Hey,
hab den Thread nicht vergessen, auch wenn es wieder etwas gedauert hat. Das Studium und die bezahlten Aufträge und Beratungen gehen nunmal vor ;)
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Originally Posted by *Excite*
Und sry für meinen fehlerhaften Abkürzung weil ich meinte den Antshares(ANS) Coin und nicht den Aragon(ANT) :/ Bin halt noch etwas neu beim Thema Kryptowährung.
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Kein Problem, folgend nun mein Kommentar zum Thema Antshares. An der Stelle verzichte ich mal auf eine Kurzfassung (der letzte Satz zu dem Thema in dem Post könnte die Definition von Kurzfassung hier erfüllen).
Erstmal zur Aufmachung. Die
[Only registered and activated users can see links. Click Here To Register...], die eigentlich "englisch" sein sollte, enthält (zumindest bis zu der Zeit, zu der ich diesen Post hier verfasse) viele Links die nur auf chinesisch beschrieben sind. Links auf die Dokumentation verlinken standardmäßig auch in die chinesische Version (kann man zwar sofort wieder umstellen, hinterlässt dennoch keinen guten Eindruck). Die beiden verlinkten Blockexplorer sind zum Großteil auf chinesisch, selbst in der "englischen" Ausführung. Für ein lokales Projekt in China mag das zwar vielleicht "high class" und "international" sein, nach globalen Standards aber definitiv erbärmlich. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Entwickler ja bereits eine Stange Geld als Finanzierung eingestrichen haben. Im Gegensatz zum öffentlichen Auftritt und den Blockexplorern ist die Dokumentation aber wenigstens in englisch verfügbar (also wirklich englisch, ohne halb chinesisch zu sein). Ein paar kleinere Orthographiefehler, aber ansonsten sprachlich gut lesbar.
Was mir am Anfang fehlte war ein direkter Link zum tatsächlichen Whitepaper. Das Erste, was ich las, war das "
[Only registered and activated users can see links. Click Here To Register...]". Das erklärt, wie in der Antshares Blockchain die Konsensfindung funktionieren soll. Zusammengefasst wird hier eine einfache Demokratie der "Bookkeeping-Nodes" mit 2/3-Mehrheit beschrieben. Relativ unspektakulär und im Kontext eines quelloffenen und für Jedermann zugänglichen Peer-to-Peer-Systems stellt sich hier für den versierten Leser sofort die Frage wie dieses Konsensmodell vor Angriffen geschützt werden soll. Hierzu fällt einem sofort ein
Sybil-Angriff ein. Ferner könnte das System bereits bei 34% böswilliger Knoten, die sämtliche "Abstimmungen" ablehnen, keinen Konsens mehr finden. Quasi einzig zum Zweck der Absicherung vor solchen Szenarien existieren Proof-of-Work und Proof-of-Stake bei anderen dezentralen Währungen. Auch wenn es in dem Paper ganz nett beschrieben ist, stellt es wegen ebendieser Gründe noch kein funktionierendes Konsenssystem dar, was die Sinnhaftigkeit des Dokuments im Kontext der Kryptowährung ein wenig in Frage stellt.
Als Teil der Dokumentation gibt es dann auch das "richtige"
[Only registered and activated users can see links. Click Here To Register...], welches ich dann gelesen habe. Im Übrigen existiert auch
[Only registered and activated users can see links. Click Here To Register...], welche allerdings nicht deckungsgleich ist (es fehlen das Kapitel "Technology Architecture"). Da es beides offizielle Quellen sind, macht so ein Widerspruch natürlich wieder keinen guten Eindruck, aber wie schon in meinem letzten Post erwähnt, ist das in diesem Milieu anscheinend nicht so relevant.
Allgemein sind hier und da (so auch bspw. im Kapitel "Privacy Protection") meiner Meinung nach entweder detailliertere Ausführungen oder Verweise auf detailliertere Ausführungen (andere Paper o.Ä.) notwendig. Oder eine Art Yellowpaper, wie es Ethereum gemacht hat. Generell enthält das Whitepaper keinerlei Referenzen, was nicht nur ein wenig schade ist, sondern im Kontext einer wissenschaftlichen Arbeit (so kann man die Arbeit an innovativen Kryptowährungen durchaus bezeichnen) eigentlich ein no-go ist.
Den Sourcecode habe ich mir nicht angesehen. Ich habe also keine über das Whitepaper hinausgehenden Kenntnisse darüber, wie weit oder gut die Implementation ist.
Folgende tiefergehende Fragen oder wenigstens beachtenswerte Punkte sind mir beim Lesen aufgefallen.
