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Geschichte der Asmodier

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Geschichte der Asmodier

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Die Dinge waren nicht immer so. Es gab eine Zeit, in der die beiden Seiten dieser Welt eine Einheit bildeten und wir wie Brüder und Schwestern lebten. Wir sahen gleich aus, teilten dieselben Ideale und hatten das gemeinsame Ziel, den Turm zu schützen. Als sie versagten, zerstörten sie alles. Unsere Welt und unser Volk wurden auseinandergerissen.

In der unteren Hälfte dieser Welt findet Ihr eine flache und doch verzauberte Existenz voller Sünde, Gier, Völlerei, falschem Stolz und erdrückender Arroganz. Dort findet Ihr die Elyos, ein Volk verachtungswürdiger Kreaturen, deren seelenlose Existenz von dem Ziel besessen ist, alles Gute in dieser Welt zu vernichten. Lasst Euch nicht von ihrem reinen Aussehen täuschen - unter ihrer hellen Haut verbirgt sich nichts als Dunkelheit.

Die obere Hälfte dieser Welt ist der Ort, den wir Asmodier unsere Heimat nennen. Nach der Großen Katastrophe wurden wir in ein Dasein der Finsternis und der Ungewissheit gestoßen, das uns keine andere Wahl ließ, als uns anzupassen. Jeden Tag lehrte diese Welt uns etwas Neues, öffnete unsere Augen für Alternativen und gab uns die unerschütterliche Stärke, unser Leben neu zu ordnen. Nur durch unsere Erfahrungen waren wir in der Lage, so viel zu erreichen - man erhält schließlich nicht jeden Tag die Chance, von vorne anzufangen und seine Fehler zu korrigieren.

Doch wartet, ich greife zu weit vor. Zunächst möchte ich mich Euch vorstellen: Mein Name ist Kineas, und ich bin ein Daeva, ein Wesen, das während des Kampfes gegen die Balaur geschaffen wurde. Zusammen mit meinem Volk habe ich alles daran gesetzt, zur Sicherung unseres angestammten Platzes in Atreia beizutragen. Wir werden tun, was in unserer Macht steht, um das zu schützen, was rechtmäßig uns gehört. Wenn den Elyos der Sinn nach Krieg steht, so werden wir ihrem Wunsch entsprechen. Die Zeit des Friedens ist der Zeit der Vergeltung gewichen.

Nach allem, was in unserer Welt geschehen ist, sehe ich es als meine Pflicht an, die missverständlichen Ereignisse bis zum heutigen Tag ins rechte Licht zu rücken. Ich habe dieses Tagebuch verfasst, um eine Chronik der Jahre, die zu der heutigen Situation geführt haben, anzulegen. Vielleicht versteht Ihr ja durch sie, wie sich unsere Welt derart verändern konnte.

In diesem Sinne: Lest und lernt, was es bedeutet, ein Asmodier zu sein!


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Als Erstes möchte ich das Zeitalter erwähnen, das vor meinen Lebzeiten existierte. Unsere Geschichten berichten von grünen Landstrichen und sattem Weideland, einer Welt, in der wir mit unseren Familien in Wohlstand und Glück lebten. Dieses Zeitalter existierte noch vor den Elyos und Asmodiern, als wir alle einfach nur als Menschen bekannt waren. Atreia war eins. Eine Gesamtheit. Als wir alle noch eins waren, gab es keine Trennung; weder zwischen unseren Welten noch zwischen unseren Völkern.

So verging Jahr um Jahr und es scheint, als seien unsere Vorfahren glücklich und zufrieden gewesen. Ich kann mir nicht helfen, aber der Gedanke daran, dass sie dieses Paradies, in dem sie lebten, nicht würdigten und ihre Welt als selbstverständlich betrachteten, macht mich wütend. Zu wissen, was seitdem vorgefallen ist, hilft uns, den Zusammenhang herzustellen, und vielleicht können wir nur rückblickend verstehen und schätzen, was wir einst hatten. Vielleicht ist sogar diese Wüste, die nun unsere Heimat ist, im Vergleich mit einem anderen Land ein Paradies, obwohl ich mir kaum einen schlimmeren Ort als diesen hier vorzustellen vermag.

