Recognition/Speech-Synthesis, Cognitive-Modeling, Image-Recognition oder auch Handwerkszeug wie Wahrscheinlichkeits-Modelle (z.B. GMMs), Neuronale-Netze (DNN, RNN, ...) bzw. Machine-Learning im Allgemeinen. Gerade diese Dinge werden in der Zukunft vermutlich immer wichtiger und kommen definitiv bei einer Ausbildung zu kurz, außerdem ist das meiner Meinung nach das Interessante an der Informatik :).
  • Algorithmisches-Denken. Das ist wohl quasi eines der Schlüsselattribute der Informatik, im Studium wird dies gezielt ausgebildet (unteranderem durch Dinge wie Reduktion, Komplexitätstheorie, Berechenbarkeit und ein haufen Algorithmen).
  • Eigenschaften von Problemen/Algorithmen erkennen: Das ist etwas das in der Ausbildung meines Wissens nach etwas zu kurz kommt. Du lernst im Studium das abschätzen der komplexität unterschiedlicher Algorithmen und wie man mit bestimmten Problemen umgeht. Viele Probleme in der Informatik wurden schon mal von jemand anderem gelöst, in Studium lernst du Lösungen zu häufigen Problemen kennen und ansonsten wo man die Lösung herbekommt.
  • Du lernst die Fachsprache. Klingt vielleicht ein wenig nebensächlich aber wenn du dir mal ein Konferenz-Paper anschaust wirst du sehen wie wichtig das ist. Auch in der Wirtschaft kann dies wichtig sein wenn man vor einem Problem steht, und nicht immer gibt es einfache verständliche Versionen der Lösung im Netz. Außerdem ist es ganz interessant sich hin und wieder mal ein paar Paper von Themen durchzulesen die einen interessieren.

Das ganze ist lediglich meine subjektive Meinung oder die Erfahrungen die ich gemacht habe und ich kann das ganze nicht auf alle Universitäten oder Ausbildungen verallgemeinern. Trotzdem gilt meiner Meinung nach: Wer sich für die Informatik und nicht nur für die Softwareentwicklung interessiert gehört auf die Universität in ein Informatikstudium und selbst die, die sich nur für die Softwareentwicklung interessieren bietet das Studium die Chance mehr kennen zu lernen. Es muss ja kein Master hinterhergehängt werden im Bachelor lernt man genug um im theoretischen und praktischen Bereich gut gerüstet zu sein.


Damit du mal ein kleinen Überblick bekommst, das sind einige der Kurse die ich im Bachelor-Studium hatte:
  • Mathe (Mengenlehre, Analysis, Vektorgeometrie, Aussagenlogik, ...)
  • Praktische-Informatik (Java, Algorithmen, Haskell (FP))
  • Theoretische Informatik (Sprachtheorie, Komplexität, Berechenbarkeit, ...)
  • Technische Informatik (Betriebssysteme (Unix), Logik-Bausteine, Schaltungsminimierung, ...)
  • Graph-Algorithmen
  • automatische Spracherkennung (super Interessant :))
  • ...



Ich hatte vor dem Studium, während meines Abiturs, eine schulische Ausbildung zum TAI (Technischer Assistent für Informatik) gemacht (ca. 4 Jahre ohne Berufserfahrung, ingesamt eine schlechtere Ausbildung als der Fachinformatiker). Das was ich dort in an Softwareentwicklung gelernt habe war nicht wenig. Und es hat mich am Anfang auch einige Mühen gekostet das alles zu lernen und zu verstehen. Diese vierjährige Ausbildung hat mir im Studium quasi 1 1/2 Vorlesung erspart, die Vorlesung in der Java vermittelt wurde konnte ich quasi überspringen (war auch nie da gewesen) und in einer der technischen Vorlesungen war mir die Hälfte bekannt. Alles was danach kam war neu. Wie groß sich der TAI von FI unterscheidet kann ich nicht sagen, aber vielleicht hilft dir das einen groben Überblick zu bekommen.


Mir ist eben aufgefallen, dass du dazu tendierst dich selbstständig zu machen. Was spricht denn gegen ein Informatikstudium, in dem du einige Wirtschaftskurse belegst? Damit kannst du sicherlich nicht viel falsch machen (außer die Langeweile mit Wirtschaftsteil :P).

