Bemerkenswert ist, dass außer Shen Te keine Figur im Stück den Trieb verspürt „gut" zu sein. Yang Sun, dessen Mutter, Frau Shin, die Hausbesitzerin Mi Tzü, die arme achtköpfige Familie - alle wollen überleben oder das Erreichte sichern oder besser leben, je nach finanzieller Ausgangsposition. Und sie haben keinerlei Hemmungen, anderen zu schaden, wenn sie sich selbst dadurch nützen können. Ihre Handlungsweise erscheint manchmal geradezu instinktiv auf das Überleben oder auf das bessere Leben ausgerichtet zu sein. Sogar Wang, der freundliche Wasserverkäufer, betrügt seine Kundschaft mit einem Trinkbecher, der einen doppelten Boden hat. Beachtenswert ist, dass die einzige zumindest punktuell selbstlos handelnde Figur außer Shen Te der reiche Barbier Shu Fu ist, der Besitzer der großen Lagerhallen, die er den Obdachlosen zur Verfügung stellt. Berührt von Shen Te’s altruistischem Verhalten übergibt er, der Großbürger, ihr auch noch einen Blankoscheck ohne Anspruch auf Gegenleistung.