Bald sollte sich jedoch alles ändern. Wir hatten keine Ahnung, welche Gräuel Aion für uns vorgesehen hatte, als unsere Welt im Begriff war, einen Albtraum zu erleben, der mit grausamen Zähnen und unkontrollierbarer Blutrünstigkeit auf uns hereinbrechen sollte.


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Diese Albträume, die ich meine, das waren die Draken, und es waren grässlich anzusehende Kreaturen. Gegen diese wuchtigen Geschöpfe mit ihrer schwer zu durchdringenden Haut konnten unsere behelfsmäßigen Waffen nichts ausrichten. Und was noch schlimmer war, sie konnten ihre Schwingen ausbreiten und sich urplötzlich in die Lüfte erheben, was unsere magere Verteidigung in einem Wimpernschlag nutzlos machte. Unser Volk lernte schnell, sich vor den Draken zu verbergen, und da sie keine natürlichen Feinde hatten, wurden sie zunehmend dreister und nahmen auch zahlenmäßig zu. Es dauerte nicht lange, bis ihre dunklen Silhouetten - von Aion geschaffen, um über unsere Welt zu herrschen - ein alltäglicher Anblick im Himmel waren.

Ihre Gier nach Macht war unersättlich; ganze Arten starben aus, nachdem sie den wütenden Angriffen der herabstürzenden Draken zum Opfer gefallen waren. Sie brachten lodernde Flammen des Unheils mit sich und ließen nichts als verkohlte und verwüstete Landstriche zurück. Schon bald nach dieser ersten Angriffswelle bewiesen diese Bestien ihre Intelligenz. Da ihnen die kriegerischen Tendenzen der Krall und der Mau aufgefallen waren, vernichteten die Draken diese nicht, sondern machten sich ihre verbleibenden Bestände untertan, indem sie sie lediglich am Leben ließen, wenn sie ihren neuen Herren bedingungslose Treue schwuren. Etwa um diese Zeit durchliefen die Draken eine Art Evolution; einige von ihnen wurden größer, stärker und intelligenter als ihre Artgenossen. Diese Kreaturen wurden nicht mehr Draken, sondern Drachen genannt, und fünf unter ihnen übernahmen das Kommando über die anderen. Sie wurden als die Fünf Drachengebieter bekannt.

Die Fünf Drachengebieter, die nun erwacht waren, formierten sich schnell neu, indem sie ihre Gesellschaft nach militär-ähnlichen Rängen organisierten. Sie beschlossen, ihr Volk von nun an die “Balaur” zu nennen. Unter ihrem neuen Namen griffen diese Bestien um so heftiger an und dezimierten die wenigen übrig gebliebenen Gruppen, die noch wagten, ihnen Widerstand zu leisten.

Doch sie gaben sich noch immer nicht zufrieden und forderten auf ihrer Suche nach mächtigeren Gegnern von Aion, dem Gott von Atreia, ihnen dieselbe Macht zu gewähren, wie die, über die unser Schöpfer selbst verfügte. Als Aion sich weigerte, wandten sich die Balaur, geblendet von Wut und angetrieben von Gier, gegen unseren Gott und sammelten ihre Truppen zu einem Angriff auf den großen Turm der Ewigkeit.


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Aion wurde in die Enge getrieben und schuf zur Vergeltung zwölf Gestalten, die er die empyrianischen Gebieter nannte. Die Schönheit und Stärke dieser Geschöpfe übertraf alles, was wir je gesehen hatten, und wie die Balaur konnten sie sich mithilfe einer sonderbaren Substanz namens Äther in die Lüfte erheben. Unser Glaube an unseren Gott und unsere Hingabe an Atreia waren gewürdigt worden: Diese Geschöpfe waren unsere Abbilder und sie waren gekommen, um die Welt zu retten, die so viele von uns mittlerweile als ihre Heimat betrachteten.