Wenn du noch mehr wissen willst frag nach :)
03/29/2017 18:34 Peter 3957#17
warst du in melbourne revs ?
03/29/2017 20:24 KamikazeOli#18
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Originally Posted by Liihes View Post
Hab mir den Studiengang Wirtschaftsinformatik ein Semester angeguckt und anschließend entschieden eine Ausbildung zu machen. Hab sie (falls es interessiert) bei der Postbank Systems gemacht, hat nen super Ruf bei der IHK, neben meiner Praxis & der Berufsschule (die allerdings nicht so geil war, lag aber an der Schule..) hatten wir von der Firma CSC (sowas wie ne Partnerfirma) noch zusätzlich studienmäßige Seminare mit eingekauften Trainern.
Wenn du nach deiner Ausbildung bzw. deinem Studium direkt arbeiten willst & nicht auf den Kopf gefallen bist, empfehle ich dir eine Ausbildung anzutreten, diese kannst du auf zwei Jahre verkürzen solange deine Zwischenprüfung dementsprechend aussieht. Des Weiteren hast du nicht das Problem was viele Studenten nach dem Studium haben, diese kommen in einen Betrieb und haben keinerlei Praxiserfahrung. Die meisten holen dann eine Ausbildung nach bzw. beantragen erstmal eine extra Einarbeitungszeit.
Wenn du in einer ordentlichen Firma eine Ausbildung machst und nicht nur Kaffeeholer spielen musst, empfehle ich dir das. Fundiertes Grundwissen & Praxiserfahrung haben noch niemandem geschadet & ein Studium kann man immernoch Dual/anderweitig nachholen, grade wenn du einen rapiden Anstieg deiner Gehaltsklasse wünscht, wird dies von Nöten sein.
Eine Frage so nebenbei, weil mich das interessiert. Woher weiß man bitte welcher Ruf die Firma/Unternehmen bei der IHK hat ? Würde mich interessieren, da ich selbst auf der suche bin bezüglich Ausbildung.
03/29/2017 20:30 Liihes#19
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Originally Posted by KamikazeOli View Post
Eine Frage so nebenbei, weil mich das interessiert. Woher weiß man bitte welcher Ruf die Firma/Unternehmen bei der IHK hat ? Würde mich interessieren, da ich selbst auf der suche bin bezüglich Ausbildung.
Einfach mal nachfragen. Die haben Unterlagen diesbezüglich. Die IHK ist dein Freund ^^
03/29/2017 20:34 Delinquenz#20
Wenn du dich für Themengebiete wie Data Science, Künstliche Intelligenz, Algorithmen, Verifikation, Verteilte Systeme, VR, HPC oder Computer Vision interessierst, wirst du mit einer Ausbildung nicht weit kommen. Ansonsten sollte eine Ausbildung besser geeignet sein.
03/29/2017 20:41 Liihes#21
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Originally Posted by Delinquenz View Post
Wenn du dich für Themengebiete wie Data Science, Künstliche Intelligenz, Algorithmen, Verifikation, Verteilte Systeme, VR, HPC oder Computer Vision interessierst, wirst du mit einer Ausbildung nicht weit kommen. Ansonsten sollte eine Ausbildung besser geeignet sein.
Sehe ich anders. Um ein gewisses Grundwissen aufzubauen ist die Ausbildung perfekt und in meinem Fall der Ausbildung haben wir uns sehr wohl ausgiebig mit Neuronalen Netzen, Algorithmen & Big Data auseinandergesetzt.
Das ist Ausbildungsplatzabhängig & nicht jeder Studiengang belegt diese Themen. Wirtschaftsinformatik wirst dus nicht haben und in Theoretischer Mathematik liegt der Schwerpunkt hauptsächlich auf Algorithmen, nicht aber auf anderen genannten Themengebieten.
03/29/2017 21:20 algernong#22
Aber du willst doch keine 2 Jahre investieren, um ein gewisses Grundwissen aufzubauen, wenn du stattdessen im ersten Semester auch einfach ein bisschen mehr machen kannst.
03/29/2017 21:49 Liihes#23
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Originally Posted by algernong View Post
Aber du willst doch keine 2 Jahre investieren, um ein gewisses Grundwissen aufzubauen, wenn du stattdessen im ersten Semester auch einfach ein bisschen mehr machen kannst.
Naya, zu dem gewissen Grundwissen kommen Praxiserfahrung usw ja auch noch dazu.
03/30/2017 13:18 RoFu#24
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Originally Posted by Liihes View Post
Einfach mal nachfragen. Die haben Unterlagen diesbezüglich. Die IHK ist dein Freund ^^
Vorrausgesetzt die IHK hatt Ahnung und ist nicht von Prüfern durch die Ausbildungsbetriebe unterwandert. einer wald und wiesen IHK würde ich sowieso nicht übern Weg trauen.
03/30/2017 14:53 Delinquenz#25
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in meinem Fall der Ausbildung haben wir uns sehr wohl ausgiebig mit Neuronalen Netzen, Algorithmen & Big Data auseinandergesetzt.
Man kann die Themen zwar anreißen, aber wie will man sich mit den Themen ausgiebig beschäftigen, wenn schon die Grundlagen der Mathematik (damit ist nicht Oberstufenmathematik gemeint) nicht wirklich vorhanden sind? Wenn man möchte, kann man sich natürlich auch alles in der Freizeit aneignen. Aber wenn man einen Job haben will, in dem man sich mit tiefergehenden Thematiken auseinandersetzt, kommt man mit der Ausbildung nicht wirklich weit. Ausnahmen gibt es natürlich immer und man kann natürlich auch noch später ein Studium dranhängen.

