Wo war ich? Was ist passiert? Alles, an das ich mich erinnert habe, war ein lauter Knall. Danach muss ich wohl ohnmächtig geworden sein. Und nun lag ich da. Als ich plötzlich Schüsse hörte, kam ich langsam zu Sinnen. „Das muss aus einer Pistole stammen“, dachte ich mir. Es war schwer, aufzustehen, doch langsam richtete ich mich auf. Es musste eine Art Korridor gewesen sein, denn der Gang war schmal und lang. Doch auf Beleuchtung konnte ich nicht hoffen. Es war dunkel und nur das Licht vom Mond schien durch die vielen breiten Fenstern in den Gang hinein. »Auch endlich wach?“ hörte ich die Stimme einer jungen Frau. Es dauerte etwas, bis sich meine Augen an das Dunkle gewöhnt hatten. Dann sah ich schließlich, woher die Schüsse kamen: Etwas weiter im Korridor stand eine Frau mir langen schwarzen Haaren mit dem Rücken zu mir. Ich schaffte es, mich vollständig aufzurichten und vorsichtigen, schmerzenden Schrittes mich auf sie zuzubewegen. Pistolenschüsse waren in der Zeit nicht unüblich. Es begann alles plötzlich und nun ist der ganze Kontinent verseucht. Viele mögen jetzt das übliche Zombie-Weltuntergangsszenario im Kopf haben. Aber nein. Das war es nicht. Es war etwas anderes, etwas weit unnatürlicheres. Aus einer Art andere Dimension kommen diese Bestien. Aber ich kann mich schwer daran erinnern, was vorher passierte. Mein Kopf dröhnt… »Willst du ewig da rumstehen? Schnapp‘ dir eine Pistole und hilf mir, wenn du überleben willst. « Hörte ich sie zu mir rufen. Verdammt, ich hatte noch nie eine Pistole bedient. Aber sie hatte Recht. Ich kannte diese Monster und hatte keine Lust, so einfach aufzugeben. Also kniete ich mich nieder und nahm eine der Pistolen, die neben ihr lagen. Von dieser Position aus hatte ich auch zum ersten Mal einen klaren Blick auf das, was ich nun erschießen sollte.
Es war Menschenähnlich und doch hatten seine Bewegungen nichts mit einem Menschen gleich. Es hatte dunkelblaue Haut, die durch eine Art kristallinen Panzer geschützt wird. Der Kopf hatte keine Ähnlichkeiten mehr mit einem Menschen. Weder Mund noch Augen waren vorhanden, geschweige denn Nase oder Ohren. Trotzdem kamen ständig Knack-Geräusche von ihnen aus, was vermutlich an der ständig zerbrechenden und sich neu bildenden Haut liegt. Eines stürmte durch den Korridor auf uns zu, als ich meinen ersten Schuss wagte. *Peng*. »Mist, daneben! « ärgerte ich mich über den Schuss, der nicht einmal das Monster getroffen hat. Die Frau neben mir kam sofort aus ihrer Deckung, welche aus wahllos herumliegenden Kisten bestand, hervor und landete einen sauberen Schuss in Nähe der Solarplexus. Der Schuss war absolut tödlich und ließ es kurzerhand regungslos auf den Boden fallen. »Ziel da drauf, etwas anderes tötet sie nicht. « entgegnete sie mir. Wir versuchten uns noch weiter zu verteidigen und nach zahlreichen Fehlschüssen meinerseits und einem Korridor gepflastert mit sich langsam auflösenden Monstern hatten wir es endlich geschafft.