Der unausweichliche Kampf begann und entwickelte sich bald zu einem langen und blutigen Krieg. Wir hatten Schutz am Turm gefunden, hinter dem Ätherschild, den unsere empyrianischen Gebieter für uns erschaffen hatten. Der Schild war jedoch klein und das Land außerhalb seines Schutzes wurde weiterhin von den Balaur kontrolliert. Außerhalb des Ätherschildes wurden unsere empyrianischen Gebieter genau so geschwächt wie die Balaur in seinem Inneren, und nachdem die Balaur dies erkannten, reihten sie unschuldige Geschöpfe direkt vor ihm auf und metzelten sie in einem Versuch, unsere Gebieter hervorzulocken, nieder. Sie waren grausame Kreaturen, und ihre Handlungen nährten nur unseren Hass auf sie.

Dies war die Zeit, die wir später den Millenniumskrieg nennen sollten, eine Zeit, in der die Menschheit einmal mehr im Schutz der Schwingen unserer empyrianischen Gebieter aufblühen durfte. Dies war außerdem die Zeit, in der ich geboren wurde, und als ich zu einem jungen Mann herangewachsen war, entdeckte ich, dass der Äther, den Aion dieser Welt geschenkt hatte, eine tiefgreifende Wirkung auf mich hatte. Der Äther reagierte auf mich und ich auf ihn, und bald wurden auch andere, die unser Volk nur selten zu Gesicht bekam, auf meine Gabe aufmerksam. Diese anderen, diese Daeva, wurden als Menschen geboren, besaßen jedoch eine angeborene Fähigkeit, den Äther, den unsere empyrianischen Gebieter sich nutzbar machen, zu manipulieren. Langsam aber sicher begann ich diese Fähigkeiten zu meistern, und wenn ich anfangs nur die Luft, die mich umgab, abzukühlen vermochte, gelang es mir innerhalb weniger Monate, Gegner festzufrieren und Feuerbälle herbeizubeschwören, mit denen ich die Balaur in Flammen aufgehen ließ. Ich wurde wie ein Gott verehrt und jene, die mich einst großgezogen hatten, stellten mich jetzt auf ein riesiges Podest. Das Gefühl, dass ich, der Sohn eines einfachen Bauern, den Balaur Schmerzen zufügen konnte, war berauschend - ein Geschenk von Aion, für das ich niemals auch nur hoffen konnte, mich zu revanchieren.

Bald war die Zahl der Daeva groß genug für unsere empyrianischen Gebieter, um eine Streitmacht zu mobilisieren. Ich trat dieser Armee bei und stieg rasch in ihren Reihen auf, ließ jedoch mein Kind, einen kleinen Jungen namens Phalaris, zurück.


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Ich stieg weiterhin kontinuierlich im Rang auf. Meine Fertigkeiten als Zauberer übertrafen die der meisten anderen Daeva, und noch bevor ein Jahr vergangen war, erhielt ich das Kommando über eine ganze Legion. Die Kämpfe waren unerbittlich. Eines ums andere Mal drohten die Balaur uns zu vernichten, doch die empyrianischen Gebieter hielten stets ihre schützende Hand über uns. Mit unseren Fertigkeiten verbesserte sich auch unser taktisches Verhalten, bis es uns schließlich gelang, ihre jüngeren und unbedachtsameren Drachen zu besiegen, vor denen wir uns anfangs noch hinter unseren Ätherschild geflüchtet hatten. Es waren vorsichtige erste Schritte, doch wie alle Eltern wissen, muss ein Kind erst krabbeln lernen, bevor es aufrecht gehen kann.

Dann kam der Tag, der uns alle aus der Bahn warf.

Lord Israphel, einer der beiden Wächter des Turms der Ewigkeit, - Lord Israphel, der die Drachengebieter hasste wie kein anderer, - verkündete, dass wir Frieden mit ihnen schließen sollten. Seine Begründung war, dass wir nicht Krieg führten, um die Balaur zu vernichten. Wir führten Krieg, um Aion zu beschützen.