"Non-breaking deterministic billing" (docs) / "Certainty Bookkeeping without Forks" (github)
In diesem Kapitel wird; völlig zu Recht; kritisiert, dass in bestehenden dezentralen Kryptowährungen die von Clients beobachtete Blockchain im nachhinein durch eine längere (oder anderweitig gewichtigere) Version überschrieben werden kann. Dies lässt erst als valide erkannte Blöcke (inklusive der in ihnen enthaltenen Transaktionen) im Nachhinein ungültig werden. In bestehenden Systemen kann das über >50% Angriffe genutzt werden. Im Paper wird als alternative Ursache allerdings auch eine Spaltung des Netzwerkes genannt. Dass dann also 2 disjunkte Netzwerke für sich arbeiten und die Arbeit (und Transaktionen) des einen (weniger mächtigen) Netzwerkes bei einer Zusammenführung verloren geht. Ist zwar alles rechtmäßig kritisiert, und der Konsensalgorithmus ist so implementiert, dass die Historie im Nachhinein unveränderlich ist (keine >50%-Angriffe auf die Historie), aber wie genau das bei einer Netzspaltung abläuft und wirkt, dass kein Client eine "Illusion" eines Konsens hat, bleibt leider offen.
"Legal Status" (nur in der Github-Version)
Im letzten Absatz dieses Kapitels wird beschrieben, dass im Falle eines Verlustes der privaten Schlüssel ein Mechanismus existiert, welcher die "verlorenen" Assets ohne Hilfe einer dritten Stelle wieder zugänglich machen kann. Ein solcher Mechanismus ist nicht so trivial, dass er sich dem geneigten Leser durch bloße Erwähnung erschließt. Selbst als Person mit einigermaßen solidem Wissen, würde mir da jetzt nichts solides einfallen. Eine Erklärung bleibt das Papier dem Leser auch hier schuldig.
Verteilung der ANS
Sämtliche jemals existierende ANS sind bereits mit dem ersten Block existent. Die Verteilung ist im Paper beschrieben. So werden (mindestens) 50% vom AntShares Team gehalten. Dadurch, ANS generieren alleine durch das Halten ANC und verleihen anscheinend die Macht über den "Accountant" (die Accountants / Bookkeeping-Nodes? Das genaue System ist leider auch nirgends explizit beschrieben, man findet nur Hinweise.) für den Konsens zu bestimmen. Hier stellt sich dann die Frage inwieweit man noch von einer wirklichen "Dezentralität" sprechen kann.
Kryptographische Sicherheit
Im Paper wird die Verwendung der Algorithmen SM2 und SM3 beschrieben. Die Algorithmen wurden beide von chinesischen Regierungsstellen ausschließlich auf chinesisch veröffentlicht. Ich habe hier keine tiefere Diskussion und Analyse in den entsprechenden Fachkreisen gesehen. Wie sicher diese Algorithmen kryptographisch tatsächlich sind, ist daher nicht wirklich abschließend geklärt.
"Stealth Addressing System"
Die im Paper gemachten Andeutungen sind interessant, die genaue dahinterstehenden Mechanismen und Algorithmen bleiben dem Leser allerdings unklar. Das mag vielleicht nichts Neues sein, aber dann wenigstens eine Referenz auf die Arbeit, die das System beschreibt, wäre schon angebracht.
Gut, ANS sorgen indirekt anscheinend für die Konsensbildung und generieren die ANC, die als Servicewährung für Transaktionkosten und weitere Servicekosten dienen. Die eigentlichen hochvolumigen Geschäfte werden mit Assets außerhalb der Blockchain (Aktien und andere Wertpapiere, Fiat-Währungen, etc.) gemacht. Die Blockchain selbst ist quasi nur ein Medium, um die Assets sauber zu transferrieren.
Das an sich ist eine super Sache für die Finanzwelt. Aber ANC und quasi die "Mutterwährung" ANS haben für die Parteien, die hier ihre Geschäfte abwickeln lediglich eine untergeordnete Bedeutung. Mehr noch, im Paper selbst wird beschrieben, dass Konzerne die Accountants außerhalb des Antshares-Universums mit Fiatgeld bezahlen könnten, damit sie im Gegenzug keine Transaktionsgebühren in ANC onchain berechnen. Dann blieben nur die Gebühren zum Erstellen der onchain Assets. Das Ganze könnte im laufenden Betrieb zu wenig Nachfrage von ANC führen. Und was keine Nachfrage hat, ist nichts wert.
Bei ANS ist es ein bisschen anders. Über ANS werden wohl die Accountants bestimmt. Heißt, dass die auf dem System handelnden Akteure ein Interesse an ANS haben könnten, um ihre eigenen Accountants einzusetzen, welche ihre Transaktionen ohne weitere Gebühr durchwinken. Wie weit dieses Interesse allerdings in der Praxis geht, vermag ich hier nicht zu beurteilen. Ab bestimmten Preisen wäre es für die potentiell interessierten Akteure halt günstiger das Geld anderweitig anzulegen statt in ANS zu investieren (wo die Volatilität cryptowährungstypisch auch nicht gerade insignifikant ist) und von den daraus resultierenden Gewinnen einfach die Transaktionsgebühren (onchain oder offchain) zu zahlen. Auch hier sehe ich also potentiell eine limitierte Nachfrage.
