Der Holzrusse ist eine primitive und sich
permanent ausbreitende Rückbildung des
sogenannten „Aussiedlers“. Optisch zu
erkennen durch eine Lederjacke, eine
Jogginghose der Marke adidas, die je nach
Location entweder Zuhause mit „Tapa4ki“,
draußen mit weißen Sneakers oder in der
Disco
mit Lackschuhen kombiniert werden. Unter der
Lederjacke trägt der wahre Holzrusse ein
weißes Muskelshirt, welches den Bizeps, der
tagtäglich nach 2 stündigen Trainieren an
der
Hantelbank im Spiegel begutachtet wird, zur
öffentlichen Schau stellt. Nach dem
ausgiebigen „Pumpen“ dürfen
selbstverständlich vorher/ nachher Fotos
nicht fehlen. Hierzu stellt sich der
Holzrusse in dem besagten weißen Muskelshirt
vor eine Russland bzw. CCCP Flagge, die Arme
gekreuzt, wobei man nicht vergessen darf die
Fäuste geballt unter den Trizeps zu drücken,
so dass dessen Volumen scheinbar vergrößert
wird. Des Weiteren gehört zum
Standardrepertoir eines jeden
möchte-gern-Holzrussen Goldschmuck. Dieser
lässt sich zum einen in überdimensionalen
Größen am Finger, Handgelenk, Hals und Ohr
finden. Entweder handelt es sich hierbei in
den seltensten Fällen um echtes russisches
Gold oder aber vorwiegend um Fälschungen die
beim letzten Trip nach Tschechien erworben
wurden.
Perfekt gekleidet begibt sich der Holzrusse
jeden Abend zu diversen Parkplätzen von
Einkaufzentren, wobei auch Parks oder die
sehr beliebte Autowaschanlage zu den
Treffpunkten gehören. Mit mehreren
Wodkaflaschen der Marke „Kaliskaya“ sowie
einem Tetrapak Pfirsicheistee von „JA“ zum
Nachtrinken bewaffnet, stellen sich 10 bis
15
hardcore Holzrussen im Kreis auf, um nach
der
Reihe die „qualitativ hochwertige“ Wodka zu
konsumieren.
Hierbei ist zwischen einigen Steh- und
Hockpositionen zu differenzieren. Zum einen
existiert selbige Stellung wie bei dem eben
beschriebenen Fotoshooting; oder aber
breitbeinig mit einer Hand aus der rechten
Hosentasche „Semi4ki“ raussuchend und dabei
aus den Tiefen der Bronchien alles mögliche
hochholend sowie anschließend auf höchstem
Coolnessniveau in den Mittelpunkt des
gebildeten Kreises spucken. Zum anderen
hockt
sich der Holzrusse auf eine nicht zu
beschreibende Weise hin, so dass jede
außenstehende Person staunend mit fraglichem
Gesichtsausdruck vorbeizieht, da die
Anatomie
eines Nicht-Holzrussen ein solches
Sichhinhocken nicht zulässt.
Gesprächsthemen sind schnell gefunden –
entweder der letzte Discobesuch, Schlägerei
oder die neusten Automodelle, wo
erstaunlicherweise alle Gesprächsteilnehmer
„kompetente“ KFZ-Mechaniker zu sein
scheinen.
Die Ausdrucksweise sowie der Wortschatz sind
schnell zu erlernen, da sich der Holzrusse
lediglich auf 300 Wörter beschränkt. Auf
nebensächliche Faktoren wie Grammatik wird
gänzlich verzichtet. So verwendet also jeder
gutsituierte Holzrusse an Satzanfang und
–ende Interjektionen wie „ey, bljat, nahuij
oder Alter“, diese lassen sich
selbstverständlich auch zusammenfassend
benutzen. Auch Formulierungen, wie „das
kostet teuer“ oder „das tut geil“ erhöhen
das
Prestige eines jeden Holzrussen.
Zu letzt muss jeder Holzrusse entweder im
Besitz eines 3er BMW oder Audi sein. Es ist
zu beachten, dass während der Fahrt alle
Fenster geöffnet sind – sollte ein
Schiebedach vorhanden sein, muss auch dieses
den allgemeinen Bedingungen entsprechen. Nun
fährt der Holzrusse nur mit der rechten Hand
lenkend 7 Runden durch die Innenstadt, wobei
der linke Arm aus dem Fenster baumelt und ab
und zu gehoben wird, um zufällig getroffene
„Kollegen“, die selbiger
Freizeitbeschäftigung nachgehen, zu grüßen.
Höchste Priorität hat beim Autofahren die
Wahl, der richtigen Musik, die durch einen
Subwoofer im Kofferraum auf die gewünschte
Lautstärke von 90 oder mehr Dezibel gebracht
wird. Sehr beliebt sind hierbei Interpreten,
wie Ruki Vverh, Faktor2 oder Maksim, um der
eigenen Stimmungslage Ausdruck zu verleihen
sowie die gesamte Stadt hiervon in Kenntnis
zu setzen.
Nach Beachtung all dieser Fakten darfst auch
Du dich der „perfekte Holzrusse“ nennen.