Ich war verblüfft, dass einer unserer Retter so wankelmütig sein konnte, verblüfft, dass sein Mut und seine Entschlossenheit ihm so ... so plötzlich abhanden gekommen waren. Unter den empyrianischen Gebietern herrschte zunächst blanke Bestürzung. Zu diesem Zeitpunkt schien selbst die Aussicht auf einen Frieden undenkbar ... und der Frieden selbst ein Ding der Unmöglichkeit. Für uns alle bestand kein Zweifel: Israphels Vorschlag war absurd.

Und dennoch dauerte es nicht lange, bis sich zeigte, dass die schwächeren unter den Gebietern dem Kampf von Anfang an nicht gewachsen waren und sich danach sehnten, von dieser heroischen Verpflichtung entbunden zu werden. Lady Ariel war die erste, die kapitulierte. Mit zuckersüßen Worten lobte sie Israphels Voraussicht, seine Weisheit, seine Tapferkeit - Tapferkeit! - die er mit seinem Vorschlag bewiesen habe. Sie besaß die Unverschämtheit, uns, als Daeva, vorzuschreiben, wie wir zu denken und zu handeln hätten.

Wie schnell sie und ihre Anhänger doch die tausend Jahre bitterster Opfer vergaßen. Wie leichtfertig sie das von unserem Volk vergossene Blut ignorierten.

Doch einige der anderen Gebieter hatten ihren stählernen Kampfeswillen noch nicht verloren. Als Daeva hatte ich einige unserer Gebieter persönlich kennen gelernt, und der, mit dem ich am besten auskam, war der große und ehrwürdige Lord Asphel. Seine Entschlossenheit war unbeirrbar, und bei seinen Missionen waren wir immer am erfolgreichsten gewesen. Sein Talent und sein Gebahren dienten vielen von uns als Vorbild; und als Ariels erbärmliches Flehen durchzudringen begann, bemerkte ich die Grimasse in Asphels Gesicht und wusste sofort, auf welcher Seite ich stand. Er stand dagegen auf, und wir standen zu ihm. Er verurteilte Ariel wegen der Verachtung, die sie unseren Märtyrern entgegengebracht hatte, und verurteilte ihre Friedensanbahnung als törichte Zeitverschwendung.

In der Halle tobte der Aufruhr. Der Lärm klingt mir noch in den Ohren ... das Geschrei, die Verwirrung, die hassvollen Anschuldigungen, die jede Seite der anderen entgegenschleuderte. Ich beobachtete, wie Israphel mit leidenschaftlichen Worten auf Siel einredete, die ihm mit ernster Miene zuhörte. Israphel behauptete, wir könnten Aion anstatt durch den andauernden Krieg durch Friedensanstrengungen verteidigen. Zu meinem Entsetzen sah ich, wie Siel ihm zunickte.

Um wengistens ein Mindestmaß an Eintracht zu bewahren, fassten wir den Beschluss, die große Versammlungshalle zu räumen und die zwölf empyrianischen Gebieter ihren Verhandlungen zu überlassen. Ich verließ den Ort zusammen mit meinen Kampfgefährten, die wie ich wußten, dass Lord Asphels Sache die einzig gerechte war. Viele andere stahlen sich jedoch im Schutz der Nacht davon, nachdem sie ebenfalls Gruppen gebildet hatten. Es zeichneten sich bereits zwei verschiedene Lager ab, je nachdem, ob man sich den Standhaften oder den Schwächlingen zurechnete.

Geduldig warteten wir auf den Ausgang jener Nacht. Ich erinnere mich noch genau; ich blickte in die Ferne, sah die lodernden Flammen am Horizont und wusste genau, dass zwischen uns und den Balaur nie Frieden herrschen würde. Ich dachte zurück an die Jahrzehnte unaufhörlichen Kämpfens, ich sah die finsteren, seelen- und gnadenlosen Augen der Balaur vor mir, wie sie ohne jegliches Zögern meine Freunde und meine Familie niedermetzelten, angetrieben von nichts als einem bestialischen Streben nach Macht.