Generell gefällt mir die Idee durchaus und das kann auch durchaus was werden. Es ist nicht der Grad von Dezentralisierung wie bei anderen Cryptowährungen, die Blockchain wird stattdessen als mächtiges Werkzeug für den konventionellen Finanzsektor eingesetzt. Für die Akteure ist das halt auch schon profitabel, wenn sie kein Vermögen in ANS oder ANC investieren, sondern das System "nur" nutzen. Dadurch ist es allerdings auch fragwürdig, wie viel Wert in den Tokens ANS und ANC tatsächlich steckt, und inwieweit eine Spekulation hier sinnvoll ist.
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Originally Posted by *Excite*
ANS war vor der Konferenz auf 10cent und bei der Konferenz auf ca.10€ angestiegen ,aber derzeit fällt der Kurs stark. Warum sinkt der Kurs obwohl ein reicher 4,5mio reingesteckt hat und selbst Mircosoft dabei ist.
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Vielleicht haben einige die Währung neu bewertet, weil sie herausgefunden haben, dass das System zwar interessant und wertvoll ist, die Währung selbst allerdings anscheinend keinen so hohen Wert besitzt (s.o.) und haben daraufhin ihre Anteile verkauft. Und / oder Spekulanten haben den Einstieg eines neuen Großinvestors genommen, um ihre Positionen auch zu versilbern. Mit den News zu der Währung habe ich mich nicht so genau beschäftigt.
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Originally Posted by *Excite*
Ich finde wenn DEM bekannte wäre würden dort evlt. die Kurse steigen. In größenteils Deutsch sprachige Länder würden die Leute mehr Einblick zum Thema Kryptrowährung bekommen durch das Forum bezüglich Fragen. Durch den Kleinanzeigenmarkt auf der Homepage könnten Sie mit dem DEM handeln. Bei den Ältern würde schon der Name Ihnen gefallen für die Deutsche Kryptowährung ^^
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Klar, wenn die Währung mehr nachgefragt wird, steigt der Kurs. Das Paper war allerdings dermaßen ... überschaubar und uninnovativ, dass jeder "Wal" von der Währung Abstand nimmt. Zumindest tun das die Leute, die ich berate. Eine ausschließlich deutsche Community ist nichts schlechtes, aber schränkt das internationale Interesse entsprechend ein. Und damit limitiert es natürlich auch entsprechend die Nachfrage auf fast ausschließlich die deutschsprachigen Nutzer, was entsprechend auch kurslimitierend wirkt. Und eine deutsche Community kann man auch auf Basis einer anderen, international eher akzeptierten Cryptowährung aufbauen. Über die Probleme des Papers und die ungünstige Wahl des PoW-Algorithmus habe ich ja bereits geschrieben. Ferner weiß ich nicht, wie viele Coins hier im Genisisblock vorgemined wurden, also in den Händern der Entwickler liegen. Ich kann ja auch zuhause 100 Blätter meiner JTokens drucken, 10 davon an Investoren ausgeben, hoffen, dass der Preis steigt und die restlichen dann entsprechend später verkaufen. Der Wert der Währung (und das Vertrauen in die Entwickler) wird dadurch allerdings geschmälert.
Der Name allein ist mir zu wenig als Investor. Und die "Alten" haben wohl grundsätzlich wenig Interesse an Cryptowährungen und der Kreis der Reichsbürger ist mir dann doch zu eingeschränkt ^^
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Originally Posted by *Excite*
Wenn viele Privat nutzer in eine Altcoin invenstieren der bei ca. 1 Cent liegt oder darunter steigt der Kurs dan ? Schon alleine wegen den Auto Bots die mit dem Altcoins handeln ?
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Der Kurs steigt, wenn die Nachfrage schneller als das Angebot wächst. Andersrum sinkt der Kurs entsprechend. Wenn also viele Privatnutzer ein bestimmtes Asset, bspw. eine Cryptowährung, erwerben wollen, steigt die Nachfrage und damit auch der Kurs. Bots, die automatisch Handel treiben, können den Kurs beeinflussen, aber die sind ja meist auf Gewinne (realisiert in anderen Währungen) aus, so dass sie ihre Positionen auch entsprechend wieder veräußern. Ein Nullsummenspiel bezüglich des gehandelten Assets, was maximal während der Position durch die entsprechenden Anstiege weitere Investoren anlockt.
Mit freundlichen Grüßen
Jeoni
P.S.: Holy Shit. Ohne Zeilenumbrüche sieht das im Editor wesentlich kürzer aus. Sorry für die Wall of Text.