Es schien plötzlich alles so ruhig. Wir verschnauften beide für einen Moment und lehnten uns an unsere Deckung. »Woher kommst du? « fragte sie mich. »Ich weiß nicht. Ich kann mich an kaum etwas mehr erinnern. « »Klar kannst du das nicht. Du hast dir aber auch furchtbar den Kopf angestoßen. Das wird wieder«. Würde es wirklich wieder in Ordnung gehen? Sie stand auf und öffnete die Tür, die in eine Art Unterkunft führt. Ein spartanisches Hochbett, Bad, Küche und einen kleinen Nebenraum. Mehr war nicht vorhanden. »Komm‘ rein, wenn du nicht auf der Straße schlafen willst. « Ich folgte ihrer Aufforderung und trat in die Unterkunft ein. Sie machte sich gleich auf und öffnete einen Rucksack voll mit Munition. »Sag mal, wie heißt du? «. Ich musste überlegen, um eine Antwort darauf zu finden. Mein Kopf dröhnte immer noch wie verrückt. »Ich glaube… Ich heiße Alex. « Dann setzte sich mich auf das untere Bett neben ihr. Sie zögerte einen Moment, bis sie letztendlich sagte »Ich bin Alina«. Ich starrte auf den Boden und versuchte meine Gedanken zu sortieren. Aber irgendwie passte nichts zusammen. Mein Blick fiel auf eine Zeitung und deren Artikel „Verbindung zum Rift erstmals hergestellt“. Vielleicht konnte mir das etwas helfen, ich habe immer noch nur Bruchstücke von dem, was passiert war, im Kopf. Ich nahm den Zeitungsartikel hervor, als plötzlich ein weiterer Artikel aus ihr herausfiel. »Du willst jetzt im Ernst Zeitung lesen? « Sie schaute mich an, als ob ich von einem anderen Stern käme. »Ah, ich verstehe schon. Na dann viel Glück beim Erinnerungen zurückbekommen. « Entgegnete sie mir, bevor ich eine Antwort geben konnte. Danach zog sie einen weiteren Rucksack hervor und begann ihn mit allerlei Verpflegung und Munition zu packen. Ich hingegen fing an, die beiden Zeitungen zu durchblättern und mir die wichtigen Artikel anzusehen.
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Wissenschaftler haben es zum ersten Mal geschafft, eine Verbindung in eine Art andere Dimension aufzubauen. Über eine Art Riss haben sie eine Verbindung zu einem Ort herstellen können, den sie „Rift“ nannten. Laut den Messwerten ist kein menschliches Leben möglich und dennoch werden bereits erste Experimente vorbereitet, Menschen in Schutzanzügen an den Ort zu schicken. Messwerte haben ergeben, dass Leben dort durchaus möglich sei trotz dem Fehlen von Sauerstoff und Licht.
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Eine Katastrophe hat sich bei einem Experiment ereignet, bei dem ein Mensch zum ersten Mal die „Rift“ betreten sollte. Es war Adam Braun, der die Rift betreten sollte. Doch kurz nach dem Betreten gab es Störungen in der Kommunikation. Das Experiment wurde abgebrochen, doch Adam kam nicht mehr zurück. Erst eine halbe Stunde später trat er durch den Riss wieder in das Labor ein – mit einem Riss in seinem Anzug. Er weigert sich bis heute über die Dinge zu reden, die dort passiert sind. Er war aber weder kontaminiert, noch konnte man irgendwelche Abnormitäten feststellen – bis auf die Tatsache, dass er in der Rift trotz einem Riss im Schutzanzug überleben konnte. Bis heute hat er nur von Lichtern in der Dunkelheit gesprochen.
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Ich lag die Zeitungen zurück. Langsam erinnerte ich mich wieder an das, was passiert war. Ich hatte bei dem Vorfall meine Familie verloren. Es kam alles plötzlich. Diese Kreaturen, Riftlinge genannt, tauchten einfach überall auf. Es gab nicht einmal einen Sinn dahinter. Sie haben niemanden gefressen, sie haben einfach mit ihren scharfen Klauen die Menschen getötet. Ohne Ausnahmen und ohne Erbarmen. Kurz darauf schlug das Militär zu und das war wohl der Moment, bei dem ich das Bewusstsein verloren haben musste… Selbst jetzt erinnerte ich mich aber nicht an Details. Es war alles so verschwommen und mir kam es vor, als ob ich die wichtigsten Teile vergessen hatte. Ich wusste nicht, wie meine Familie starb. Aber ich wusste, dass sie starben.
»Schau mal aus dem Fenster« hörte ich plötzlich Alinas Stimme, die mich aus meinen verträumten Gedanken riss. Ich stand auf und schaute aus dem Fenster in die Nacht. »Hässliche Viecher. Und Dumm sind sie auch noch. Schau mal. « Sie öffnete das Fenster und holte ein Scharfschützengewehr unter dem Bett hervor. »Keine Sorge. Sie hören nicht, noch sehen sie. « Sie legte an. Ein lauter Knall verabschiedete die Kugel, die kurzerhand eines der Riftlinge zu Boden fallen ließ. »Siehst du? Denk daran. Sie riechen nicht. Sie hören nicht. Sie sehen nicht. Sie spüren. « Und mit dem Beenden dieser Worte fiel auch mir auf, wie plötzlich die anderen Riftlinge sich dem Verstorbenen zuwandten und ihn akribisch zu untersuchen begannen. »Es ist verrückt. Aber es ist wie eine Art Sensor. Siehst du? Sie spüren keinerlei Leben, also ziehen sie weiter. « Sie legte das Scharfschützengewehr zurück. »Woher wissen wir, ob wir hier sicher sind? « fragte ich sie. »Gar nicht. Wenn es so weit ist, werden wir es aber mitbekommen. « Sie suggerierte mit ihrem Blick, mir die Tür genauer anzuschauen. Es war eine stabile Tür mit mehreren Verriegelungen. »Wenn die da durchkommen wollen, müssen sie schon durchbrechen. Zumal wir nicht alleine sind. « Sie warf sich auf das untere Bett. »In diesem Gebäude gibt es mehrere Überlebende als nur wir. Es ist in Komplex von vielen, andernfalls wäre es ja auch viel zu schwer, sich selbst zu versorgen. Wir helfen uns gegenseitig. « Ich blickte sie fragend an. »Und.. Warum warst du dann alleine? « Sie verstummte für einen kleinen Moment. »Nun ja.. Mein eigentlicher Partner ist…« Ihre Stimme wirkte nun plötzlich wieder traurig und ich wollte auch keineswegs weiter nachfragen. Es war wohl klar, was damit gemeint war.