Ich wusste, Siel würde Israphels Vorschlag zurückweisen. Ich wusste, Asphel würde sich für seine Sache, für unsere Sache stark machen, und die anderen würden schließlich Vernunft annehmen, sogar Lady Ariel. Das wusste ich einfach; doch als die empyrianischen Gebieter schließlich wieder hervorkamen, traf die getroffene Entscheidung mich bis ins Mark und ließ meine gesamte Legion erschauern. Lady Siel hatte nachgegeben. Trotz all unserer Proteste hatten Israphel und sie als Wächter des Turms die oberste Autorität über die Zwölf inne. Die Entscheidung war unumstößlich. Wir würden mit den Balaur verhandeln. Schon hörte ich Ariels triumphierende Stimme sich über das überraschte Gemurmel erheben und die albernen Friedensgesänge ihrer fehlgeleiteten Anhänger erklingen.

Dann kam Asphel aus der Halle, die Wut stand ihm ins Gesicht geschrieben. Als er fortging, eilte ich ihm nach, und eine beträchtliche Anzahl Daeva folgten uns.



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Wenige Tage danach begann also die fehlgeleitete Friedenskonferenz. Als Zeichen der Anerkennung gegenüber den fünf Drachengebietern wurde das ätherische Feld, das den Turm umgab, gesenkt und die Drachengebieter zu den Verhandlungen ins Innere des riesigen Gebäudes gebeten. Innerhalb weniger Minuten verrann ein gesamtes Leben. Ich sah meine Legionäre an und erblickte in ihren Augen Argwohn und Zorn darüber, dass wir unsere Überzeugungen über Bord geworfen hatten und jetzt mit diesen Bestien, die nach wie vor unseren Tod wünschten, verhandelten. Ich wandte mich meinem zuverlässigsten Zenturion zu und wollte gerade das Wort an ihn richten, als sich urplötzlich alles änderte. Wir vernahmen Schreie, Aufruhr und Kampfgeräusche. Einer der Balaur lag am Boden und Lord Asphel stand in Kampfpose über ihm, mit leuchtenden Augen.

Die Balaur griffen an. Aufgeregte Stimmen flehten Siel und Israphel an, das Ätherfeld wieder zu aktivieren, doch einmal mehr versagten sie. Sie saßen mitten im Getümmel fest und waren nicht dazu in der Lage, den Turm gemeinsam zu verteidigen. Unter dem Ansturm der Balaur mit Klauen und Waffen zersplitterte und zerbrach der Turm.

Ich erinnere mich an die Schuld, die Israphel ins Gesicht geschrieben stand, als er Lord Asphel und seine Daeva-Legionen nach Norden beorderte, während Siel Ariel und ihre Truppen nach Süden führte. Uns blieb nur eine Hoffnung. Ihre Aufspaltung in zwei Gruppen - eine an jeder Seite des Turms - war der Versuch der empyrianischen Gebieter, alles in ihrer Macht Stehende zu unternehmen, um den Einsturz des Turmes zu verhindern.

Wir konnten uns halten. Den Truppen im Süden war dieses Glück nicht beschieden, wie wir jetzt wissen.

Unsere Welt wurde unversehens in Dunkelheit gestürzt, als das Licht des Turms zum Erlöschen kam. Vor Entsetzen schreiend stoben die Leute in alle Richtungen davon.

Ich kann mich noch daran erinnern, als wäre es gestern gewesen. Ich weiß noch, wie ich nach oben blickte und Teile des Turms abbröckeln und nach unten fallen sah, nur vom flackernden Licht des majestätischen Gebäudes beleuchtet. Ich stand wie angewurzelt da, als sich ein riesiges Bruchstück aus dem Turm löste und auf mich zufiel. Ich erinnere mich noch gut an jenen Tag ... an jenem Tag fand ich nämlich das andere Geschenk, das ein Daeva zu sein mit sich bringt: Unsterblichkeit.

