Eher Überzeugung. Ich finde deine (zugegeben sehr verbreitete) Interpretation recht oberflächlich. Die religiöse Schrift geht ja davon aus, dass das gepriesene Verhalten korrekt ist, dass gute Menschen es einhalten wollen.
Man braucht Strafen nicht als Drohung, weil sie eher den Leuten gelten, die nicht zu überzeugen sind, also von Grund auf "schlecht" sind.
Warum es diese Individuen überhaupt gibt, ist für mich der eigentliche Kritikpunkt. Diese Frage lässt eigentlich jede religiöse Schrift offen. Klar, Theodizee, nur wieso gibt denn ein perfekter Gott überhaupt die Wahl, etwas Schlechtes zu tun?
Das ist imho der eigentliche Aspekt, der die Legitimation Gottes als Perfektion und Vollkommenheit in Frage stellt.
Btw. weil du glaube ich auch mal den Teufel als den eigentlich Guten hingestellt hast, weil er der Freidenker war: Du gehst davon aus, dass dieses Freidenken richtig ist. Die Kirche nicht. Wenn man etwas vergleichend beurteilen will, muss man denselben Maßstab anlegen. Als nicht perfekte Wesen haben Menschen natürlich dem Willen des perfekten Gottes zu folgen, alles andere macht keinen Sinn. Der Teufel hat den Frieden gestört, der herrschte. So einfach ist das. Er war nicht gut. Das hat auch nichts mit Auslegungssache zu tun. Der Teufel ist als das Böse definiert, als die Sünde. Er war überheblich und uneinsichtig. Gott hingegen ist als das Gute definiert. Er muss einen nicht davon überzeugen, dass es richtig ist, was er sagt, und es ggf. mit Gewalt durchsetzen, es IST richtig. Und damit ist jeder, der dagegen rebelliert, per Definition böse. Da magst du noch so sehr von deinem aufklärerischen Freidenken überzeugt sein.
Zudem ist das Ganze aus unserer Sicht auch noch zu betrachten: Der Teufel wollte nicht akzeptieren, dass der Mensch Gottes Lieblingsgeschöpf ist. Wieso sollten wir diesen uns nicht gerade wohlgesonnenen Typen verehren, anstatt unseren liebenden Vater? Was wollen wir denn mit freiem Willen, wenn wir damit nichts Gutes hinbekommen?
p.s. Für die Leute, die es vielleicht nicht bemerken: Ich schreibe natürlich aus der Sicht eines Religiösen. Ich glaube nicht an Gott.