»Du solltest dich hinlegen. « Sie zeigte auf eine elektronische Uhr. »Die ist mit unseren Wachposten verbunden, so wie viele andere Geräte, sollte das hier mal ausfallen. Der Staat versorgt uns weiter mit Strom. Das ist ziemlich sicher, die haben die Lage ziemlich gut im Griff. Naja.. Zumindest in der Hauptstadt. « Plötzlich schossen wieder neue Erinnerungen durch meinen Kopf. Ich erinnerte mich wieder an das damalige System. Es gab eine Hauptstadt, die auch den Sitz der Regierung und des Präsidenten innehatte. Diese Stadt war mit allen Städten auf dem Kontinent verbunden. Es gab noch einige Knotenstellen, die ebenfalls stark abgesichert wurden. Somit wurde im Krisenfall gewährleistet, dass weder Kommunikation, noch Strom- oder Wasserversorgung abbricht. Es hatte Unsummen gekostet, das alles so herzurichten. Aber letztendlich hat es sich wohl ausgezahlt. Als ob man gewusst hätte, dass es eines Tages soweit kommen würde, dass wir eine Art Invasion aus einer anderen Welt erleben müssten. »Du siehst aus, als hätte dich ein Gedankenblitz erschlagen. « Erzählte sie mir lachend. Aber mir war gar nicht zum Lachen zumute. Wie konnte sie in einer so absurden Situation noch lachen? Ich stieg die Leiter hinauf und legte mich in das Bett. »Weißt du. Morgen musst du dringend einiges lernen. Andernfalls überlebst du hier nicht lange. Du musst wissen, wie man mit Waffen umgeht. Und außerdem leistet hier jeder eine Art gewissen Beitrag zu unserer Gemeinschaft. Wir helfen uns gegenseitig beim Überleben. « Es war alles für mich noch sehr verwirrend. Wer hätte gedacht, dass ich mein Leben so schlagartig ändern kann? Und jetzt liege ich hier. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich wirklich sicher bin. Oder Alina. Oder irgendjemand. So lange da draußen diese Monster rumlungern, gibt es keine Sicherheit.
»Komm. Aufstehen. Wir müssen runter. « Ich schlug meine Augen auf. Ich wusste nicht, wie lange ich geschlafen hatte – auf jeden Fall zu kurz, um mich wirklich erholen zu können. »Wieso so früh? « meckerte ich ihr entgegen. Sie nahm ein Gewehr und warf es mir entgegen. »Wenn du überleben willst, dann steh auf. « Ihre Stimme klang nun mehr schnippisch als alles andere, aber sie hatte Recht. Sollte ich hier alleine sein, könnte es nicht lange dauern, bis mich Riftlinge finden und töten. Also stieg ich übermüdet aus dem Bett und folgte Ihr durch die Tür. Wir gingen den langen Gang entlang und folgten einer Treppe, die in den Keller des Komplexes führte. Sie drehte sich während wir die Treppen hinunterstiegen zu mir um. »Wie hast du geschlafen? « »Frag nicht«, entgegnete ich ihr. »Es war viel zu kurz. « Sie lachte kurz und wartete nicht lange mit einer Antwort. »Du wirst dich dran gewöhnen. Du musst unbedingt die anderen kennenlernen, das wird dir deine Stimmung aufheitern. « Die anderen? Ach, ja… Es war eine Gruppe, die sich gegenseitig hilft. »Wie alt bist du? « fragte sie mich. »39« war meine Antwort. Zumindest dachte ich, ich sei 39. Jünger war ich definitiv nicht. »Ich bin 18. « So jung war sie und doch hat sie es besser hinbekommen, zu überleben, als ich. Schließlich hat sie mich gerettet. Da fiel mir ein… »Sag mal. Wieso bin ich überhaupt hier aufgewacht? Ich meine. Wie bin ich hier hergekommen? « Sie zögerte ein wenig mit ihrer Antwort. »Nun.. ich habe dich gefunden. Du lagst einfach draußen da. Ich und ein paar Freunde haben dich hier hinein gebracht. « Jetzt erst erinnerte ich mich! Vor Schreck blieb ich entsetzt stehen. Sie musterte mich