Als ich wieder zu mir kam und mich in unserer einst großartigen Welt umsah, fand ich Atreia in zwei Hälften zerbrochen vor. Die untere Hälfe erstrahlte in grellem, leuchtendem Licht, während unsere Hälfe in kalte, trostlose Finsternis getaucht war.

Die Friedenskonferenz war zu Ende.


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Ganz allmählich gewöhnten unsere Augen sich an die Umgebung und wir konnten gegenseitig unsere Umrisse ausmachen. Unser Volk war geschockt, am Boden zerstört; keiner wusste, wie wir überhaupt überlebt hatten. Ich wies die anderen an, ein Lager aufzuschlagen und sich warmhalten; dann brach ich auf in Richtung des schwelenden Stumpfes, der von unserem Turm übrig geblieben war.


Dort entdeckte ich, dass wir Glück im Unglück gehabt hatten: Die fünf empyrianischen Gebieter, die ausgesandt worden waren, um Aion vor dem Untergang zu bewahren, waren noch am Leben. Sie riefen uns alle zusammen, um zu verkünden, dass unsere Welt sich unwiederbringlich geändert hatte, und warum. Die fatalen Folgen des gescheiterten Friedensschlusses: Millionen der Unseren hatten ihr Leben gelassen, und Siel und Israphel, die beiden Wächter des Turms, hatten sich geopfert, um viele andere vor demselben Schicksal zu bewahren. Die beiden hatten einen schrecklichen Fehler begangen, doch ihr Tod war ehrenvoll gewesen, und wir gedachten ihrer in andächtiger Stille.


Bald darauf kehrte ich zu unserem provisorischen Lager zurück und half, ein riesiges Feuer zu entfachen, um weitere Überlebende herbeizurufen. In den nächsten Tagen fanden Tausende zu uns, schwer gezeichnet von den grauenvollen Geschehnissen, die ans Licht gekommen waren. Ich hatte das große Glück, meinen Sohn Phalaris unter den Überlebenden zu finden, doch sonst war niemand aus meinem Heimatdorf übrig geblieben.


Tage und Wochen vergingen. Es wurde klar, dass unsere Welt, die in ihren Grundfesten erschüttert worden war, sich stabilisiert hatte, und wir unser Schicksal wieder selbst in die Hand nehmen konnten. Aion schien uns jedoch verlassen zu haben, zusammen mit dem Äther, der mir meine Kraft verliehen hatte. Zum ersten Mal seit langer Zeit kam ich mir wieder angreifbar vor. Um mich nicht völlig der Angst zu überlassen, sprach ich mit Asphel und machte Pläne, um eine neue Heimat für uns alle zu gründen.


750 lange Jahre vergingen, und in dieser Zeit veränderten sich unzählige Dinge. Bald ging uns das Brennholz aus, doch unsere Augen hatten sich bereits auf die eindringende Dunkelheit eingestellt. Wir erbauten unsere Siedlung, die wir Pandämonium nannten, und die schon bald zu einer großen Stadt heranwuchs. Ich sah, wie unser Volk wieder aufblühte und sich allen widrigen Umständen zum Trotz weiter entwickelte, stets unter der schützenden Herrschaft unserer Seraphengebieter.


Unsere Evolution vollzog sich auch äußerlich; angesichts der uns umgebenden Finsternis wurde unsere Haut blasser, und der unebene, von scharfkantigen Bruchstücken übersäte Boden ließ unsere Füße zu Klauen werden. Auch unsere Fingernägel wurden zunehmend krallenartiger, wie um zum Ausdruck zu bringen, dass keiner aus unserem Volk je wieder unbewaffnet sein würde. Ich tat mich zunächst schwer damit, diese Veränderungen hinzunehmen, doch da sie nun einmal offensichtlich überlebensnotwendig waren, hatten wir keine andere Wahl als uns damit abzufinden. Für uns waren sie der Preis für Israphels fehlgeleiteten Friedensversuch, den Ariel so leichtfertig und unbedacht unterstützt hatte.


