Der derzeitige Ministerpräsident ist Recep Tayyip Erdogan, ehemaliger Bürgermeister Istanbuls und Gründer der Regierungspartei AKP („Partei für Gerechtigkeit und Fortschritt“). Der große Erfolg der AKP seit ihrem erstmaligen Antreten zu den Parlamentswahlen im Jahr 2002 ist größtenteils auf die Person Erdogans zurückzuführen, der bereits 2002 zum Ministerpräsident gewählt wurde. Erdogan genießt jedoch keine uneingeschränkte Unterstützung der Bevölkerung. Besonders von kemalitischer Seite sieht er sich starker Kritik ausgesetzt, jüngst aufgrund seine Ankündigung im Juni 2007, selbst für das Präsidentenamt kandidieren zu wollen.
Grund dafür ist seine viel diskutierte islamistische Vergangenheit und das Profil seiner konservativ-islamischen Partei AKP. In jungen Jahren schloss sich Erdogan der fundamentalistischen „Nationalen Heilspartei“ an, die jedoch 1983 verboten wurde. Auch deren Nachfolgeorganisationen, der „Wohlfahrtspartei“ sowie deren Tochterpartei, der „Tugendpartei“, gehörte Erdogan an. Beide Parteien wurden 1998 beziehungsweise 2001 verboten.
Im Jahr 1998 wurde Erdogan wegen „Volkverhetzung“ zu einer mehrmonatigen Haftstrafe und einem lebenslangen Politikverbot verurteilt, nachdem er während einer Rede ein religiöses Gedicht zitiert hatte. Nach seinem Gefängnisaufenthalt distanzierte sich Erdogan von radikalen, fundamentalistischen und islamistischen Bewegungen und gründete 2001 die AKP, die für eine Vereinigung von demokratischen Prinzipien und konservativen Werten stehen sollten.
Auch die von Erdogan geführte AKP sah sich 2008 einem Parteiverbotsgefahren ausgesetzt. Als Begründung wurde vorgebracht, die AKP unterwandere die laizistischen Ordnung der Türkei und beitreibe deren Islamisierung mit dem Ziel der Errichtung eines auf der Scharia basierenden Gottesstaates. Der Antrag auf ein Verbot der AKP wurde allerdings im Juli 2008 durch das türkische Verfassungsgericht abgelehnt.
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