verwirrt. Ich muss ausgesehen haben, als ob ich einen Geist gesehen hätte. »Ich erinnere mich… An meine Vergangenheit. « Plötzlich hielt sie auch an und sah mich erwartungsvoll an. Wir standen nun in einem ziemlich schlecht beleuchteten Kellergang. Es war furchtbar kalt, aber irgendwie hatte ich das Bedürfnis, mit jemandem darüber zu reden. Dennoch wusste ich nicht recht. Konnte ich ihr vertrauen? Immerhin verdankte ich ihr mein Leben. Und sie wollte mich in eine Überlebensgruppe aufnehmen, was besonders in dieser Zeit unheimlich wichtig war. Ich versuchte mich an die Details der Geschichte zu erinnern und fing an frei zu erzählen. »Ich war… Forscher an einer renommierten wissenschaftlichen Institution, ScienceNow hieß sie. Darum lebte ich nicht weit vom Labor entfernt… Ja, ScienceNow hat auch über die Rift Forschungen getätigt, allerdings bewahrten alle Stillschweigen über die Vorgänge. Ich selbst hatte aber nie an den Forschungen daran teilgenommen. Es war am Abend. Ich hatte eine Frau und zwei Kinder. Es lief alles wunderbar und niemand hätte erahnen können, was darauf folgte… Wir waren gemeinsam am Essenstisch und haben zusammen auf einem Brettspiel gespielt. Dann ging alles irgendwie schnell. Auf den Straßen riefen sie aus, dass wir alle unsere Häuser verlassen und fliehen sollten. Doch ehe wir das Haus verlassen konnten, war es schon so weit. Wir hatten unseren ersten Kontakt mit den Riftgeborenen. Wir wussten nicht, wie uns geschah und ehe ich mich versah, fiel eines von ihnen meine Frau an. Ich musste mit ansehen, wie es sie umbrachte. Meine Kinder und ich konnten aus dem Haus fliehen, doch auf den Straßen war es noch viel schlimmer. Sie waren überall… Und dort, wo sie Menschen antrafen, ließen sie nichts als Tod und Blut zurück. Wir versuchten zu rennen, so schnell wir konnten. Vielleicht hätten wir es in eine der Militärstützpunkte schaffen können. Dort wären wir sicher. Doch es dauerte nicht lange, bis wir dieser Hoffnung beraubt wurden. Mein Sohn war der nächste, der ihnen zum Opfer fiel, als eines ihn beim Vorbeirennen mitriss. Als wir sahen, wie stark sie die Straße zu dem Stützpunkt besetzten, gab es auch für uns nur noch eine Lösung. Wir mussten Ausschau nach einer anderen Fluchtmöglichkeit halten. Es fand sich auch eine: Ein kleines Stückchen weiter war eine offene Kanalisation. Selbstverständlich versuchten wir dort hin zu fliehen. Die Chancen, dass sie Abwasser hassten, waren größer als lebendig durch die Straßen zu kommen. Ich weiß nicht, ob es Glück war, es alleine bis dahin zu schaffen, aber wir kamen tatsächlich in die Kanalisation und rannten wie verrückt die Rohre entlang Richtung Stützpunkt. Doch was wir fanden, war etwas ganz anderes… Meine Tochter konnte plötzlich nicht mehr rennen. Ich wusste nicht, was los war, bis ich bemerkte, dass sie sich den Bauch hob. Erst jetzt sah ich das Blut. Sie muss es erwischt haben, ohne dass ich es bemerkt hatte… Was war ich nur für ein miserabler Vater, der seine ganze Familie hat sterben lassen. Und jetzt… Jetzt starb in meinen Armen auch das Letzte, was mir blieb. Was war das nur für eine grausame Ungerechtigkeit? Warum? Ich verfluchte diese Welt und vor allem diese Monster. Ich fühlte nichts anderes mehr außer Trauer und Wut. Wut gegenüber denen, die mir alles genommen hatten. Ich wollte es nur noch zum Stützpunkt schaffen… Ihr Tod sollte nicht umsonst gewesen sein. Doch als ich mich umdrehte und los laufen wollte, sah ich, wie sich ein Riftgeborener näherte. Ich spürte ein tiefes Stechen und das ist das Letzte, an was ich mich erinnern konnte. «