In dieser Zeit erlebte ich auch, wie Phalaris alt wurde und starb, und danach seine Kinder und schließlich seine Kindeskinder. So ist das Leben der Daeva.



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Eines Tages trug sich dann etwas Seltsames zu. Die Splitter des großen Turmes, die sich in unsere weiche Erde gebohrt hatten, begannen plötzlich wieder zu leuchten, wurden kurz darauf aus dem Boden herausgezogen und erhoben sich in die Luft. Asphel schickte eine Einheit der Archonten aus, um das Phänomen zu untersuchen. Die Archonten waren unsere Elitetruppen und auch ich war ihnen zugeteilt worden.
Wir brachen sofort auf und stießen auf eine Art Portal, durch welches wir in eine Welt gelangten, die sich irgendwo zwischen Asmodae und der unteren Hälfte Atreias befand und die von in der Luft schwebenden Felssäulen erfüllt war. Den Äther, aus dem ich all meine Kraft bezogen hatte, gab es in dieser Welt im Überfluss; mit großer Erleichterung stellte ich fest, dass meine Fähigkeiten nichts von ihrer Wirkung eingebüßt hatten. Ich kehrte nach Pandämonium zurück und berichtete unseren Shedimgebietern, was wir gesehen hatten. Asphel stellte sofort weitere Archonten ab, um das Portal zu bewachen, und als ich nach dem Grund fragte, gab er keine Antwort, sondern richtete nur seinen Blick himmelwärts, auf die untere Hälfte Atreias.
Zwei Tage darauf, als wir gerade eine zweite Expedition durch das Portal planten, fiel uns auf, dass unsere in Morheim stationierten Wachen versäumt hatten, sich bei uns zu melden. Zikel, einer der Shedimgebieter und unser Gott der Zerstörung, brach mit mir selbst und den übrigen Archonten auf, um der Sache nachzugehen.
Wir waren noch nicht lange unterwegs, als wir auf eine Truppe von Kämpfern stießen, die behaupteten, aus der unteren Hälfte Atreias zu kommen, und sich uns mit gezogenen Waffen entgegenstellten. Sie sahen aus wie Engel, und obwohl sie nicht viele Worte machten, wurde sofort klar, dass sie uns anklagten. Sie gaben uns die Schuld für ein Verbrechen, das sie selbst begangen hatten! Nicht wir hatten die Drachengebieter wie einfältige Tölpel inmitten eines wütenden Krieges in unseren eigenen Turm eingeladen - sondern sie!
Zikel war außer sich vor Wut; er warf diese “Elyos” zu Boden und verlangte, dass sie Nezakan verfluchten, einen der empyrianischen Gebieter, der die erbärmliche Feigheit besessen hatte, sich dem Ruf nach einem Frieden mit den Balaur anzuschließen. Die Zeit, schleuderte Zikel ihnen entgegen, habe gezeigt, welche Seite die schuldige war. Waren die Elyos bereit, die Schuld ihrer Gebieter zuzugeben und sie für ihre Torheit zu verurteilen?
Ihr Anführer, ein Mann namens Deltras, lehnte dies jedoch rundheraus ab. Mit der verblendeten Arroganz, die wir heute als typischen Charakterzug der Elyos kennen, weigerte er sich, jegliche Schuld seiner eigenen Gebieter einzugestehen, und verfluchte stattdessen Zikel. Mit gezogenen Schwertern jagten wir auf die Feiglinge zu und machten sie nieder, wie sie es verdienten. Dennoch konnten einige wenige von ihnen entkommen; sie flohen in Richtung unserer Heimatstadt, wo sie in ihrer Wut unsere Frauen und Kinder abschlachteten, bevor wir sie endgültig erledigen konnten. Zwei von ihnen gelang es, in ihre Heimat zurück zu flüchten, schwer gezeichnet, doch noch am Leben.
Noch ...






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