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nicht jeder Studiengang belegt diese Themen.
Ich ging schon von einem Informatikstudium aus. Ist natürlich alles später eher was für den Wahlpflichtbereich oder den Master, aber jede ordentliche Uni sollte die meisten von den genannten Gebieten abdecken.

Quote:
Naya, zu dem gewissen Grundwissen kommen Praxiserfahrung usw ja auch noch dazu.
Oder man sucht sich einfach einen Nebenjob während des Studiums. Damit meine ich keine HiWi-Stelle sondern einen richtigen Job bei einer Consulting Firma oder ähnliches. Ist natürlich schwer, aber machbar.
05/08/2017 23:13 illusi0n1337#26
Hast du Vorerfahrung in der Informatik?
Grundlegendes Matheverständnis (Analysis, Logik, Sprache, Mengenlehre etc. )?
Kannst du schon Programmieren ohne dass du ständig irgendwelche Copy&Paste arbeit machst?
Ist dir OOP schon nen Begriff?
Liegt dir wissenschaftliches Arbeiten?
Schonmal was von Netzwerktechnik gehört? Packets, Tracing, OSI-Layer ?
Zahlensysteme wie Hex, Oct und Dual sagen dir was?

Wenn du das alles mit Ja beantworten kannst - geh studiern. Dann haste die besten Voraussetzungen das auch zu schaffen, ansonsten prasseln soviele neue Dinge auf dich ein in die du viel Zeit investieren musst um es überhaupt zu kapieren - ich sehe viele in meiner Uni die völlig überfordert sind weil alles neu ist und das Tempo so unglaublich hoch ist.

Wenn du alles mit Nein beantworten musst, mach ne Ausbildung, da lernst du den Kram wenigstens, zwar reißen die Berufsschulen viele Themen nur an und formen dich in die IHK Prüfung aber mit dem richtigem Betrieb an deiner Seite, kannst du das alles auch ordentlich lernen.

Schreib mir ne PM wenn du mehr wissen willst.

Peace
05/09/2017 18:42 algernong#27
Man kann doch auch ohne Vorkenntnisse locker studieren lol
05/09/2017 18:51 .QaDusch#28
Quote:
Originally Posted by Mysthik View Post

Wenn du noch mehr wissen willst frag nach :)
Schöner Text - wäre super wenn du noch kurz erwähnen könntest wo du denn Studiert hast und wie lange das her ist. Mich würde auch Interessieren wann du dein Abitur mit TAI gemacht hast.