Alina starrte mich verwundert an. »Das tut mir Leid für dich, aber…« sie zögerte ein wenig. »… Der Ausbruch ist nun 107 Jahre her. «
In den Worten konnte ich eine gewisse Traurigkeit deutlich heraus hören. Ich reagierte erst mit Sprachlosigkeit. War das ein schlechter Scherz? Wollte Sie mich auf den Arm nehmen? »Wie? Das kann nicht sein! « »Glaubst du denn ich mache Spaß? Der Ausbruch war vor 107 Jahren. Das kann nicht deine Erinnerung gewesen sein. « Ich weiß selbst nicht, was ich glauben sollte. Es wirkte so real für mich, als ob es wirklich ein Teil meiner Erinnerung wäre. Da fiel mir plötzlich etwas ins Gedächtnis. »Die Zeitungen!« Ich zögerte ein wenig, um meine Gedanken zu sortieren. Dann erklärte ich ihr meinen Gedanken. »Die Zeitungen, die ich im Zimmer gelesen habe. Die hatten Artikel über die Forschungsergebnisse von damals. Die hätten niemals 107 Jahre alt gewesen sein. « Alina neigte ihren Kopf um mich fragend anzuschauen. »Du.. Da war nur ein Zeitungsartikel. Und der ist ein paar Monate alt. Ich hatte gehofft, du könntest dadurch etwas über die Welt hier lernen, da du offensichtlich dein Gedächtnis verloren hast. Da kann unmöglich etwas von vor 107 Jahren sein. « Ich spürte plötzlich starke Kopfschmerzen und immer mehr wird mir bewusst, wie verwirrt ich eigentlich war. Hatte ich psychische Schäden? Was ist nur los? Sie nahm meine Hand und führte mich wieder zurück in unser Zimmer. Und tatsächlich – es lag nur ein einziger Artikel einer Zeitung da und diese war, wie sie sagte, ein paar Monate alt. Also hatte sie doch Recht. Aber was ist dann passiert? Wer bin ich dann? Und woher komme ich? Ich stand wieder vor dem Nichts. Sie erklärte mir, dass das alles normal sei bei einem verlorenen Gedächtnis. Aber ich hörte ihre Worte nicht mehr ganz. Gedankenversunken folgte ich Ihr.
Kurze Zeit später standen wir vor einer schweren Eisentür. Sie war mit großen Schlössern verriegelt und es dauerte eine Weile, bis wir sie öffnen konnten. Bevor Alina jedoch die Tür aufzog, beugte sie sich zu mir rüber. »Also pass auf. Die Typen sind ein wenig misstrauisch und ich denke du kannst es Ihnen nicht verübeln. Überlass das Reden so gut es geht mir, ich kenne sie. « Ohne mir Zeit zum Antworten zu geben, zog sie die Tür auf und ich konnte ein eine große, spärlich beleuchtete Halle werfen. Es hatte mehr etwas von einem Betonklotz, aber die Menschen da drinnen nahmen etwas von der Kälte des Raumes und füllten ihn mit Leben. Es verging keine Sekunde ehe alle im Raum uns anstarrten. Es waren 14 Leute. Kurzerhand unterbrachen alle ihre Tätigkeiten und gingen auf Alina zu. Ich hörte, wie sie sich miteinander besprochen haben, aber keiner schien mich groß zu beachten. »Was macht er hier? « »Wer ist er? « »Woher kennst du ihn? « Die Menge durchbohrte sie regelrecht mit Fragen. Doch sie blieb ruhig und erklärte ihnen die Situation. Es dauerte eine Weile bis plötzlich jemand aufschrie. »Das ist der Typ! Der hat mich angegriffen! « Sofort fielen alle Blicke auf mich. Ein kräftiger, dunkelhaariger Mann lief auf mich zu, bewaffnet mit einer Eisenstange. Ehe ich reagieren konnte, spürte ich den Aufschlag der Stange gegen meinen Kopf. Ein donnernder Schmerz durchzog meinen Körper, doch ich blieb nicht lange bei Bewusstsein, um ihn noch länger ertragen zu müssen. Ich sah die entsetzen Gesichter der anderen und fiel zu Boden. Dann hörte ich einen Schuss. Er war aber nicht für mich bestimmt.